Nach dem Amoklauf eines Schülers in Ansbach hat sich der Deutsche Philologenverband für ein Frühwarnsystem an deutschen Schulen ausgesprochen.

„Sinnvoll wären zwei Alarmknöpfe unter den Pulten der Lehrer“, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger Morgenpost Online. „Genauso wie der Feueralarm leider zum Normalfall gehört, wird das künftig auch mit dem Amokalarm der Fall sein.“

Einer der beiden Knöpfe solle für die Evakuierung im Falle von Bränden oder Bombenalarm gelten; der andere sei für Amokläufe bestimmt. „Da muss dann gelten: Klassenzimmer verbarrikadieren, Fenster verdunkeln, Handys auf leise stellen, weg vom Schussbereich der verschlossenen Türen.“

Die Alarmknöpfe könne man mit einer Art Sicherungssystem ausrüsten – so dass sie nur von Lehrern bedient werden können. Zusätzlich fordert der Philologenverband regelmäßige Sicherheitsübungen nach amerikanischem Vorbild. Durch Zusammenarbeit mit der Polizei sollten dabei Verhaltens- und Reaktionsmöglichkeiten bei Amokläufen trainiert werden.

Meidinger sagte: „Bislang herrschte in den Behörden die Ansicht vor, man solle durch solche Amoklaufsimulationen die Schulen nicht verunsichern. Angesichts der zunehmenden Häufigkeit von Amokläufen müssen wir wohl leider umdenken.“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, hält hingegen nichts von Alarmknöpfen in den Klassenzimmern. „Davon würde ich abraten – die sind anfällig für Missbrauch“, sagte Kraus Morgenpost Online. „Ich bin auch nicht glücklich über den Vorschlag, Amokläufe an Schulen zu simulieren, wie das bereits in den USA der Fall ist. Jeden Ernstfall, den Sie zusätzlich üben lassen, löst bei den Schülern Angst aus.“

Stattdessen sei wünschenswert, Klassensprecher flächendeckend so zu schulen, dass sie auffällige Entwicklungen von Mitschülern aufmerksam wahrnehmen und eine Vertrauensperson unterrichten. „Bei zwölf Millionen Schülern in Deutschland, brauche ich einfach ein paar hunderttausend soziale Antennen“, sagte Kraus.

Die Motive des Täters blieben unterdessen weiter unklar. Ermittler entdeckten ein Testament des 18-Jährigen, das jedoch keinen Hinweis auf den Amoklauf enthielt.

„Ich kann bestätigen, dass sich der Täter in psychotherapeutischer Behandlung befunden hat“, sagte Staatsanwältin Gudrun Lehnberger. Wie lange, sei noch unklar. „Zum Motiv des Täters kann ich noch keine sicheren Auskünfte geben“ so Lehnberger. Der Computer des Jungen sei beschlagnahmt worden. Hinweise auf Mittäter hätten sich nicht ergeben.

Der Täter hatte acht Mitschüler und einen Lehrer mit Brandsätzen und einer Axt verletzt. Polizisten stoppten den Jugendlichen mit Schüssen in den Oberkörper. Er überlebte schwer verletzt. Eine 15-jährige Schülerin, die mit der Axt am Kopf getroffen wurde, schwebte nach der Tat in Lebensgefahr.

In der Schule fand kein Unterricht statt. Stattdessen wurden die Jugendlichen psychologisch betreut. In Ansbach stehen die Menschen nach Angaben des evangelischen Notfallseelsorgers Thomas Barkowski unter Schock. „Die bedrohlichen Bilder der Tat sehen Jungen und Mädchen immer wieder vor ihren Augen“, sagte er. Es gebe enormen Gesprächsbedarf.