Bei der Loveparade in Duisburg sind nach bisherigen Angaben 15 Menschen getötet worden. Unter den Toten befänden sich neun Frauen und sechs Männer. In einem Straßentunnel (Karl-Lehr-Straße), der auf das Loveparade-Gelände führte, war es zu einer Massenpanik gekommen. Dabei starben 15 Personen. Wie die Stadt Duisbrug mitteilte, wurden 45 Menschen verletzt. Der Straßentunnel liegt im Eingangsbereich zum Loveparade-Gelände. Die Veranstaltung lief auch nach dem Unglück zunächst weiter, während am Rande des Geländes bereits Krankenwagen mit Blaulicht vorfuhren. Inzwischen hat die Polizei eine Telefonnummer geschaltet, unter der sich Angehörige von Opfern informieren können. Die Nummer der Hotline: 0203 / 94-000.

Viele Menschen auf dem Loveparade-Gelände bekamen von dem Unglück nichts mit. Es gab keine Durchsage, die Veranstaltung lief weiter - das Handy-Netz war zusammengebrochen. Die Loveparade wurde nicht abgebrochen, um eine mögliche weitere Panik zu verhindern. „Der Krisenstab der Stadt Duisburg hat sich entschlossen, aus Sicherheitsgründen die Veranstaltung zurzeit nicht zu beenden“, erklärte Stadtsprecher Frank Kopatschek. Die Notausgänge des Geländes wurden aber inzwischen geöffnet. Zahlreiche Besucher nutzen bereits die Gelegenheit. Kopatschek sprach von 45 Verletzten.

Der Hauptbahnhof Duisburg zwischenzeitlich wurde gesperrt. Bahnsprecher Udo Kampschulte sagte, aufgrund der Panik seien viele Menschen auf die Gleise in der Nähe des Loveparade-Geländes ausgewichen. „Sämtliche Gleise sind jetzt gesperrt“, erklärte Kampschulte. Der Zugverkehr in Richtung Süden wurde gegen 18 Uhr unterbrochen. Mittlerweile würden sich die Menschen vor dem Hauptbahnhof stauen. „Wir wollen versuchen, die Leute in Richtung Norden rauszubekommen“.

Hunderttausende waren zur Loveparade auf dem alten Güterbahnhof in Duisburg gekommen. Die Veranstalter erwarteten „eine Zuschauerzahl im Millionenbereich“, laut Medienberichten kamen 1,4 Millionen Menschen - das Gelände allerdings fasst lediglich 500.000 Zuschauer. Die Polizei hatte das Festivalgelände gegen 17.30 Uhr wegen Überfüllung schließen müssen - es war angesichts des Andrangs anscheinend zu klein dimensioniert. Die vor den verschlossenen Eingängen wartenden Menschen wurden aufgefordert, nach Hause zu gehen.

Doch das Publikum staute sich vor dem Eingang. Der Tunnel, in dem es zu der Massenpanik kam, liegt am Südende des Veranstaltungsgeländes. Über dem Tunnel verläuft die Autobahn A59. Das Loveparade-Publikum gelangte vom Bahnhof aus durch den Tunnel zum alten Güterbahnhof, auf dem die Techno-Party veranstaltet wurde. Die Eingänge aber wurden gegen 17.30 Uhr gesperrt - im Tunnel stauten sich die Besucher. Die Luft wurde knapp, es kam zur Massenpanik.

Ein Augenzeuge berichtet: „Wir standen mittendrin. Es hatten immer mehr Menschen noch versucht, zum Gelände zu kommen“, sagte der 21-jährige Fabio. „Wir waren schon durch den Tunnel durch und standen auf dem kurzen Stück vor dem Eingang. Dort ging es aber nicht weiter.“ Einige seien über Zäune und eine Leiter geklettert. „Wir sind danach durch den Tunnel zurück. „Meine Freundin und ich haben schon kaum mehr Luft mehr bekommen und haben die Ellbogen ausgefahren, um noch wegzukommen. Anschließend haben wir die Polizei alarmiert und gesagt, dass es im Tunnel gleich zur Massenpanik kommen wird.“

Die Bundespolizei war mit mehr als 1200 zusätzlichen Polizeibeamten im Einsatz, um den Besuchern einen sicheren Weg vom Bahnhof zum Partygelände zu ermöglichen. Die Bahn hatte 700 Sonderzüge zur Anreise ein, mehrere Fernzüge wurden vorsorglich umgeleitet. Im Laufe des Nachmittags nahm der Publikumsandrang so stark zu, dass vorübergehend Bahngleise in Bahnhöfen gesperrt werden mussten, um einen geordneten Zugverkehr zu ermöglichen. Der Hauptbahnhof musste zeitweise wegen übermütiger Besucher auf den Gleisen gesperrt werden. Besonders in Sonderzügen wurde schon vor der Veranstaltung reichlich getrunken.

Massenpanik in Straßentunnel

Nach dem Umzug von 15 Musikwagen ("Floats") hatten Techno-Stars wie Tiësto aus den Niederlanden, Loveparade-Legende Westbam, DJ Moguai oder der weltweit bekannte House-DJ David Guetta („When Love Takes Over“) aufgelegt. Motto der diesjährigen Loveparade ist „The Art Of Love“. Die gleichnamige Hymne lieferte der deutsche DJ Anthony Rother. „Die Loveparade steht seit eh und je für elektronische Musik, die auch international Aufmerksamkeit erregt“, sagte DJ André Tanneberger mit dem Künstlernamen ATB.

Die Loveparade gilt als eine der wichtigsten und größten Veranstaltung zur „Ruhr.2010“ im Kulturhauptstadtjahr. Die Raver-Parade war 1989 in Berlin gegründet worden und ist 2007 in Ruhrgebiet gezogen. 2009 hatte die Stadt Bochum kein geeignetes Gelände gefunden. Im Sommer 2011 soll die Loveparade in Gelsenkirchen Station machen.