Mindestens 25 Tote, Hunderttausende ohne Strom und Millionenschäden: Zwei Tage nach dem schweren Unwetter im Hinterland der Côte d'Azur in Südfrankreich haben die Behörden eine erschütternde Bilanz gezogen. Wolkenbrüche hatten die Gewässer rund um die Stadt Draguignan westlich von Cannes blitzschnell anschwellen lassen. Viele Menschen wurden in ihren Autos und Wohnungen von den Fluten überrascht. Die meisten Opfer, häufig ältere Menschen, ertranken in ihren Fahrzeugen.
Die Rettungsarbeiten seien zwar abgeschlossen, möglicherweise würden bei den Aufräumarbeiten unter den Schutt- und Geröllmassen aber noch weitere Opfer gefunden, teilte der Bezirk Var mit.
In und um die Küstenstadt Fréjus wurden mindestens sieben Campingplätze geräumt, wie die Stadt mitteilte. Gut 1200 Menschen wurden in Notunterkünfte gebracht. Auch in Argens brachten die Helfer Hunderte Anwohner und Urlauber in Sicherheit. Auf einem Zeltplatz wurde auch ein deutsches Ehepaar mit Kind per Hubschrauber gerettet, wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte.
Zeitweise waren 123.000 Haushalte im Département Var in der Provence ohne Strom. Zehntausende waren telefonisch nicht zu erreichen. Innenminister Brice Hortefeux sprach von „einer beispiellosen Katastrophe in der Region“. Die Hilfsmannschaften suchten dringend Übersetzer, weil sich dort zahlreiche Ausländer niedergelassen haben oder Ferienhäuser besitzen.
Die Präfektur des Var verteilte Wasser aus Kesselwagen, wenn sie die Qualität des Leitungswassers nicht garantieren konnte. Viele Schulen wurden geschlossen oder nur für die Abiturprüfungen geöffnet.
Mit dem Abschwellen der Fluten stand an, die Schäden instand zu setzen und überall aufzuräumen. Auch der Verkehr der Hochgeschwindigkeitszüge TGV zwischen Nizza und Toulon war noch unterbrochen.
In den Straßen von Draguignan war das Wasser am Dienstag bis zu zwei Meter hoch gestiegen und hatte Autos mitgerissen. Innerhalb weniger Stunden waren 350 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen – so viel wie sonst in mehreren Monaten.
Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy will nach der ersten Phase der Rettungsarbeiten zu Beginn der kommenden Woche in das Katastrophengebiet reisen. Der Präsident hatte den Betroffenen zuvor sein Mitgefühl ausgedrückt und die Unterstützung der Regierung zugesagt.
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dpa/AFP/kami


