Menschen verbarrikadierten sich in ihren Häusern, die Tore eines Atomkraftwerks wurden zur Sicherheit geschlossen: Ein Amokläufer hat in einer nordenglischen Urlaubsgegend Angst und Schrecken verbreitet.
Der Mann tötete innerhalb weniger Stunden mindestens vier Menschen, verletzte sieben weitere und brachte sich anschließend wohl selbst um. Wie viele Opfer es genau gab und was der Hintergrund der Tat sein könnte, ist bisher unklar.
Wie die Polizei berichtete, eröffnete der Amokläufer am späten Vormittag das Feuer auf einer Straße in der Hafenstadt Whitehaven. Anschließend fuhr er im Auto weiter in die Nachbarorte Seascale and Egremont. Ein beliebtes Urlaubsgebiet in England.
Die Polizei startete eine großangelegte Suchaktion und rief die Menschen auf, in ihren Häusern zu bleiben. Das nahe Atomkraftwerk Sellafield wurde unter besonderen Schutz gestellt. Am Nachmittag berichtete die Polizei dann, sie habe eine Leiche gefunden. Es sei der Hauptverdächtige. Neben ihm lag eine Waffe.
Der 52 Jahre alte Mann hatte bislang ein vollkommen unscheinbares Leben geführt. Er soll geschieden gewesen sein, zwei erwachsene Söhne gehabt und alleine gelebt haben. Seit 23 Jahren war er Taxifahrer. Er soll seine Opfer mitten ins Gesicht geschossen haben.
Eine seiner Kolleginnen sagte, das erste Opfer des Amokläufers sei ein anderer Taxifahrer und alter Freund von ihm gewesen. „Ich kann nicht fassen, dass er das getan haben soll“, sagte eine weitere Frau. „Er war sehr beliebt. Jeder kannte ihn.“
Große Sorge hatte die Polizei während der Suchaktion um Touristen, die auf den Wanderwegen in der Gegend unterwegs waren. Der Besitzer einer Gaststätte berichtete dem Sender BBC, er habe sich zusammen mit mehreren Wanderern in seinem Haus verbarrikadiert. Die Leute ständen „unter Schock“.
Bei Amokläufern haben sich nach Einschätzung von Experten oft Angst, Demütigung, Eifersucht oder Scham lange zu einer unbeherrschbaren Wut aufgestaut. Das Wort „Amok“ kommt aus der malaiischen Sprache und bedeutet „Wut“. Fast alle Amokläufer sind männlich. Viele von ihnen töten sich nach der Tat selbst, weshalb solche Anschläge in bestimmten Fällen auch als „erweiterter Selbstmord“ angesehen werden.
Der typische Amokläufer ist nach Erkenntnissen von Polizeipsychologen eher unauffällig, zeigt seine Gefühle nicht und neigt zu Selbstüberschätzung. Neben psychisch schon länger kranken Tätern gibt es auch Amokläufer, die aus banalen Gründen plötzlich „ausrasten“. Oft handeln sie aus Rache und töten wahllos.
dpa/lk




