Nach den gescheiterten Versuchen im Kampf gegen die Ölpest bereitet sich die US-Regierung auf ein monatelanges Desaster vor.

Man müsse damit rechnen, dass aus dem Leck im Golf von Mexiko noch bis August täglich große Mengen Öl fließen, sagte Carol Browner, Beraterin von Präsident Barack Obama in Energiefragen.

Die Regierung hielt die Ölpest für die womöglich "schlimmste Umweltkatastrophe“ in der Geschichte der USA.

US-Präsident Barack Obama äußerte sich enttäuscht und "wütend“ über das Scheitern des Rettungsversuchs. „Während wir zunächst optimistische Berichte erhielten, ist jetzt klar, dass es nicht geklappt hat“, erklärte er. Die Umweltkatastrophe mache wütend und sei zugleich „herzzerreißend“.

Erneut warf die US-Regierung dem Ölkonzern BP vor, zunächst geschönte Zahlen über die Menge des austretenden Öls veröffentlicht zu haben. Die Amerikaner hätten ein Recht auf bessere Information.

"Im schlimmsten Fall sprudelt das Öl bis August, bis die Entlastungsbohrungen gemacht sind. Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet“, sagte Browner.

BP-Experten waren zuvor mit ihrer Operation „Top Kill“ gescheitert, das defekte Bohrloch in 1500 Meter Tiefe durch Schlammbeschuss zu schließen.

Vermutlich Ende der Woche will BP einen neuen Versuch starten, zumindest einen Teil des ausströmendes Öl aufzufangen und abzupumpen.

Dabei wird das bestehende Steigrohr an der Quelle abgesägt und auf diese Öffnung ein Auffangbehälter gestülpt. Doch Experten sind skeptisch, ob der Versuch klappt.

Der nächste Anlauf zur Abdichtung des Bohrlochs im Golf von Mexiko könnte dazu führen, dass vorerst einmal erheblich mehr Öl ins Meer sprudeln wird. Bei der geplanten Anbringung einer Auffangvorrichtung könnte sich der Austritt von Öl und Gas vorübergehend um ein Fünftel erhöhen, teilte das US-Präsidialamt mit.

Der Energiekonzern BP will zunächst eine Art Glocke über das Leck in 1,6 Kilometern Tiefe installieren, um das austretende Öl teilweise aufzufangen und abzupumpen. Zwei ähnliche Versuche waren in den vergangenen Wochen gescheitert.

Die Plattform „Deepwater Horizon“ war vor etwa sechs Wochen explodiert und gesunken. Dabei kamen elf Arbeiter ums Leben. Aus dem Leck strömt seitdem ungehindert Öl ins Meer.

Endgültige Abhilfe sei erst im August in Sicht, wenn durch Parallelbohrungen die Quelle zum Versiegen gebracht werden solle.

Die schwerste Ölpest in der US-Geschichte war am 20. April durch eine Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ ausgelöst worden. Über 240 Kilometer US-Küste sind bereits verseucht.

AFP/dpa/lk