Eine Masseninfektion mit dem hochansteckenden Magen-Darm-Erreger Norovirus hat ein britisches Urlaubsschiff auf dem Rhein lahmgelegt. Die Zahl der Erkrankten wurde am Morgen mit 44 angegeben, im Lauf des Tages stellte sich heraus, dass es 37 akute Fälle gab. 16 wurden in Krankenhäuser gebracht, wie der Rhein-Hunsrück-Kreis mitteilte. Das Schiff „Lady Anne“ steht vor Boppard unter Quarantäne; über eine Aufhebung soll am Mittwoch entschieden werden.

An Bord waren 110 Menschen einschließlich der Besatzung. Das Kabinenschiff hatte gerade eine mehrtägige Tour von Andernach nach Rüdesheim hinter sich und war auf dem Rückweg, als immer mehr Passagiere Brechdurchfall erlitten. Die Ansteckungsursache ist noch nicht geklärt. Die Betroffenen sind nach Angaben der Kreisverwaltung zum Teil über 70 Jahre alt und damit besonders gefährdet. Lebensgefahr bestand nach Angaben einer Sprecherin aber in keinem Fall.


Das Schiff musste in Boppard anlegen, damit die Erkrankten ärztlich versorgt werden konnten. Das Gesundheitsamt schaltete sich ein. Die Amtsleiterin Dagmar Welker-Martin, Hygiene-Inspektoren und Kräfte vom Deutschen Roten Kreuz gingen an Bord. Das Schiff muss sorgfältig desinfiziert werden.


Am Nachmittag berichtete die Kreisverwaltung, den Patienten gehe es schon viel besser. Am Mittwoch könnten vielleicht einige bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. An Bord befänden sich noch zirka 20 Erkrankte.


Das Norovirus zählt zu den häufigsten Erregern infektiöser Magen-Darm-Erkrankungen. 10 bis 50 Stunden nach der Infektion kommt es zu starker Übelkeit, plötzlich einsetzendem Erbrechen, Krämpfen im Bauch und zu starken, wässrigen Durchfällen. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über direkten Kontakt zu erkrankten Personen oder indirekt über Flächen wie Waschbecken, Toiletten und Türgriffe, aber auch über Lebensmittel.


Nach Angaben der Reederei The River Cruise Line in Market Harborough, (England) wurden neben den 16 Krankenhaus-Patienten weitere 22 Erkrankte an Bord behandelt. Das Unternehmen dankte den deutschen Helfern, entschuldigte sich bei seinen Kunden für die Unannehmlichkeiten und schickte der Crew Unterstützung.

AP/kami