Late Night "Beckmann"

Boris Becker – Geständnisse eines "alten Sacks"

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Jens Steffenhagen

Foto: NDR/Morris MacMatzen

Eigentlich wollte Boris Becker bei Reinhold Beckmann über sein Charity-Projekt sprechen. Doch schnell schwenkte der Moderator auf ein unterhaltsameres Thema: das Selbstbild des Ex-Tennisprofis. Becker bezeichnete sich selbst als "alten Sack" und bewunderte Tiger Woods' "Logistik" bei seinen Sex-Affären.

Die größte Erkenntnis ließ Becker ganz nebenbei fallen: Er werde „auch nicht jünger“, gestand der inzwischen 42-Jährige. Seit seiner Hüft-Operation, der er sich vor einigen Monaten unterziehen musste, fühle er sich gar wie ein „alter Sack“. Erfrischend locker wirkte er dabei – ganz im Gegensatz zur krampfigen ersten halben Stunde, in der die Diskussion bei Beckmann dem Abfragen von Lateinvokabeln glich.

Nur mühsam schafften es die drei ersten Gäste des Talkers, neben Becker waren dies die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) und die Spitzenköchin Sarah Wiener, auf Beckmanns Stichworte hin ihre Anliegen vorzutragen. So engagiert sich etwa der einstige Tennisstar mit seinem Projekt „fit 4 future“ gegen Bewegungsarmut und Übergewicht im Kindesalter. Sarah Wiener schlägt mit ihrer Stiftung in die gleiche Kerbe.

Keinem der beiden gelang es, über die üblichen Fastfood- und Süßigkeiten-Geißelungen hinaus klarzumachen, welche Ziele mit welchen Methoden verfolgt werden. Da passte es, dass Ilse Aigner einen ganzen Beutel voll Anschauungsmaterial mitbrachte. Anhand einer Ernährungspyramide erklärte sie im Brustton der Überzeugung, dass man nicht so viel Zucker und Fett essen solle. Und Obst und Gemüse seien gesund. Danke für die Info!

Boris Becker hörte staunend zu und machte beifällige Kommentare an Stellen, die so gar nicht zu ihm passen wollten („Muße – ganz wichtig“). Kam die Sprache auf Kinder, so zeigte er sich weltmännisch: „In Afrika ist es ja so, dass man will, dass das eigene Kind möglichst rund ist. Eigentlich verrückt.“

Die Stimmung kippte gerade von Langeweile zu Ratlosigkeit, als Talkmaster Beckmann die Notbremse zog: Klatsch musste her! Und was hält die bunten Blätter derzeit mehr auf Trab als die Affären des Tiger Woods? Schnell war die Überleitung gefunden, Bilder zeigten Boris und Woods beim Plausch auf dem Green. Becker war sofort in seinem Element: „Das ist der Preis, den wir für unsere Popularität zahlen“, sagte er.

Wie der Golfer sich nun fühlt, das glaubte Becker ganz genau zu wissen: „Ich habe das Gleiche in Grün erlebt.“ Vielleicht meinte er ‚auf Grün’ – schließlich errangen beide ihre größten Siege auf dem Rasen. Abseits des Platzes dagegen sind die Geschichten kaum zu vergleichen. Beckers Kurzaffäre mit dem Model Angela Ermakova, aus der die heute neunjährige Tochter Anna hervorging, sorgte vielleicht hierzulande für ein Blätterrauschen. International krähte jedoch kein Hahn nach dem sogenannten Samenraub, der in einer Besenkammer stattgefunden haben soll, während seine Frau Barbara mit dem zweiten gemeinsamen Sohn schwanger war.

Becker begeisterte sich besonders für Woods logistische Meisterleistung angesichts einer zweistelligen Zahl von Gespielinnen: „Ich war überrascht: Wie hat er das denn alles organisiert? Der musste ja dauernd das Telefon wechseln und die Spuren verwischen“ Obwohl: Offensichtlich habe es ja „nicht ganz geklappt.“ Und so richtig verstehe er Woods nicht: „Seine Frau ist wunderschön. Aber scheinbar hat er das nötig gehabt.“

Dass Woods nun im Fokus der Medien steht, brachte Becker auf die Palme. Zu tief sitzen immer noch die Erinnerungen an seine eigenen unruhigen Zeiten: „Er hat sich vielleicht daneben benommen, aber er hat niemanden umgebracht. Diese Hetzjagd hat er nicht verdient.“

Geht es um die Berichterstattung der Presse, fühlte sich Becker schon immer ungerecht behandelt. Gleichzeitig erscheint es ihm „nur logisch“, dass er jede Publizität nutzt, um den Umsatz seiner Boris Becker GmbH anzukurbeln: „Im Moment wäre es doch töricht, nicht mehr in den Medien zu sein.“ Dabei scheint ihm jedes Mittel recht. Egal, ob vermarktete Hochzeit oder eigenes Internet-Fernsehen – Boris serviert auf allen Kanälen. Natürlich nur für den guten Zweck: „Meine Internetseite ist in erster Linie dazu da, den Boulevardmedien das Heft des Handelns aus der Hand zu nehmen.“

Irgendwann soll jedoch Schluss sein, mit der Existenz in der Öffentlichkeit, da ist sich das ‚Bobbele’ sicher: „Ich möchte später anonym leben!“

Wie er sich diese Anonymität vorstellt, machte jedoch schon der nächste Satz klar: „Und dann laden Sie mich in ihre Sendung ein und fragen ‚wo stecken Sie denn die ganze Zeit’“.