Per Handschlag haben die verfeindeten Rockerclubs Hells Angels und Bandidos am Mittwoch Frieden geschlossen. Abgesandte beider Seiten aus ganz Deutschland kamen zu einer bühnenreifen Inszenierung in einer Promi-Anwaltskanzlei in Hannover zusammen. „Beide Parteien haben vereinbart, zukünftig in friedlicher Koexistenz miteinander zu leben und sich gegenseitig zu respektierten, ohne dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt“, hieß es in einer Presseerklärung.
Das offizielle Ende des Rockerkriegs kommt einen Tag vor den Beratungen der Innenminister über ein bundesweites Verbot der Banden. Auslöser der Verbotsdiskussion war der tödliche Schuss eines Hells-Angels-Mitglieds auf einen Polizisten in Rheinland-Pfalz im März. Auch in Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern hatte es immer wieder blutige Auseinandersetzungen gegeben. Erst im April waren im Norden zwei Vereine der „Hells Angels“ und „Bandidos“ verboten worden. In Berlin droht der Bandenkrieg wegen eines Übertritts von Bandidos zu den Hells Angels zu eskalieren.
Polizeiliche Ermittler beobachten den „Friedensschluss“ mit großer Skepsis. „Wir werden sehen, ob in diesem Umfeld keine Straftaten mehr geschehen, ob es im Bereich Drogenhandel und Menschenhandel einen Rückgang geben wird. Das müsste ja zwangsläufig der Fall sein“, sagte Bernhard Witthaut, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen. „Ich halte diesen Friedensschluss im Hinblick darauf, dass die Innenminister über ein Verbot beraten wollen, letztlich für eine taktische Maßnahme.“
Verbot nicht in Sicht
Auch Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) sieht den Rockerfrieden skeptisch: „Es handelt sich hierbei um reine Augenwischerei“, sagte Ulbig. „Wir gehen auch weiterhin von der Gefährlichkeit der Rockerbanden und der damit verbundenen kriminellen Energie in diesem Milieu aus. Wir müssen hier deutlich Flagge zeigen und diesem Phänomen entschieden entgegentreten.“
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) rechnet allerdings nicht damit, dass es zu einem schnellen Verbot der Rockerbanden kommt. „Das erwarte ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht“, sagte er. Die öffentliche Diskussion darüber sei kontraproduktiv. „Die hilft nur den Rockergruppen selber“, sagte Schünemann.Er betonte, ein Verbot sei keine grundsätzlich politische Entscheidung.
Für ein Verbot müsse bewiesen werden, dass Straftaten von den Rockergruppen ausgehen. „Das ist nicht überall gegeben. Und bei einem bundesweiten Verbot muss auch nachgewiesen werden, dass es klare Führungsstrukturen gibt, dass die Ortsgruppen miteinander verbunden sind“, erklärte Schünemann.
dpa/ap










