An Bord der Maschine der Fluggesellschaft Air France, die vermutlich über dem Atlantik abgestürzt ist, sind auch mehr als 20 Deutsche gewesen. Nach Angaben des für Verkehr zuständigen französischen Umweltministers Jean-Louis Borloo waren mindestens 40 Franzosen an Bord. Die meisten Passagiere waren Brasilianer.

Die Airbus A330-200 der Air France verschwand auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris schlagartig von den Radarschirmen. "Wir stehen zweifellos vor einer Luftfahrtkatastrophe“, sagte der Chef der Fluggesellschaft Air France, Pierre-Henri Gourgeon. Die Maschine habe automatisch den Ausfall mehrerer Funktionen gemeldet, nachdem sie in ein Unwetter geflogen sei.

Während Air France die These eines Blitzschlages bevorzugte, schlossen Experten auch einen Terroranschlag nicht völlig aus. Blitzeinschläge in Flugzeuge gibt es häufig. Sie richten in der Regel keine großen Schäden an. Ein totaler Stromausfall nach Blitztreffern könnte nach Angaben der Pilotenvereinigungen aber erklären, warum die sehr erfahrenen Piloten kein Notsignal gaben.

„Wir verstehen nicht, was passiert ist“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Dominique Bussereau. „Die Hypothese einer Entführung scheint ausgeschlossen, denn die Maschine hätte irgendwo landen müssen. Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen.“


Dagegen erklärte die Pilotengesellschaft SMPM: „Wir behalten ein Fünkchen Hoffnung.“ Wenn es einen Triebwerkschaden oder ein Feuer an Bord gab, habe das Flugzeug vielleicht wassern können. Dann hätten die Insassen in Rettungsinseln gehen können. An Bord des FLuges AF 447 waren nach Air-France-Angaben 216 Passagiere und 12 Crew-Mitglieder.

Am wahrscheinlichsten sei die Hypothese einer „Zerstörung im Flug“, sagte der Luftfahrt-Gerichtsexperte Francois Granquier. Wenn die Maschine mitten in den Atlantik gestürzt sei, werde man sie kaum wiederfinden. Die Mittel dazu seien sehr begrenzt. Die Flugschreiber geben nach einem Absturz Signale ab, die es ermöglichen sie aufzuspüren. Allerdings hängt das von der Wassertiefe ab.

Der Airbus war wie geplant um Mitternacht in Rio de Janeiro gestartet. Um 3.30 Uhr gab es den letzten Kontakt mit der brasilianischen Flugkontrolle. Dann flog die Maschine vermutlich in einen Sturm. Gegen 4.15 Uhr kam das automatische Signal des teilweisen Funktionsausfalls und Air France alarmierte die brasilianischen und afrikanischen Luftfahrtämter. Dann verschwand die Maschine von den Radarschirmen.

Die brasilianischen Streitkräfte suchten am Montag nahe der Insel Fernando de Noronha 360 km vor der Küste nach der Maschine. Ein französisches Aufklärungsflugzeug nahm von Senegal aus die Suche nach dem Wrack vor der afrikanischen Küste auf. „Man muss vor Afrika suchen“, erklärte der Ex-Pilot Michel Chevalet, der das Luftfahrtmuseum Le Bourget leitet.

Die französische Großbank BNP Paribas dementierte ein Gerücht, wonach ihr Chef Michel Pébereau und andere Führungsmitglieder sich an Bord der Maschine befanden. An Bord der Maschine waren auch italienische Fluggäste, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Flughafenquellen aus Rom meldete. Laut Air France waren unter den Passagieren 126 Männer, 82 Frauen, sieben Kinder und ein Baby. Die Gesellschaft richtete eine Telefonhotline ein, die vom Ausland aus unter 00.33.1.57.02.10.55 erreicht werden kann.

Ein Raum wurde eingerichtet, um die Angehörigen der Flugzeuginsassen zu empfangen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärte seine „sehr große Besorgnis“ und forderte die Aufklärung des Vorfalls.

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AP/AFP/ddp/dpa/lk