Es war noch weit vor der Zeit, als sich die ersten Menschen vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche am Breitscheidplatz versammelten, in der um 11 Uhr der Trauergottesdienst für Klausjürgen Wussow beginnen sollte. Am 19. Juni war der beliebte Schauspieler gestorben, am Sonnabend nahmen Fans und zahlreiche Weggefährten Abschied.

Der Eingangsbereich des Gotteshauses war weiträumig abgesperrt und schnell entwickelte sich der Weg von der Straße zum Kircheneingang zu einer Art schwarzem „roten Teppich“, auf dem Wussow-Kollegen wie Wolfgang Rademann, Volker Brandt, Daniela Ziegler, Eva Habermann und Christian Kohlund fotografiert wurden oder kurze Fragen beantworteten. Fast die ganze "Schwarzwaldklinik"-Riege war vertreten, es fehlten jedoch Gaby Dohm und Sascha Hehn.

Tochter Barbara Wussow ging am Arm von Ehemann Albert Fortell so zügig wie möglich ins Innere, um dem Trubel zu entkommen. Hatte es zuerst geheißen, dass nur geladene Gäste an der Feier teilnehmen dürfen, so erhielten nachher doch noch ein paar Dutzend der vor allem weiblichen Fans die Möglichkeit, im Seitenbereich der Kirche Platz zu nehmen.

Sehnsucht nach Einfachheit

Die Trauergäste blickten auf ein großes Schwarz-Weiß-Porträt ihres Idols, das umgeben war von weißen Stabkerzen, die warmes Licht spendeten. Witwe Sabine Wussow kam laut schluchzend in die Kirche, ging vor dem aufgebahrten Sarg ihres Mannes in die Knie und verweilte einen Moment, bevor sie neben den übrigen Familienmitgliedern, darunter auch die älteste Tochter Konstanze und der 14-jährige Benjamin, Platz nahm. Es war Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, der auf Wunsch Wussows die Trauerrede hielt. Martin Germer, Pfarrer der Gedächtnis-Kirche, übernahm die Gebete, begrüßte und verabschiedete die Trauergemeinde. „Heute sind unzählige Menschen gekommen, denen Klausjürgen Wussow sehr nahe war“, begrüßte Jürgen Fliege die Anwesenden. „Aber in seinem Leben gab es auch Zeiten der Fremdheit, gerade im Verhältnis zu nahestehenden Menschen.“ Fliege sprach von Wussows Sehnsucht nach Stille, nach Einfachheit und bezog vor allem seine vier Kinder in seine Ansprache ein: „Die wichtigste Spur, die er hinterlässt, sind seine Kinder. Ohne Unterschied, sie gleichen ihm und sind ihm alle gleich lieb.“

Ein persönlicher Brief

Besonders bewegend waren jedoch vor allem die ganz persönlichen Abschiedsworte, die nach der Predigt vorgetragen wurden. Freund und Kollege Chrisian Kohlund machte den Anfang und nahm Bezug auf einen persönlichen Brief, den Wussow ihm, dem jungen, unerfahrenen Kollegen, 1975 zur Aufmunterung geschrieben hatte und den er am Sonnabend sogar bei sich trug. „Er schrieb mir: ,Behalten Sie Ihre Angst und Ihre Zweifel – und entwickeln Sie dadurch Ihre Stärke'.“ Klausjürgen Wussow, mit dem er damals auf der Bühne stand, sei sein Held gewesen. In Anlehnung an einen persischen Philosophen schloss Kohlund mit den Worten: „Ich glaube, Klaus hatte sein ganzes Leben einen Wunsch, auch wenn er das vielleicht selbst nicht gewusst hat. Er wollte eingeschrieben sein in das Buch der Liebe. Klaus, Du stehst in diesem Buch.“

ZDF-Intendant Markus Schächter würdigte Wussow als Fernsehlegende und großen Schauspieler, der den Zuschauern „ein Stück Menschlichkeit ins Wohnzimmer gebracht“ habe. „Er war der Sympathieträger der erfolgreichsten deutschen Serie.“ Damit habe er sich selbst im Fernsehen ein Denkmal gesetzt, meinte Schächter. Er sei, wie es in einem Nachruf auch hieß, „Chefarzt der Herzen“ gewesen – „der legendäre 'Halbgott in Weiß' mit grauen Schläfen, treuen Augen und sonorer Stimme“. Unter den Trauergästen war auch der „Schwarzwaldklinik“-Produzent Wolfgang Rademann. Kränze hatten unter anderem auch Roberto Blanco und Christiane Hörbiger niederlegen lassen.

Nach einer Rede von ZDF-Intendant Markus Schächter ergriff Alexander Wussow das Wort. Er trug ein Gedicht vor, sprach dann, sehr bewegt, den Vater direkt an: „Papi, wie schon bei der Mami, schlaf gut und gute Nacht. Aber guten Morgen, bis wir uns wiedersehen.“ Auch seine Schwester Barbara trug einen Text vor, bevor sie auf die persönliche Versöhnung mit dem Vater zu sprechen kam, die sich „ohne Vorwürfe und ohne Groll“ abgespielt habe. Und sie nahm weiter auf die oft so komplizierten Familienverhältnisse Bezug: „Durch Deinen Tod führst Du die Menschen zusammen, die sich in der Zeit Deines Lebens nicht begegnet sind.“ Sie verabschiedete sich mit den Worten: „Gute Nacht, Papa.“

Als Sarg und Trauergäste die Kirche verließen, hatten sich vor der Kirche zahllose Fans versammelt. Einer von ihnen legte eine rote Rose auf der Limousine mit dem Sarg ab, bevor diese über den Kudamm Richtung Waldfriedhof Heerstraße fuhr. Dort war es ebenfalls Jürgen Fliege, der die Aussegnung am Grab vornahm, das ganz in der Nähe des malerischen Sausuhlensees liegt. Sabine Wussow, obwohl sichtlich erschöpft, nahm gemeinsam mit den übrigen Familiemitgliedern die vielen Beileidsbekundungen entgegen.

Die Gedächtniskirche, ein Berliner Wahrzeichen, war bereits häufig Schauplatz von Trauerfeiern für prominente Persönlichkeiten, darunter Harald Juhnke, Hildegard Knef, Horst Buchholz, Wolfgang Gruner, Brigitte Mira und Günter Pfitzmann. Nach der Trauerfeier wurde Wussow auf dem Friedhof Heerstraße in Charlottenburg beigesetzt.

Auf dem „Prominenten-Friedhof“ an der Trakehner Allee sind unter anderen auch die Gräber der Schauspieler Horst Buchholz, Wolfgang Gruner, Grethe Weiser, Victor de Kowa, Tilla Durieux und Werner Peters („Der Untertan“), des Komponisten Eduard Künneke mit Tochter Evelyn Künneke, des Dichters Joachim Ringelnatz, des Verlegers Franz Ullstein, des Rundfunkpioniers Alfred Braun, des Bildhauers Georg Kolbe, des Komponisten Willi Kollo, des Liedermachers Ulrich Roski, der „letzten „Insulanerin„“ Edith Schollwer, des Komödienautors Curt Goetz und des Malers George Grosz.

Der an Demenz leidende Wussow war am Dienstag vergangener Woche nach langer Krankheit im Alter von 78 Jahren in einer Klinik in Rüdersdorf bei Berlin gestorben. Der Schauspieler hatte zuletzt in einer Seniorenresidenz gelebt und war mehrfach auf der Intensivstation im Krankenhaus behandelt worden.