Benefiz-Konzert

Superstars rocken für Mandela – und gegen Aids

Leidenschaftliche Appelle, großartige Sänger und ein alter Mann, der wie ein Pop-Star gefeiert wird: Das Benefiz-Konzert zum 90. Geburtstag Nelson Mandelas in London wurde zum großen Tribut an den Friedensnobelpreisträger. Sogar Amy Winehouse trat nach ihrem Zusammenbruch wieder auf.

Normalerweise gelten Geburtstagsfeiern von 90-Jährigen nicht als Partyknaller, an denen Rockstars und Hollywood-Schauspieler unbedingt teilnehmen wollen. Ganz anders sieht es aus, wenn ein Mann wie Nelson Mandela, die politische Ikone Südafrikas, seinen 90. Geburtstag feiert. Mandela wurde jetzt mit einem großen Benefiz-Konzert im Londoner Hyde Park geehrt.


Der Friedensnobelpreisträger steht wie kein anderer für den Befreiungskampf der Schwarzen und für die Überwindung der Rassentrennung. 27 Jahre saß er in Haft. Nach seiner Entlassung am 11. Februar 1990 erwarteten viele, dass er verbittert zu Rache und Vergeltung aufrufen würde. Stattdessen wurde Mandela zum Mann der Verständigung und der Versöhnung. Und für viele zum Helden.

Will Smith, Simple Minds, Annie Lennox, Formel-Eins-Fahrer Lewis Hamilton, die Sugababes, Rapperin Jamelia – sie alle kommen, um mit Mandela zu feiern. Sogar Amy Winehouse hatte angekündigt, zu Ehren Mandelas zu singen – anderthalb Wochen nach ihrem Zusammenbruch. „Ja, sie ist tatsächlich da. Und sie sieht wirklich einigermaßen gesund aus.“ Diesen Kommentar kann sich selbst Moderator Will Smith nicht verkneifen.

Er stimmt das Publikum mit seinem Klassiker „Fresh Prince“ ein. Smith will gar nicht mehr von der Bühne. Erst als seine Frau, Jade Pinkett Smith, ihm einige Klapse auf das Hinterteil gibt, räumt er die Bühne.

Leona Lewis, die britische Band Sugababes und Zucherro liefern stimmungsvolle Darbietungen ab. Wie in Großbritannien üblich, nutzten viele Zuschauer die Veranstaltung für ein ausgiebiges Picknick.

"Wellen der Liebe" im Hyde Park

Und dann kommt jemand, der keine laute Musik und auch kein glitzerndes Bühnenoutfit braucht, um aufzufallen. Nelson Mandela betritt fast unbemerkt die große Bühne des Hyde Park. Als das Publikum ihn erblickt, brandet Jubel auf. Der alte Mann wirkt zerbrechlich. Mit schlohweißem Haar, braunem Hemd und schwarzer Hose steht er da. Und die Menschen jubeln. Sie halten selbstgemalte Plakate hoch: „Nelson rocks“ steht dort drauf.

Keiner der vorangegangenen Stars zieht so viel Aufmerksamkeit auf sich. Der britische Schauspieler Stephen Fry wird nachher von „Wellen der Liebe“ sprechen, die bis auf die Bühne zu spüren gewesen seien. Kitschig, aber wahr. Aus hunderttausend Kehlen wird „Happy Birthday“ gesungen. Nicht schön, aber dafür inbrünstig.

Natürlich hat „Madiba“, wie Nelson Mandela auf der ganzen Welt liebevoll genannt wird, die Strapazen einer so langen Reise nicht auf sich genommen, um mit 90 Jahren auf den Putz zu hauen. Er wirbt für sein Lebenswerk.

Aids ist eine Frage der Menschenrechte

Sämtliche Einnahmen des Konzerts gehen an seine Stiftung „46664“, die in Südafrika gegen die Folgen und Verbreitung von Aids kämpft und dort kostenlos Medikamente verteilt. Die Nummer, die auch das Symbol des Konzertes ist, hat eine konkrete Bedeutung. Es ist Mandelas Häftlingsnummer, die er zu Beginn seiner Haftstrafe auf der Gefangeninsel Robben Island bekam. „Aids ist schon längst nicht mehr nur eine Krankheit. Es ist mittlerweile eine Frage der Menschenrechte. Sie trifft Menschen jeden Alters, aber besonders sind junge Menschen von ihr betroffen – junge Menschen in Afrika“, sagte Mandela in einem kurzen Statement. Sein eigener Sohn war 1995 ebenfalls an der Immunschwäche gestorben. Rund 10 Millionen Euro hatte er bereits bei einem exklusiven Dinner am Vortag für seine Stiftung sammeln können. Den Rest des Konzertes schaut sich Mandela von einer kleinen Tribüne aus an.

Von dort kann er auch den meistdiskutierten Auftritt des Abends verfolgen. Amy Winehouse stöckelt auf dünnen Beinchen auf die Bühne. Gemeinsam mit ihrer Band singt sie die beiden Lieder „Rehab“ und „Valerie“. Dabei richtet sie die Augen so gut wie nie ins Publikum, sie wirkt gehetzt und fahrig. Ein schwarz-weißes Kleid hängt an ihrem ausgemergelten Körper. Ihre Stimme ist dabei allerdings so gut wie immer.

Später wird sie noch einmal die Bühne kommen und den Protestsong singen, der zum ersten Mal auf der Bühne des Wembley-Stadions 1980 erklang. „Free Nelson Mandela“, singt sie gemeinsam mit Pop-Ikone Annie Lennox und dem Soweto-Gospel-Chor. Danach wirkt sie deutlich erleichtert. Dennoch vergisst sie den Appell ans Publikum, Nelson Mandelas Arbeit fortzuführen.

Annie Lennox wirbt dafür umso eindrucksvoller um Mandelas Lebenswerk. Sie zeigt das Bild einer sterbenden fünfjährigen Aidswaisen. Und dann das gleiche Kind noch einmal fünf Monate später. Nachdem die Stiftung ihr Medikamente und gesunde Ernährung ermöglichen konnte. „Es liegt in unseren Händen, die Arbeit dieses Mannes weiterzuführen. Lassen wir sie nicht umsonst gewesen sein.“ Eine eindrucksvollere und bessere Erinnerung, als den Auftritt Mandelas an diesem Abend, kann es dafür nicht geben.

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