Winnenden

Vater von Tim K. will nie mehr eine Waffe anrühren

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Als Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden geben im betroffenen Rems-Murr-Kreis immer mehr Bürger ihre Waffen freiwillig ab. Auch Tim K.s Vater, ein Sportschütze, will nichts mehr mit seinem Hobby zu tun haben. Sein Anwalt erzählte Morgenpost Online, dass er seine Waffenbesitzkarte nun freiwillig zurückgeben will.

Der 17-jährige Tim K. tötete mit einer Waffe seines Vaters 15 Menschen und sich selbst. Der Vater will deshalb nicht abwarten bis seine Waffenbesitzkarte entzogen wird. „Jedes Mal wenn er eine Waffe anrührt, muss er unweigerlich an diese Vorfälle denken“, sagte der Anwalt des Vaters Achim Bächle. Seit dem Massaker hat das Landratsamt des Rems-Murr-Kreis 20 Gewehre und Revolver entgegen genommen, berichtete Landrat Johannes Fuchs.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt derzeit gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden. Gegenstand des Verfahrens ist der Verdacht der fahrlässigen Tötung. Die Behörden verwiesen auf „konkrete Anhaltspunkte“, die belegen, „dass die Eltern Kenntnis von den gesundheitlichen Problemen ihres Sohnes hatten“.

Laut Bächle könnte Tim K. allerdings die Depressionen nur vorgeschützt haben. „Eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung habe es nicht gegeben. Wenn der Junge mit den Eltern dort war, dann gehe ich davon aus, dass die Eltern nachher gefragt haben, was haben die denn mit dir besprochen. Es kann ja sein, dass er die Depression nur vorgeschützt hat.“

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten berichtet, dass Tim K. Mitte Dezember 2008 in einem Schreiben zur Musterung an das Kreiswehrersatzamt „gesundheitliche Beeinträchtigungen in Form von Depressionen“ geltend gemacht habe.

Mit einer Rückkehr der Familie des Amokläufers in ihre Heimatgemeinde Weiler am Stein sei derweil nicht zu rechnen, sagte Bürgermeister Jürgen Kiesl in Winnenden. Es gebe keinen Kontakt zu der Familie. Auch ihr Aufenthaltsort sei der Gemeinde nicht bekannt. Über dem 3000-Seelen- Dorf liege nach wie vor eine „lähmende Stille“, eine „Schockstarre“, sagte Kiesl.

Auf dem Friedhof in Weiler zum Stein sind seit Donnerstag vier getötete Schülerinnen der Albertville-Realschule begraben. Nach Stefanie, Chantal und Jana wurde nun Kristina beerdigt. Mehr als 100 Trauergäste erwiesen ihr die letzte Ehre. Die Schülerinnen liegen dort Seite an Seite. Kränze aus leuchtend roten, gelben und orangenen Blumen schmücken die vier Gräber. „Entsetzt und ratlos stehen wir vor dem Endgültigen“, hieß es aus der übervollen Aussegnungshalle, aus der die Trauerreden per Lautsprecher nach draußen übertragen wurden.

Für Samstag ist eine zentrale Trauerfeier in Winnenden geplant, zu der 30 000 Gäste erwartet werden. Auf die Frage, wie wichtig die Eltern die morgige Trauerfeier nehmen sagte Anwalt Bächle: „Die Eltern fragen sich selber nach dem Warum. Sie können diese Fragen nicht beantworten. Jeder einzelne Beerdigungsvorgang, völlig egal wer beerdigt wird, ist nicht zu trennen von der Bestürzung der Familie K. Sie sind fassungslos, so dass diese Fassungslosigkeit nicht allein auf diesen Trauergottesdienst fokussierbar ist.“

( dw )