Der Vater des Amokläufers von Winnenden soll sich vor Gericht verantworten. Der Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger hat die Staatsanwaltschaft angewiesen, sich nicht mit einem Strafbefehl zu begnügen, sondern Anklage zu erheben. Dies bestätigte das Justizministerium in Stuttgart.

Der 17-jährige Tim K. hatte mit einer großkalibrigen Waffe seines Vaters am 11. März in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschossen. Gegen den Vater, der seine Pistole im Schlafzimmer unverschlossen liegengelassen hatte, wurde wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in 13 Fällen ermittelt. Er lebt mit seiner Familie an einem unbekannten Ort.

Die Staatsanwaltschaft wollte das Verfahren eigentlich mit einem Strafbefehl beenden und hatte den Stuttgarter Generalstaatsanwalt Pflieger darüber informiert. Das für einen Strafbefehl höchstmögliche Strafmaß ist ein Jahr auf Bewährung. „Die Staatsanwaltschaft soll laut Generalstaatsanwalt gegen den Vater Anklage erheben“, sagte Ministeriumssprecher Stefan Wirz.

Pflieger wollte keine Details bekanntgeben: „Wir bestätigen die Dinge erst, wenn die Betroffenen davon Kenntnis bekommen“, sagte er. „Für eine Anklage spricht generell, dass wir keinen Strafbefehl beantragen, wenn manche Dinge ungeklärt sind.“ Der Sprecher des Aktionsbündnisses Amoklauf, Hardy Schober, äußerte sich zunächst nicht dazu.

Im Fall des Amoklaufs gilt der Vater als mutmaßlicher Nebentäter: Er habe seine Sorgfaltspflicht verletzt, indem er seine Waffe nicht wie vorgeschrieben verschlossen, sondern frei zugänglich aufbewahrte.

Laut den Ermittlungsakten der Polizei ist das Motiv des Amokläufers unbekannt. Er hatte keine Mittäter. Zuletzt war die vom Stuttgarter Psychiater Reinmar du Bois formulierte „Masochismus- Theorie“ des Amokläufers ins Wanken geraten.

Nach einem Gegengutachten des Tübinger Psychiaters Peter Winckler hatte der 17-Jährige Tim K. keine masochistischen Störungen. Winckler sieht das Motiv vor allem in der „sozialen Unbeholfenheit“ von Tim K. und dem hohen Erwartungsdruck des Vaters. Tim K. hatte im Internet massiv Szenen konsumiert, in denen Männer durch Frauen gedemütigt werden.

AP/dpa/ddp/kami