Am Abend hatte die Feuerwehr deshalb versucht, einen Teil des Treibstoffes mit Ölsperren in einen kleinen Hafen vor Hamburg umzuleiten, um ihn dort abzupumpen. Damit sollte ein Vordringen des Diesels nach Hamburg und in angrenzende Naturschutzgebiete verhindert werden. Der Hamburger Umweltbehörde lagen zunächst keine Angaben über schwere Umweltschäden vor. Der BUND sprach hingegen von einem „der schwersten Unfälle der letzten 20 Jahre auf der Unterelbe“.

„Wie lange sich das Ganze hinzieht, wissen wir nicht“, sagte Feuerwehrsprecher Peter Braun. Für die Einsatzkräfte sei ein solcher Einsatz größtenteils Neuland. Am Donnerstagmorgen wollte die Feuerwehr mit kleinen Booten auf die Elbe hinausfahren, um den Fluss auf neue Dieselölteppiche abzusuchen. Tags zuvor waren 150 Kräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk im Einsatz gewesen. Der Diesel war am Mittwochmorgen aus dem Tankschiff „Undine“ entwichen, das aus noch ungeklärter Ursache mit dem Frachter „Aldebaran“ zusammengestoßen war. Verletzt wurde dabei niemand. Im Gegensatz zu früheren Kollisionen auf der Elbe war bei beiden Kapitänen kein Alkohol im Spiel. Möglicherweise war ein Fahrfehler der Grund für den Unfall, wurde gemutmaßt.

Die Umweltschutzorganisationen BUND, WWF und Nabu fürchten Folgen für die Natur und das Ökosystem der Elbe. Trotz aller Bemühungen der Feuerwehr habe sich der Diesel großflächig im Elb-Strom verteilt. „Wir konnten uns vor Ort überzeugen, dass sich entgegen ersten Einschätzungen auch am Südufer der Elbe ein übelriechendes Diesel- Wassergemisch ausgebreitet hat und hier wertvollen Lebensraum bedroht“, sagte Hamburgs BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch. Man befürchte, dass Wasservögel geschädigt werden könnten. „Wenn die betroffenen Vögel ihr verschmutztes Gefieder wieder reinigen, werden die Verunreinigungen vom Organismus aufgenommen und in der Folge können die Tiere eingehen“, sagte Braasch.

Die Feuerwehr bewertete den Zusammenstoß als schwersten Zwischenfall der vergangenen Jahre in Hamburg. Im Juni 2004 war der Säuretanker „ENA 2“ mit dem Containerschiff „Pudong Senator“ im Hafen kollidiert. Nach dem Zusammenstoß waren rund 950 Tonnen Schwefelsäure in die Elbe gelaufen und hatten beinahe eine Umweltkatastrophe ausgelöst. Der Kapitän der „Ena 2“ hatte bei der Havarie einen Alkoholpegel von 2,5 Promille und wurde deshalb zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

dpa/gr