"Wenn mir jemand eine Pistole in die Hand drücken würde", schreibt eine Frau in einem Internetforum über das Verhältnis zu ihrem Mann, "würde ich ohne zu zögern abdrücken." Sie hofft, dass der ständig missgelaunte Taugenichts ihre Wohnung bald verlässt und sich nie mehr bei ihr blicken lässt. Zustimmung und Mut in den Antworten: Der Tyrann muss raus!

Man findet zahlreiche solcher Beiträge im Netz. Vielleicht ist der österreichische Eventmanager Anton Barz auf eines dieser Foren gestoßen, bevor ihm seine neue Geschäftsidee kam. Er schlägt jetzt Profit aus dem Trennungswahn der Österreicher und rief die weltweit erste Scheidungsmesse ins Leben. An diesem Wochenende findet sie nun in Wien statt.

"Starte dein Leben neu", heißt es auf der Homepage www.scheidungsmesse.at . "Wenn man im Guten auseinandergeht, kann auch der Scheidungstag der schönste Tag im Leben werden", sagt Barz, der eigentlich Heiratsmessen organisiert. Der Besuch der Messe sei "kostenlos, unverbindlich und anonym". Bei der Gestaltung des Messeprogramms hat sich Barz nichts entgehen lassen: Anwälte halten Vorträge zum Eherecht, Mediatoren sprechen zum Thema "Scheidung ohne Rosenkrieg". Detektive erläutern, wie sie arbeiten, um wichtige Informationen über den Partner herauszufinden. Eine Firma der Erzdiözese Wien bietet Vaterschaftstests an, Makler halten Wohnungen für die Zeit danach bereit, Reiseveranstalter reichen Kataloge für den Wellnessurlaub, Fitness- und Schönheitsexperten sind für das neue Auftreten auf dem Singlemarkt da, und um das schlechte Gewissen zu beruhigen, referieren Experten über die Folgen von Scheidungen für Kinder und zeigen, wie man damit umgehen kann. Trennung all-inclusive. "Im Frühjahr 2008 wollen wir auch in Deutschland eine Messe organisieren. Wir denken da an München, Berlin, Frankfurt und Hamburg", sagt Anton Barz.

Scheidungsrate steigt

Weit hergeholt ist die Messeidee nicht. Seit drei Jahrzehnten nimmt die Häufigkeit der Scheidungen kontinuierlich zu. Wurden in den 70er-Jahren rund 15 von 100 deutschen Ehen geschieden, waren es zu Beginn der 90er schon doppelt so viele. Im Jahr 2003 lag die Scheidungsrate in Westdeutschland bei mehr als 43 Prozent (Ostdeutschland: 37,1) und war damit ebenso hoch wie in Österreich. Absoluter Spitzenreiter in Scheidungsangelegenheiten ist Wien: 66 von 100 Ehen werden wieder getrennt. Insofern könnte es keinen besseren Ort für die Veranstaltung geben als die österreichische Hauptstadt.

Dass das Versprechen lebenslanger Treue vor dem Traualtar von vielen nicht mehr eingehalten werden kann, darauf hat die Fürther Landrätin Gabriele Pauli kürzlich reagiert und eine Protestwelle ausgelöst. "Für mich ist eine Ehe nicht dazu da, Sicherheit zu bieten, sondern die Liebe zwischen zwei Menschen zu dokumentieren", sagte die selbst geschiedene Landrätin. Sie schlug vor, Ehen auf sieben Jahre zu befristen, mit der Möglichkeit, sie verlängern zu können.

Partnerbörse für den Neuanfang

Etwas Annäherung zwischen den Geschlechtern ist dann aber selbst auf der Scheidungsmesse willkommen. Damit es auf der Messe nicht zu Zänkereien kommt, sollte ursprünglich am Samstag nur den Frauen Eintritt gewährt werden, am Sonntag nur den Männern - Barz wollte unangenehme Begegnungen von Verflossenen vermeiden. Aber dagegen hatten so viele Anrufer protestiert, dass es in letzter Minute doch nicht zur Geschlechtertrennung kam.

Selbst eine Partnerbörse ist auf der Messe vertreten. Der Weg zur Heiratsvermarktung ist für Barz dann nicht also mehr weit. Für seine nächste Scheidungsmesse ist bereits ein Termin festgelegt worden: Sie wird am 17. November in Linz eröffnet werden.