Oli und Harry haben sich noch immer lieb. Gut, das (Alb-)Traumpaar der ARD geht jetzt getrennte Wege, was hinter den Kulissen passiert ist, weiß nur Schmidts Frau oder der liebe Gott. Aber die allgemeine Kritik an ihrer Show scheint die beiden doch so stark zusammengeschweißt zu haben, dass Pocher öffentlich kein Geschirr zerschlägt.

Oder hat der Mann klammheimlich einen Kurs in Etikette besucht? Wie auch immer: Oliver Pocher schwieg. Da konnte Johannes B. Kerner gestern Abend in seiner Late Night noch so beharrlich bohren – der blonden Hälfte des Duos „Schmidt & Pocher“ vermochte er kein böses Wort über dessen ARD-Ziehvater entlocken.

Dabei hätte man es Pocher nicht verübeln können, wenn er seinem Ärger über die Art und Weise, wie ihn Schmidt in der Weihnachtspause öffentlich abserviert hatte, zumindest stirnrunzelnd angedeutet hätte. Der Comedian versuchte stattdessen, diesen Affront herunterzuspielen. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass dieses Experiment nicht zehn Jahre dauern würde, versicherte er. Und: „Es ist ja nicht so, dass mich Schmidt rausgeschmissen hat.“

Vom Aus für die gemeinsame Sendung in der ARD habe er erfahren, als er im Weihnachtsurlaub mit der ganzen Familie im US-Bundesstaat Florida durchs Internet gesurft habe, erzählte Pocher. Er habe zwar gewusst, dass der Produzent der Show, Fred Kogel, dem Spiegel ein Interview geben würde – aber nicht, mit welchem Tenor.


Man hätte gerne Pochers Gesicht gesehen, als er schwarz auf weiß die offizielle Begründung dafür las, warum ihm die Diva Harald den Stuhl vor die Tür stellte. Er wolle „die Comedy-Latte im Superwahljahr wieder höher legen, in Richtung Anspruch und Intellekt“. Es hieß, er habe sein Potenzial im Duo nicht ausspielen können.


Das klang nach der Anklage eines beleidigten Geburtstagskindes, das trotzig verkündete, es wolle bitteschön alleine „Blinde Kuh“ weiterspielen, weil die Gäste ja doch keine Anstalten machten, aus ihrem Versteck herauszukommen. Und wer wollte, konnte zwischen den Zeilen herauslesen, dass Schmidt seine jüngere Hälfte auch noch allein für das Misslingen dieser mit viel TamTam gestarteten Geburtstagsfeier verantwortlich machte.

Ob er traurig über das Aus für „Schmidt & Pocher“ sei, fragte Kerner, eine Chance witternd, seinen Intimfeind Schmidt bloßzustellen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich der Saubermann und „Dirty Harry“ einander in herzlicher Abneigung zugetan sind. Kerner hat offenbar nie verwunden, dass ihn sein Kollege 2002 bei der Verleihung des Medienpreises „Goldene Feder“ auflaufen ließ.


Der ZDF-Moderator sollte eine Laudatio auf Schmidt halten, doch der sagte vorher mit dem Hinweis auf die „mediale Außenwirkung“ des Kollegen ab. Der hatte sich nach einer Sondersendung zum Amoklauf in einer Erfurter Schule den Vorwurf gefallen lassen müsse, er habe jedes Taktgefühl vermissen lassen, als er einen elfjährigen Zeugen interviewte.

Sollte Kerner gehofft haben, in Pocher einen Verbündeten gegen Schmidt zu finden, so hatte er sich jedoch getäuscht. Zwar hatte der neue Hoffnungsträger der ARD noch wenige Minuten zuvor bei „Schmidt & Pocher“ großmäulig verkündet, er werde seine Zukunftspläne bei Kerner ausbreiten. „Da packe ich aus – knallhart“.

Doch tatsächlich war der Inhalt seiner Schatzkiste überschaubar. Für die ARD wird er am 21. Februar zusammen mit Barbara Schöneberger in der Berliner O2-World die Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo moderieren. RTL wird sein neues Live-Programm „Gefährliches Halbwissen“ ausstrahlen. „Diverse Angebote“ für Filme gibt es angeblich auch. Spaßeshalber tat Pocher so, als würde er mit dem ebenfalls als Talkgast eingeladenen Hollywood-Schauspieler Will Smith Telefonnummern austauschen. „Ich sehe mich in einer Hollywood-Rolle.“

Gefragt nach seinen eigenen Zukunftsplänen, gab sich der 30-jährige jedoch verdächtig wortkarg. Kleinlaut musste er einräumen, dass er das Gerücht, RTL bohle um seine Gunst, wohl selber in die Welt gesetzt hatte, als er in einem Interview mit der Bunten verkündet hatte, er könne sich eine gemeinsame Sendung mit dem Casting-Papst vorstellen.

Auch über seine Beziehung zu der Moderatorin Monica Ivancan hüllte sich der 30-Jährige in Schweigen. Irgendwann platzte ihm ob Kerners Fragen nach seiner Lebensgefährtin gar der Kragen. „Ich werde hier in die Ehe reingequatscht“, entfuhr es ihm. Ob er sich aus Versehen zu Kai Pflaume in die Sendung verirrt habe, zu „Nur die Liebe zählt“?

Nein, er war tatsächlich im ZDF-Shop gelandet, bei der Dauerwerbe-Sendung mit dem Johannes. Gestern galt es, den neuen Film von Will Smith zu verkaufen. Wiederholt wies Kerner daraufhin, dass ihm dessen neuer Kinofilm ausgesprochen gut gefallen habe, auch wenn dieser – aber das sagte er natürlich nicht – beim amerikanischen Publikum gnadenlos durchgefallen war. Als Dankeschön dafür, dass Smith den öffentlich-rechtlichen Sendeplatz als kostenlose Werbeplattform nutzen durfte, servierte ihm die Redaktion auch noch ein Steak.

Die Anti-Werbung für Harald Schmidt musste dagegen ausfallen. Pocher spielte nicht mit. Vermutlich war er nur gekommen, weil ihm seine Managerin eingeflüstert hatte, dass es nicht schaden könne, gelegentlich auch im Zweiten Gesichtsmassage zu betreiben, solange noch kein Knaller in Sicht ist. Er wäre besser zu Hause geblieben. Statt die Chance zu nutzen, Kerner zu filettieren, gab es nur heiße Luft.

Aber schön, dass wir darüber gesprochen haben.