Glücksspiel

Wer den Lotto-Jackpot knackt, braucht Hilfe

| Lesedauer: 3 Minuten

35 Millionen Euro können jetzt im Lotto gewonnen werden. Lutz Trabalski gehört zu denen, die Kontakt mit neuen Lottomillionären haben. Als Leiter des Kundenservices der Berliner Lottogesellschaft betreut er Gewinner. Denn: Wer den Jackpot knackt, benötigt dringend Beratung.

Morgenpost Online: Sie haben einen Traumjob, oder?

Lutz Trabalski: Ja. Ich berate Menschen, die sich ihre Träume erfüllen können.

Morgenpost Online: Und wovon träumen die Menschen?

Trabalski: Sich ein Haus zu kaufen, zu reisen. Vielen ist die Altersvorsorge wichtig, ältere Gewinner wollen oft Angehörige beschenken.

Morgenpost Online: Was genau ist Ihre Aufgabe?

Trabalski: Ich gebe keine Anlagetipps und rate höchstens, das Geld erst mal auf ein Festgeldtageskonto mit guten Zinsen zu tun und sich in Ruhe zu erkundigen. Meine Aufgabe ist eine Art Lebensberatung.

Morgenpost Online: Und was würden Sie dem Gewinner der 35 Millionen Euro raten?

Trabalski: Möglichst wenigen davon zu erzählen, selbst innerhalb der Familie. Auf keinen Fall heranwachsende Kinder einweihen, denn die werden es weitersagen. Und dann erfahren es Leute, die es besser nicht erfahren sollten, womit allerdings nicht die Steuer gemeint ist.

Morgenpost Online: Wieso die Steuer?

Trabalski: Es gibt die Mär, Lottogewinne würden besteuert, doch das gilt nur für Zinsen und Renditen.

Morgenpost Online: Wie verheimlicht man am besten sein Glück?

Trabalski: Das fällt schwer. Am besten, man bleibt in seinem sozialen Umfeld, geht weiter zur Arbeit. Trotzdem sollte man sich etwas gönnen, nicht gleich einen Ferrari, aber ruhig shoppen gehen. Oft haben die Leute eigentlich nur ganz kleine Wünsche.

Morgenpost Online: Wie zum Beispiel?

Trabalski: Ich hatte mal eine Gewinnerin, so Ende 50, wenn ich an die denke, kriege ich heute noch eine Gänsehaut. Sie sagte, ich gehe jetzt zur Wursttheke im Supermarkt und kaufe mir Parmaschinken, Gänseleberpaste, alles, was ich mir noch nie leisten konnte. Ich will keine abgepackte Wurst mehr.

Morgenpost Online: Sitzen bei Ihnen viele, die das Geld richtig gut gebrauchen können?

Trabalski: Ja. Lotto ist das Glücksspiel der kleinen Leute, und das spiegelt sich auch bei den Gewinnern. Besonders gut erinnere ich mich an eine Frau, die einen richtig harten Nachtschichtjob hatte. Die kam zu mir und meinte anschließend, ich gehe jetzt mal arbeiten. Ich fragte sie, ob sie ihren Chef nicht fragen wolle, ob sie nun eine leichtere Arbeit machen könne. Da meinte sie nur: Das ist mein Job, den werde ich weitermachen.

Morgenpost Online: Und gibt es auch solche, die das Geld auf den Kopf hauen?

Trabalski: Klar, aber seltener. Mich fragte mal eine Annahmestelle, ob es sein könne, dass der Gewinner das Los dort gekauft habe, weil ein Mann herumerzähle, er habe gewonnen, und alle in eine Kneipe einlade. Wenig später saß er bei mir. Der war beratungsresistent.

Morgenpost Online: Macht das Geld die Gewinner auch dauerhaft glücklich?

Trabalski: Ich höre nur von ganz wenigen später noch mal was. Ein Rollstuhlfahrer etwa hat bei mir nach einem Jahr angerufen und erzählt, dass er dank des Geldes seine Wohnung so umbauen konnte, wie er es braucht. Er war total glücklich.

Morgenpost Online: Und spielen Sie selber?

Trabalski: Selbstverständlich, aber bescheiden. Denn Glück lässt sich nicht erzwingen: Ich kenne einen Gewinner, der hatte für nur 95 Cent getippt und damit sechs Richtige. Es ist ein Glücksspiel – und wer Glück haben soll, hat es auch mit dem kleinsten Tipp.

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