Sterbehilfe

Inmaculada Echevarría möchte endlich tot sein

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Jennifer Wilton

Foto: cq/jm / AFP

Dürfen Ärzte einen Menschen auf eigenen Wunsch hin sterben lassen? Inmaculada Echevarría kann inzwischen nur noch einen Finger bewegen. Ihr größter Wunsch: Das künstliche Beatmungsgerät soll ausgeschaltet werden.

Seit Wochen vergeht kaum ein Tag in Spanien, ohne dass sie auf den Fernsehbildschirmen erscheint: Inmaculada Echevarría, eine 51-jährige Andalusierin, die an Muskelschwund leidet. Fast zehn Jahren liegt sie bereits im Krankenhaus in Granada, ihre Krankheit wird unweigerlich zum Tod fuehren. Bewegen kann sie inzwischen nur noch ihre Finger. Vor einigen Monaten hat sie darum gebeten, das künstliche Beatmunsgerät abzustellen, das sie am Leben hält – und löste damit in Spanien eine erneute Euthanasie-Debatte aus. Aktive Sterbehilfe ist nach geltendem spanischen Recht verboten; seit 2002 existiert allerdings ein Gesetz zur “Autonomie des Patienten”, das diesem die Möglichkeit einraeumt, eine Behandlung abzulehnen.

Eine eigens einberufene Ethikkomission beschäftigte sich eingehend mit dem Fall der todkranken Andalusierin und sprach sich nun dafuer aus, dem Wunsch der Patientin nachzukommen. Vor eingen Tagen erklärte sich auch die zuständige

Behörde der Landesregierung von Andalusien einverstanden – zum großen Entsetzen konservativer Kirchenkreise. Der stellvertretende Vorsitzende der Spanischen Bischofskonferenz, Kardinal Antonio Cañizares, nannte die Entscheidung einen “Anschlag auf das Leben und die menschliche Würde” und wetterte gegen diesen “weiteren Schritt hin zur Legalisierung der Sterbehilfe”. Ein weiterer Kirchenmann zog Parallelen zur Todesstrafe. Andalusiens Ministerpraesident Manuel Chaves zeigte sich davon unbeeindruckt und sicherte der Patientin zu, dass ihrem Wunsch entsprochen wird. Es wird damit gerechnet, dass das an diesem Wochenende geschehen wird.

Verkompliziert wurde der Fall kurzfristig dadurch, dass Inmaculada im San-Rafael-Krankenhaus liegt, und dieses dem katholischen Orden San Juan de Dios untersteht. Erklärte sich das Krankenhaus zunächst bereit, die lebenserhaltenden Geräte abzustellen, hat die Ordenführung in Rom dies inzwischen offenbar untersagt. Vermutlich werden nun Ärtzte des Universitätsklinikums die Aufgabe uebernehmen.

Wann immer sich Echevarria selbst vom Krankenbett aus zu Wort meldet, stets umgeben von einer Schar Ärzte und Journalisten, wirkte sie ruhig und gefasst. Zuletzt bat sie sich noch ein paar Tage aus, um sich vom Leben zu verabschieden. Allein.