Den beiden Mädchen halfen weder Flehen noch Schreie: der Mann, der die Neunjährige im September 2005 in Dresden- Hellerau und die Elfjährige Anfang 2006 in Coswig (Kreis Meißen) auf der Straße packte und ins Auto zerrte, hatte keine Hemmungen. Ohne Rücksicht auf die Gefahr für Leib und Leben nahm er sich in einem viele Kilometer entfernten Waldstück in seinem Wagen, was er brauchte. Danach setzte er die Mädchen jeweils nahe des Ortes aus, an der er sie Stunden zuvor gekidnappt hatte.
Jetzt sitzt der stämmige mittelgroße Kraftfahrer auf der Anklagebank im Landgericht Dresden. „Schwerer sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und Körperverletzung“, verlas Staatsanwältin Bettina Ball zu Prozessbeginn die Anklagepunkte. Dem 33-jährigen Mann droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren.
Der im Juni mit Hilfe von Deutschlands größtem Massengentest gefasste mutmaßliche Kinderschänder wiederholte vor Gericht sein Geständnis, das er schon nach seiner Festnahme abgelegt hatte – nach Angaben seines Anwalts Stefan Heinemann mit tränenerstickter Stimme und Reue.
Die Öffentlichkeit war zum Schutz seiner Opfer zur gut dreistündigen Vernehmung ausgeschlossen worden. Er entführte die Minderjährigen auf dem Nachhauseweg mit Gewalt, zwang sie unter Todesandrohung zu sexuellen Handlungen und vergewaltigte eine von ihnen. „Er hat ihre schutzlose Lage ausgenutzt“, so Staatsanwältin Ball.
Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter dauerte fast drei Jahre. Bei der DNA-Reihenuntersuchung wurden rund 30.000 Männer zwischen 25 und 45 Jahren zur Speichelabgabe gebeten und überprüft, auch der jetzige Angeklagte. Auf dessen Spur waren die Ermittler auch per Rasterfahndung gekommen. Der freiwillig abgegebene Speichel von Proband 18.753 war dann identisch mit den Tatort-Spuren. Bis zu seiner Festnahme lebte der Lkw-Fahrer unauffällig und zurückgezogen, hatte eine Freundin. „Er war sozial integriert, spielte im Fußballverein, wurde bei der Arbeit geschätzt, führte ein kleinbürgerliches Leben“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Christian Avenarius.
Still, emotionslos, mit gesenktem Kopf und Augen verfolgte der schwarzhaarige Mann auch die Verhandlung im Gerichtssaal. Nur manchmal blickte er zur Richterbank auf, rieb unentwegt die Hände unter der Anklagebank gegeneinander.
Laut Anklage hatte er damals auf ein Mädchen gewartet, das er überfallen und missbrauchen konnte. Er habe seinen Zufallsopfern gedroht, sie zu töten, wenn sie sich wehrten. Den Widerstand der Elfjährigen habe er mit einem Schraubendreher gebrochen, den er ihr an den Hals hielt, und ihre Hilfeschreie mit der Hand auf den Mund erstickt. „Sie dachte, es ist ein Messer“, sagte die Polizistin, die das Opfer in der Klinik befragt hatte. Das Kind musste im Intimbereich operiert werden.
Die beiden Mädchen, die sich nackt ausziehen mussten, seien seinen sexuellen Wünschen „aus Angst vor körperlicher Gewalt“ gefolgt, so Staatsanwältin Ball. Dabei habe er die Schmerzensschreie und Bitten der Neunjährigen, aufzuhören, ignoriert. Sie habe weiterhin Angst vor dem Mann gehabt, da dieser ihre Adresse kenne, berichtete die Polizistin. Bis er die Schülerinnen wieder aussteigen ließ, hatte er sie über ihr Schicksal im Unklaren gelassen. Der Neunjährigen gab er dann drei Euro und verlangte dafür Schweigen. Mit seinem Geständnis hat er den Mädchen wenigstens eine erneute Begegnung vor Gericht erspart. Der Prozess soll an diesem Mittwoch fortgesetzt werden.
(dpa)



