Rauswurf aus Zug

Schaffnerin entschuldigt sich bei Zwölfjähriger

Nach der Deutschen Bahn hat sich nun auch die Schaffnerin bei der Zwölfjährigen entschuldigt, die sie wegen eines vergessenen Tickets aus dem Zug geworfen hatte. Der Vorfall täte ihr „aufrichtig leid". Während die Zugbegleiterin weiter suspendiert bleibt, melden sich immer mehr Betroffene, die ähnliches erlebt haben.

Im Fall der zwölfjährigen „Schwarzfahrerin“ aus Bad Doberan, der in einer Regionalbahn nach Rostock die Weiterfahrt verweigert worden war, hat sich die verantwortliche Zugbegleiterin bei der Familie des Kindes entschuldigt. Ihr tue es aufrichtig leid, dass sie die Schülerin wegen eines fehlenden Tickets des Zuges verwiesen habe, übermittelte ein Sprecher der Bahn die Stellungnahme der Frau. Sie wünschte, sie könne es rückgängig machen, heißt es in der Mitteilung weiter.

Trotz der Entschuldigung bleibe die langjährig beschäftigte Zugbegleiterin vom Dienst suspendiert. Der Vorfall werde auch arbeitsrechtliche Konsequenzen haben, kündigte der Bahnsprecher an. Da die Staatsanwaltschaft Rostock inzwischen wegen des Verdachts der Nötigung ermittele, könne er vorerst zu weiteren Konsequenzen für die Mitarbeiterin nichts sagen. Die Bahn hatte der Schaffnerin „drastische“ arbeitsrechtliche Maßnahmen angekündigt. Möglicherweise gebe es ein strafrechtliches Verhalten, sagte eine Polizeisprecherin.

Die Bahnmitarbeiterin hatte entgegen einer Dienstanweisung die Schülerin von der Weiterfahrt ausgeschlossen, weil diese kein Ticket gelöst und kein Geld zum Nachzahlen hatte. Bei anbrechender Dunkelheit musste das Kind, das auf dem Weg zur Musikschule nach Rostock war, mit dem Cello auf dem Rücken kilometerweit zurück nach Hause laufen.

Um den Vorfall in der Regionalbahn aufzuhellen, sucht die Bahnpolizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft jetzt Zeugen. Ein vermeintlicher Zeuge des Skandals um die von einer Schaffnerin auf einem Bahnhof in Mecklenburg-Vorpommern ausgesetzte Zwölfjährige hat sich als Trittbrettfahrer herausgestellt. Das Mädchen, deren Mutter sowie die Schaffnerin erklärten nach Angaben der Bahn, der Mann habe sich gar nicht im Zug befunden.

Mit ihrer Anweisung an das Kind, den Zug zu verlassen, hat die Schaffnerin gegen eine Dienstanweisung der Deutschen Bahn verstoßen. Demnach dürfen Minderjährige nicht vom Personenverkehr ausgeschlossen werden, auch wenn sie kein gültiges Ticket vorweisen können.

Der Fall hat allerdings auch andere Betroffene auf den Plan gerufen: „Bei uns hat sich eine Reihe von Leuten gemeldet, denen Ähnliches passiert ist“, sagte Marcel Drews vom Fahrgastverband Pro Bahn. So seien zum Beispiel in Oranienburg zwei Mädchen unter 18 Jahren des Zuges verwiesen worden, weil sie ein verkehrtes Ticket gelöst hatten. Eigentlich wollten sie von Berlin nach Waren. In Leipzig musste eine 17-Jährige auf dem Weg zur Berufsschule die S-Bahn verlassen, weil sie ihre Monatskarte zu Hause vergessen hatte. In Leserbriefen und Foren, die sich mit dem Aussetzen der Zwölfjährigen beschäftigten, wurden weitere, oft haarsträubende Fälle genannt.

Andere Unternehmen des öffentlichen Personen- und Nahverkehrs haben den Vorfall zum Anlass genommen, ihr Fahrpersonal zu schulen. Die Sprecherin der Rostocker Straßenbahn AG, Simone Zielonka, versicherte zwar, dass auch in den Rostocker Bussen und Bahnen niemand ohne Ticket rausgeschmissen werde. Gleichwohl hätten sie ein sogenanntes erhöhtes Beförderungsentgelt zu zahlen.

Dennoch wurde auch hier ein Fall bekannt, dass ein vergesslicher Grundschüler zu Fuß zur Schule weiter laufen musste. Der Kontrolleur hatte ihn vor die Bustür gesetzt. “Wir nehmen das zum Anlass, unsere Kontrolleure nochmals zu schulen", sagte Zielonka.