Auch in der zweiten Nacht nach dem verheerenden Busunglück bei Hannover ist die Ursache für das Flammen-Inferno auf der Autobahn 2 noch völlig unklar. Die Bergung der Leichen aus dem zerstörten Fahrzeugwrack dauerte bis zum späten Mittwochabend. Unter den 20 Toten ist nach Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ auch ein Jugendlicher unter 18 Jahren. Wie Polizeisprecher Stefan Wittke sagte, gehörte der Jugendliche zu einer Familie, die zusammen unterwegs war. Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass nur Senioren an der Kaffeefahrt teilnahmen.

Die Identifizierung aller 20 Todesopfer kann nach Auskunft der Gerichtsmediziner Tage, möglicherweise sogar eine Woche dauern. Eine genaue Passagierliste existierte nicht. „Wir gehen davon aus, dass wir die 20 Personen kennen“, sagte Einsatzleiter Thomas Rochell in der ARD-Sendung „Brennpunkt“.

Am Donnerstag werden Brandexperten aus ganz Deutschland erwartet, die den Bus untersuchen sollen. Das Feuer entstand am Dienstagabend in der Toilettenkabine und breitete sich in Sekundenschnelle aus. „Wir können als Ursache weder eine brennende Zigarette noch einen technischen Defekt auf dem WC ausschließen“, sagte Polizeisprecher Axel Borgfeld. Vier Fahrgäste mit lebensbedrohlichen Verletzungen werden in der Medizinischen Hochschule Hannover behandelt. Zum Gedenken an die Opfer ist am Donnerstagabend ein Trauergottesdienst und am kommenden Montag eine Trauerfeier der Stadt Hannover geplant. Das schwere Unglück hat bundesweit eine Debatte über die Sicherheit in Bussen ausgelöst.

Die Katastrophe hätte nach Ansicht von Experten durch Rauchmelder verhindert oder wenigstens vermindert werden können. Das sagte der Leiter der Abteilung Brandursachenermittlung bei der Dekra-Unfallforschung, Hans-Otto Staubach, der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. In einer Studie aus dem Jahr 2004, die sich mit Unglücken bei Reisebussen beschäftigte, waren Rauchmelder für Busse und insbesondere für schwer einsehbare Räume wie Bordtoiletten gefordert worden. „Rauchmelder sind gerade für unbeobachtete Räume sehr wichtig“, sagte Staubach.

Ein Sprecher von Mercedes-Benz, der Herstellerfirma des Busses, bestätigte der Zeitung, dass Rauchmelder neuerdings nicht mehr als Zusatzausstattung für Reisebusse angeboten werden. Der Grund: Für dieses Angebot habe es zu wenig Nachfrage gegeben.

Von den Verletzten schweben vier weiter in Lebensgefahr: Ihr Zustand habe sich nicht verändert, sagte ein Sprecher der Medizinischen Hochschule Hannover am Donnerstag. Die Kombination aus den Verbrennungen, den eingeatmeten Rauchgasen und dem hohen Alter der Patienten ist nach Angaben des Leiters des Bereichs Verbrennungsmedizin, Professor Hans-Oliver Rennekampff, lebensbedrohend.

Die Angehörigen der identifizierten Toten konnten bereits mit Hilfe der Passagierlisten des Busunternehmens von der Katastrophe benachrichtigt werden. Die Polizei hat für sie die Telefonnummer 0800-7313131 geschaltet.

dpa/AP/kami