Morgenpost Online: Wie viele Leute haben Ihnen in den letzten Tagen gesagt: "Herr Gijrath, schlechtes Timing“?

Yves Gijrath: Niemand. Sie sind die erste.

Morgenpost Online: Ach, kommen Sie!

Yves Gijrath: Ganz ehrlich.

Morgenpost Online: Es werden Ihnen doch zumindest Leute gesagt haben, dass Sie es vielleicht unanständig finden, an diesem Wochenende Zigarren mit Blattgold für 500 Euro das Stück anzubieten, wenn Leute um ihr Erspartes bangen.

Yves Gijrath: Dann sind das eben nicht die Leute, die wir ansprechen wollen. Ich verfolge die Debatte in allen Ländern – wo bitte ist der Zusammenhang zwischen einer Finanzkrise und der normalen Wirtschaft? Deutschland ist immer noch ein sehr reiches Land. Ihr braucht nicht jedes Jahr zehn Prozent Wachstum. Die Leute machen sich ja völlig verrückt. Das nächste Mal veranstalte ich eine Psychologie-Messe!

Morgenpost Online: Also glauben Sie, die Leute werden in diesen vier Tagen trotzdem viel ausgeben?

Yves Gijrath: Na meinen Sie denn, dass heute niemand in den Münchner Louis-Vuitton-Laden geht?

Morgenpost Online: Vielleicht konsumieren sie weiterhin, aber noch diskreter als sonst. Die Deutschen mögen demonstrativen Konsum nicht so sehr.

Yves Gijrath: Diskret? Was soll das sein? Das Wichtigste ist doch, ehrlich zu sich selbst zu sein, das Leben zu genießen. Die Luxusindustrie muss offen sein für alle. Wir laden die Leute nicht ein, damit sie vollgepackt mit Tüten nach Hause gehen. Sie sollen sich informieren und amüsieren. Wir sind die Nr. 1 der Luxus-Plattformen in Europa.

Morgenpost Online: Waren denn gestern bei der Eröffnung wirklich Millionäre da?

Yves Gijrath: Haben Sie den Parkplatz gesehen? Ich würde sagen: beeindruckend. Die "Big Spenders" kommen immer. "DEN" Millionär gibt es allerdings nicht.

Morgenpost Online: Man sieht den Leuten also ihr Geld oft nicht an.

Yves Gijrath: Absolut nicht. Manchmal sehen Sie jemanden und denken, er ist Anstreicher von Beruf. Aber in Wirklichkeit gehört ihm der ganze Laden. Nehmen Sie Bill Gates. Ich war einmal bei einer Kunstmesse in Frankreich, als er auch dort war. Er trug Jeans, ein scheußliches T-Shirt, Baseballkappe, und fragte an einem Stand: "Was kostet der Renoir dort?" Die Dame antwortete ihm nur: "Ach, wissen Sie, der ist wirklich sehr teuer." Er ging weg und kam nicht wieder. Sehen Sie, was ich meine? Die Leute gehen zu sehr nach Äußerlichkeiten, das ist der große Fehler.

Morgenpost Online: In Moskau sollen Sie mir Ihrer Messe im vergangenen Jahr 500 Millionen Euro Umsatz gemacht haben. Wie viel erwarten Sie bis zum Sonntag in München?

Yves Gijrath: Das mit den 500 Millionen stimmt überhaupt nicht. Das hat irgendjemand geschrieben und seitdem wird das immer wiederholt.

Morgenpost Online: Wie viel waren es denn?

Yves Gijrath: Das kann man so nicht sagen: Viele Aussteller verkaufen gleich am ersten Abend etwas, andere knüpfen nur Kontakte und machen das Geschäft hinterher. Die erzählen uns das ja auch nicht immer. Aber in Amsterdam zum Beispiel hat jemand ein Flugzeug für 35 Millionen Euro gekauft. Das ist Fakt.

Morgenpost Online: Was sind in diesem Jahr für Sie die Highlights in München?

Yves Gijrath: Das Vario-Mobil, das extra für die Messe angefertigt wurde. Ein Wohnwagen mit Garage für einen Kleinwagen im Heck. Aber das eigentliche Highlight sind die Menschen, die hierher kommen, die sich austauschen – unsere Plattform funktioniert. Das haben wir in Amsterdam bewiesen. Und in Moskau. Auch Istanbul wird fantastisch werden. Und München genauso. In Amsterdam hat BMW die Premiere der neuen 7er-Reihe gefeiert. Das ist die Fair!

Morgenpost Online: Wo ist BMW auf der Messe in München eigentlich?

Yves Gijrath: Noch nicht da. Aber das ist normal, viele warten erst einmal ab. Ich bin da völlig entspannt. Es dauert, aber irgendwann werden die Leute die Messe lieben.

Morgenpost Online: Sie würden also weitermachen, selbst, wenn diese Millionaire Fair ein Flop werden sollte?

Yves Gijrath: Sie ist doch schon erfolgreich! Es geht nicht um 300 Besucher mehr oder weniger. Wir haben jetzt schon so viel Aufmerksamkeit erreicht. Gestern waren 2 000 Gäste da. Die Menschen sind interessiert an Reichtum. Und das wird immer so bleiben.

Morgenpost Online: Jedenfalls funktioniert Ihr Konzept so gut, dass Sie mittlerweile selbst zum Club der Millionäre gehören sollen.

Yves Gijrath: Oh ja, ich bin so reich! (lacht)

Morgenpost Online: Was würden Sie sich auf Ihrer Messe leisten?

Yves Gijrath: Ich liebe Uhren, gute Anzüge, Golf. Es macht aber einfach Spaß, auf dieser Messe zu sein, Neues zu sehen, Neues auszuprobieren. Ich bin impulsiv. Wenn ich bei Harrod's zum Afternoon Tea gehe, komme ich manchmal mit vier Tüten heraus und denke nur: "Wie konnte das jetzt wieder passieren?“

Morgenpost Online: Und Sie glauben, das wird den Messebesuchern in München auch so gehen?

Yves Gijrath: Sie werden auf jeden Fall mit mehr neuen Ideen nach Hause gehen, als sie dachten. Wir sind anders. Wir sind eine Mischung aus Harrod's und Disneyland.