Ganz Brasilien bangt um einen „fliegenden Priester“: Pater Adelir De Carli, der mit Hilfe von 1000 Helium- Luftballons einen Dauerflug-Weltrekord aufstellen wollte, wird seit Sonntag vermisst. Ein Hubschrauber, ein Flugzeug und mehrere Schiffe der Marine hielten nach Medienberichten am Mittwoch vor der Küste des südlichen Bundeslandes Santa Catarina Ausschau nach dem 41-Jährigen. Auch dutzende Fischer halfen bei der verzweifelten Suche nach dem Pater. Etwa 50 Kilometer vor der Küste der Provinzhauptstadt Florianópolis waren am Dienstag zahlreiche bunte Luftballons gefunden worden, die unversehrt im Meer trieben.

Der katholische Priester hatte sich am Sonntag in Paranaguá im Bundesland Paraná nach einer Messe trotz Regens und starker Winde an der Atlantikküste in den Himmel tragen lassen. Mit dem Flug wollte De Carli nicht nur den 19-Stunden-Weltrekord brechen, sondern auch „zur Verbreitung der Religion beitragen“ und für seine Arbeit zugunsten von Fernfahrern werben. Er wollte unter anderem mehr Pausen für Lastwagen-Fahrer durchsetzen. Bereits acht Stunden nach Beginn seines Rekordversuchs wurde er von den Behörden als vermisst gemeldet.

Den letzten Kontakt zum fliegenden Priester hatte die Behörden am Sonntag gegen 21.00 Uhr Ortszeit. „Ich muss mit jemandem sprechen, der mir erklärt, wie das GPS-System funktioniert, nur so kann ich den Leuten da unten meine genaue Lage durchgeben“, habe er per Funk gesagt. Experten glauben, dass De Carli mindestens seit Montag im Wasser treibt. „Die Temperatur des Wassers liegt bei 20 Grad. Vier Tage kann man da schon überleben“, sagte ein Experte dem Nachrichtenportal G1.

Während Millionen Brasilianer das Schicksal des Paters über die Medien verfolgen, hielten Angehörige und Mitglieder von De Carlis Gemeinde in Paranaguá Wache für den Seelsorger. De Carlis Tante Renita zeigte sich optimistisch. Der Pater sei mit Spezialanzug, Funk und Handy, Trinwasser und Lebensmittel losgeflogen. „Deshalb glauben wir, dass er gefunden wird“, sagte die 53-Jährige. Mit dem Flug habe er Geld für den Bau einer Kapelle sammeln wollen.

De Carli gilt unter Freunden und Bekannten nicht als „verrückter Pater“, sondern als erfahrener Flieger und Fallschirmspringer, der unter anderem auch mehrere Überlebenskurse besuchte. Im Januar war er an 500 Helium-Ballons hängend in einer Höhe von bis zu 5300 Metern von Ampere in Paraná nach Argentinien geflogen. Der Flug dauerte vier Stunden.

afp/dpa/kami