Spanair-Unglück in Madrid

Techniker erlaubten zweiten Start nach Wartung

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Techniker und Spezialisten suchen immer noch nach der Ursache des Unglücks von Madrid. Nun bestätigten die zuständigen Behörden: Die Maschine hat von den Technikern der eigenen Fluggesellschaft Spanair grünes Licht für ihren Flug nach Las Palmas bekommen, nachdem der Pilot einen ersten Start abgebrochen hatte.

Das bestätigte Infrastrukturministerin Magdalena Alvarez am Donnerstag im öffentlichen spanischen Rundfunk. „Die Wartung von Spanair hat nach einer Kontrolle den Start zugelassen“, sagte Alvarez. Welche Probleme der Pilot genau gemeldet hätte, müsse von der Untersuchungskommission geklärt werden.


Zu Vorwürfen, Spanair könnte die Wartung seiner Maschinen möglicherweise vernachlässigt haben, entgegnete die Ministerin, Aufschluss über die Unglücksursache dürften die beiden Flugschreiber der Maschine geben.

Die Maschine mit 173 Insassen war am Mittwochnachmittag über die Rollbahn hinausgeschossen und dann in Flammen aufgegangen. Nach Angaben der Ministerin flog die MD-82 etwa 50 Meter weit in einer Höhe von 200 Fuß und zerschellte dann. Augenzeugen hatten zuvor berichtet, eines der Triebwerke habe Feuer gefangen.

Die angeschlagene spanische Fluggesellschaft Spanair ist eine hundertprozentige Tochter der Scandinavian Airlines. Das Unternehmen wurde 1986 als Chartergesellschaft gegründet und nahm 1988 ihren Betrieb auf, zunächst mit Touristikflügen von 100 europäischen Flughäfen aus nach Spanien. 1991 nahm Spanair auch den Langstreckenbetrieb auf, 1994 folgten Linienflüge.


Derzeit machen diese Flüge nach Unternehmensangaben etwa 87 Prozent aus. Im vergangenen Jahr machte die Spanair-Gruppe einen Umsatz von 1,17 Milliarden Euro und beförderte 11,2 Millionen Passagiere.


Erst im Juli gab Spanair bekannt, ein Drittel der Stellen zu streichen und neun unrentable Verbindungen zu streichen. Grund für die Krise sind die hohen Treibstoffkosten und eine schwache Nachfrage. Trotz der Streichungen will die Gesellschaft aber 260 Flüge am Tag zu 48 Zielen beibehalten.


Bis Ende 2009 will Spanair ein Viertel ihrer Maschinen stilllegen. Derzeit hat das Unternehmen eine gemischte Flotte. Dazu gehören nach eigenen Angaben 36 Maschinen vom Typ McDonnell Douglas MD-82 und MD-83. Ein Flugzeug dieses Typs stürzte am Mittwoch auch auf dem Madrider Flughafen ab. In der Spanair-Flotte gibt es zudem 17 Airbus A320, fünf Exemplare des etwas größeren Airbus A321 sowie sieben Boeing 717. Alle diese Maschinen sind für Kurz- und Mittelstrecken geeignet.

„Wir beobachten die Bilanz genau, aber sehen derzeit keinen Grund für einen solchen Schritt“, sagte Mats Jansson, der Chef der Spainair-Muttergesellschaft SAS, als er am Donnerstag in Madrid auf einen Rückzug der MD-82-Maschinen angesprochen wurde.

Zu Auswirkungen des Flugzeugabsturzes für die Zukunft von Spanair äußerte sich Jansson nicht.


Seit 2003 ist Spanair Mitglied in der Star Alliance, einem Verbund von Fluggesellschaften, dem auch die Lufthansa und Scandinavian Airlines angehören. Spanair bietet deswegen auch Flüge mit Lufthansa-Flugnummern an. Dies erleichtert Passagieren die Buchung, etwa wenn sie von Deutschland über Spanien auf die Kanaren fliegen wollen.

( dpa/cor )

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