Pressestimmen

"Ich habe meinen Neffen verloren"

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Jennie Roth

Für Spanien ist das Flugzeug-Unglück der Spanair-Maschine auf dem Madrider Flughafen das schlimmste seit 25 Jahren. Das ganze Land trauert mit den Angehörigen. Neben den schrecklichen Fakten stellen die Zeitungen auch die Frage nach der Unglücksursache. Die Fluglinie hatte wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Die spanischen Medien berichten ausführlich über den Absturz der Spanair-Maschine auf dem Flughafen von Madrid. Die Opferzahlen liegen nach Angaben der Blätter bis jetzt 154. Bei der Identifizierung der Toten gehen die Zahlen auseinander. 14 bis 54 der Toten sind vermutlich identifiziert.


Langsam beginnen auch die Angehörigen der Opfer die bittere Wahrheit zu realisieren. Sie müssen nun in einer provisorischen Leichenhalle ihre Familienmitglieder finden.


EL MUNDO hat mit einigen der Hinterbliebenen gesprochen:

"Sie können sich nicht vorstellen, wie ich mich fühle. Ich habe meinen Neffen verloren“. Die Stimme des Onkels zittert, er stockt. Sein Neffe ist einer der 153 Passagiere, die beim dem Unglück ihr Leben verloren. Die meisten Angehörigen der registrierten Opfer kommen heute früh nach Barajas zum Hotel Auditorium. Nach der Ansicht der Listen wirken sie wie gelähmt, die Gesichtszüge entgleiten ihnen.


„Für mich bleibt er immer ein Stern, abgesehen von seiner Missionsarbeit war er ein so guter Mensch”, sagt Luis, der Neffe von Claudio Ojeda, einer der Passagiere, die ihr Leben verloren. Claudio Ojeda, ein Missionar von den Kanaren, der in Kamerun arbeitete, wollte auf dem Heimweg Urlaub machen – nachdem er mehr als zwei Jahre in Afrika den Ärmsten gedient hatte.


Journalistin Paloma Diaz` Sotero fragt in der spanischen Zeitung El Mundo nach den Ursachen des Absturzes und nach dem Einfluß der wirtschaftlichen Krise bei der Fluggesellschaft:


" Spanair verhandelt zurzeit mit seinen Arbeitnehmern. Das Unternehmen will 1100 Stellen streichen. Darunter auch mindestens 100 Piloten. Arbeitnehmer hatten vorgeschlagen, in eine Art Streik einzutreten. Sie folgen einem „Plan Alfa.“


Demnach macht jeder Mitarbeiter nur das, was exakt seinem Verantwortungsbereich entspricht. Das heißt, dass Piloten den Start ihrer Maschine verweigern würden, wenn sie auch nur die kleinste Störung bemerken. Ebenso wären die Ingenieure ganz penibel bei ihrer Arbeit, und wenn es noch so viel Zeit kosten würde.


Andererseits gibt es genug Stimmen von Insidern, dass Qualität und Genauigkeit bei der Wartung in letzter Zeit abgenommen hätten. Spanair bekräftigt, dass es sich strikt an die Vorschriften hält."

Der Radiosender Cadenaser berichtet auf seiner Internetseite über das Unglück:

Bislang wurden ungefähr 50 Opfer mit Hilfe von Fingerabdrücken identifiziert. Die Regierung glaubt, dass die Arbeit in 48 Stunden abgeschlossen sein wird. Das Ministerium bestätigt, dass die Untersuchung ergeben müsse, dass das Flugzeug die Starterlaubnis hatte.

El Publico

Die Ministerin geht davon aus, dass alle Opfer in zwei Tagen identifiziert sein werden. Bis jetzt sind 14 der Opfer identifiziert. 19 Verletzte des Unglücks der MD-82 von Spanair gestern in Barajas sind in Krankenhäusern in Madrid untergebracht.