Immer wenn Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) im Ehebett von seinem „kleinen Soldaten“ spricht, bekommt man Mitleid mit seiner jungen Frau. Denn Sophia (Alicia Vikander), die ihre Kindheit in einem Waisenhaus verbrachte, ist dem wohlhabenden Gewürzhändler aus Amsterdam zur Frau gegeben worden, weil er dringend Nachwuchs zeugen möchte. Dass sie zwar die Privilegien ihres neuen Lebens genießt, für ihren deutlich älteren Mann aber keinerlei romantischen Gefühle hegt, ist offensichtlich. Der kleine Soldat kann ihr gestohlen bleiben.

Es ist das Amsterdam des 17. Jahrhunderts, die Zeit der ersten großen Finanzblase der Geschichte. Gehandelt wird mit Tulpenzwiebeln, für die in Hinterzimmern und Spelunken aberwitzige Summen aufgerufen werden. Alles giert nach einer besonderen Mutation der Art mit weißem Blütenstand und einem kleinen rosa Streifen.

Regisseur Justin Chadwick („Mandela - Der lange Weg zur Freiheit“) greift für diesen Film auf einen Bestseller von Deborah Moggach zurück, ohne dessen Schwächen ausbügeln zu können. Denn im Vordergrund steht eine abgeschmackte Liebesgeschichte mit Wendungen, die entweder vorhersehbar oder unglaubwürdig sind.

Ein waghalsiger Plan wird entworfen

Die unglückliche Sophia verliebt sich in den jungen Maler Jan van Loos (Dane DeHaan), während ihre Magd Maria (Holliday Grainger) sich mit dem Fischhändler Willem (Jack O’Connell) vergnügt.

Als Maria von Willem schwanger wird und dieser dann unter dubiosen Umständen verschwindet, schmieden die beiden Frauen einen waghalsigen Plan: Sophia soll ihrem zeugungswütigen Gatten eine Schwangerschaft vortäuschen, während Maria ihren wachsenden Bauch zu verstecken versucht. Im Moment der Geburt soll dann das Kind als das von Sophia ausgegeben werden. Marias Arbeitsplatz wäre gesichert, Sophia bliebe von den ehelichen Zudringlichkeiten ihres Mannes verschont und könnte gepflegt ihren wirklichen Leidenschaften mit ihrem Maler nachgehen.

Der historische Hintergrund kommt viel zu kurz

Ein solcher Irrsinn hätte den Stoff für eine schöne Komödie liefern können, aber dieser Film will gediegenen Herzschmerz liefern. Eigil Brylds Kamera tut alles, um uns den Film im gedämpften Licht der Meistergemälde jener Epoche zu präsentieren. Aber leider kommt der spannende historische Hintergrund viel zu kurz. Zwar sehen wir, wie der Maler an der Börse ein Vermögen erwirtschaftet, um sich die erträumte Zukunft an Sophias Seite auch leisten zu können – aber wirklich verstehen kann den Wahn an den Finanzplätzen nur, wer sich mit dem Thema bereits beschäftigt hat. Wo sich keine zwingende Verbindung aus der Geschichte und ihren Umständen ergibt, wird es leider beliebig. Da mag die Ausstattung noch so schön sein.