ThrillerF 2016 110 min.,
von Olivier Assayas, mit Kristen Stewart, Lars Eidinger, Nora von Waldstätten, Benjamin Biolay
Für manche mag es nach einem Traumjob klingen: In teuren Boutiquen stöbern und schicke Kleider aussuchen, die man nicht mal bezahlen muss. Für die in Paris lebende Amerikanerin Maureen (Kristen Stewart) aber ist es eine Arbeit, von der sie sich wie gefangen fühlt: beschäftigt, aber ums Leere kreisend. Maureen jobbt als „Personal Shopper“ für einen Star namens Kyra (gespielt von einer nur flüchtig auftretenden Nora von Waldstätten), und so erwachsen sie beim Aussuchen und Verhandeln mit den entsprechenden Designern und Ladenbesitzern auftritt, so pubertär-trotzig erscheint sie, sobald niemand mehr hinguckt. Ihr wahres Talent liegt ganz woanders: Maureen ist ein Medium; sie kann mit Geistern kommunizieren.
Es ist bezeichnend, dass der französische Regisseur Olivier Assayas seine Hauptfigur zuerst als Geisterbeschwörerin vorstellt, bevor er sie in ihrem vergleichsweise mondänen Alltag zeigt. Statt aus der Sicherheit einer Gegenwartserzählung über die Welt des Showbiz heraus mit dem plötzlichen Auftauchen von Ektoplasma aufzuschrecken, setzt er die Irritation durch das Übersinnliche gleich an den Anfang. Der Film präsentiert Maureen zunächst als nervöse junge Frau, die in einer verlassenen Villa übernachtet. Dort wartet sie „Zeichen“ ab, die sich in traditioneller Geister-Sprache wie sich plötzlich öffnenden Wasserhähnen bald auch manifestieren. „Ich brauche mehr von dir“, flüstert sie verängstigt und bestätigt zugleich. Die Hintergründe für diese schockierenden Vorgänge enthüllt der Film erst nach und nach.
Bei dem Geist, auf dessen Zeichen Maureen wartet, handelt es sich um ihren erst kürzlich gestorbenen Zwillingsbruder, mit dem sie die Villa lange bewohnt hat. Nun möchte sie verkaufen, soll aber im Auftrag der Käufer gewissermaßen erst mal die Aura klären.
In einem klassischen Geisterfilm stünde wohl Maureens Auseinandersetzung mit dem Geist im Zentrum. Doch Assayas geht das Wagnis ein, diesen Strang zur Nebensache zu degradieren. Stattdessen wird deutlich, dass Maureen auch als „Personal Shopper“ eine Art Geisterbeschwörung betreibt: Sie sucht passende Outfits für Kyras öffentliche Auftritte raus, pflegt damit deren Image, während sich ihr die reale Person ständig entzieht.
Kaum dass Maureen Kyras Wohnung betritt, winkt diese vom Handy-Telefonat oder verzieht sich zur Skype-Konferenz ins Arbeitszimmer. Maureen bleibt die Ersatzkommunikation mit „Zwischenmedien“ wie Kyras Freund (Lars Eidinger) oder einem rätselhaften Unbekannten, der aus scheinbar allwissender Beobachterposition über Textnachrichten Maureen auf eine Zugfahrt nach London begleitet.
Mit einer hervorragend zwischen Sprödigkeit und melancholischer Verletzlichkeit changierenden Kristen Stewart bringt „Personal Shopper“ in seiner Mischung aus Geistergeschichte und Modewelt-Drama ein modernes Lebensgefühl auf den Punkt, in dem Mobilität und ständiges Online- und connected-Sein zugleich Isolation und Unwirklichkeit hervorrufen.
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