Film

Jean Dujardin ganz klein in „Mein ziemlich kleiner Freund“

Liebe kennt keine Grenzen, auch nicht beim Größenunterschied. Oder doch? „Mein ziemlich kleiner Freund“ macht die Probe aufs Exempel.

Kleiner Unterschied: Alexandere (Jean Dujardin) ist etwas kleiner als Diane (Virginie Efira)

Kleiner Unterschied: Alexandere (Jean Dujardin) ist etwas kleiner als Diane (Virginie Efira)

Foto: Concorde

Es hat fast etwas Schamloses, wie der deutsche Verleihtitel für diese französische Komödie sich an den hiesigen Zuschauer ranschmeißt. Statt eine einigermaßen witzige Entsprechung für den Originaltitel „Un homme à la hauteur“ zu finden, winkt man lieber mit dem Zaunpfahl und spielt keineswegs diskret auf den Publikumserfolg der „Ziemlich besten Freunde“ an. Immerhin geht es auch in Laurent Tirards „Mein ziemlich kleiner Freund“ um ein recht ungleiches Paar. Aber damit sind die Ähnlichkeiten auch schon erschöpft.

Wie wenig sie auf einer Augenhöhe liegen, das stellen die schöne Diane (Virginie Efira) und der charmante Alexandre (Jean Dujardin) erst fest, als sie zum Kaffeetrinken zusammenkommen. Davor hat es ein Telefongespräch gegeben, das in einen echten Flirt überging. Nicht zuletzt, weil sich Alexandre einigermaßen schamlos an Diane heranmachte, hat er doch ihr Handy in einem Restaurant gefunden und zudem beobachtet, dass sie sich dort mit dem Mann an ihrem Tisch zerstritten hat.

Nun sitzt er ihr gegenüber und sie ist sprachlos vor Schock. Warum bloß, wird sich der Leser fragen, der den ausgesprochen gut aussehenden Jean Dujardin aus dem Oscar-Erfolg „The Artist“ in bester Erinnerung hat. Nun, für diesen Film hat man den 1,80-Mann um 40 Zentimeter schrumpfen lassen. Wenn er der hochgewachsenen Diane gegenüber sitzt, baumeln nicht nur seine Füße über dem Boden, sie muss auch merklich den Kopf senken, um ihm in die Augen sehen zu können.

Natürlich stellt sich sehr schnell raus, dass die Körpergröße das einzige ist, an das es Alexandre mangelt. Der kleine Mann ist nicht nur ungeheuer charmant, gebildet und großzügig, er hat als Architekt Erfolg, selbst sein erwachsener Sohn, der noch bei ihm wohnt, kommt bestens mit ihm aus. Im ganzen Film gibt es nichts, was gegen ihn spricht.

Anders sieht es bei Rechtsanwältin Diane aus: Nicht nur, dass ihr Exmann und Noch-Geschäftspartner ein ziemlicher Idiot und ihre Mutter eine oberflächliche Ziege ist, auch sie selbst kämpft von Anfang an mit dem für sie unschönen Bild, dass sie und Alexandre als Paar abgeben. Zwar lässt sie sich alsbald auf ihn ein, aber gegenüber Bekannten stellt sie ihn stets als „Alexandre, ein Freund von mir“ vor. Sie schämt sich ein wenig.

Gute Unterhaltung für laue Sommernäche

Flott geschrieben und in schönster südfranzösischer Stimmung inszeniert, gibt dieses Remake einer argentinischen Erfolgskomödie mit dem schönen Titel „Löwenherz“ gute Unterhaltung für laue Sommerabende ab. Man darf allerdings auch nicht weiter nachdenken über diesen Film, der unter dem Deckmantel, Vorurteile gegen kleine Menschen anzugehen, diese eigentlich bestätigt, indem man statt einer einigermaßen authentischen Besetzung ausgerechnet Jean Dujardin tricktechnisch kleiner macht.

Dass sein Alexandre nicht nur reich und nett ist, sondern Diane auch noch mit Stunts wie Fallschirmspringen und geheimen Hafenrestaurants beeindrucken muss, ist eine bei genauerer Betrachtung keineswegs witzige Überkompensation.