drama Japan 2015 93 min.,
von Naomi Kawase, mit Kirin Kiki, Masatoshi Nagase, Kyara Uchida
Schon vor dem Internet- und Instagram-Zeitalter war allgemein bekannt, dass vom Anblick etwa eines dampfenden Röstbratens ein sinnlicher Reiz ausgeht, der mit pornographischen Abbildungen vergleichbar ist, sich aber ungleich unschuldiger anfühlt. Sinnlichkeit und Unschuld sind wiederum zwei Elemente, die in den Filmen der japanischen Regisseurin Naomi Kawase stets eine wichtige Rolle spielen.
In ihrem neuesten Film „Kirschblüten und Rote Bohnen“ geht die Sinnlichkeit von der süßen Paste aus Roten Bohnen aus, mit der in Japan die „Dorayaki“, eine Art Pfannkuchen, gefüllt werden. Sie hilft den drei Hauptpersonen des Films, einer alten, kranken Frau, einem einsamen, verschlossenen Strafentlassenen und einer jungen, suchenden Schülerin, zu ihrer Unschuld beziehungsweise zu sich selbst zurückzufinden.
Die Handlung des Films bildet lediglich das Skelett, dem erst der ganze Bedeutungsraum von Roter-Bohnen-Paste das nötige Fleisch verleiht. Es beginnt mit dem schweigsamen Mann, der eine winzige Imbissstube betreibt, in der er die erwähnten Dorayaki serviert. Zu seinen Stammgästen gehören die Schülerinnen eines nahen Gymnasiums, besonders eine. Die Geschäfte gehen mäßig. Eines Tages kommt eine alte Frau daher, die ihn trickreich dazu überredet, gemeinsam nach ihrer Anleitung die Rote-Bohnen-Paste zuzubereiten. Ab da stehen die Leute Schlange für die Pfannkuchen. Doch dann macht ein böses Gerücht die Runde und die eben erst entstandene Patchworkfamilie von alter Frau, Mann und Schülerin wird auf die Probe gestellt.
In schwelgerischen Aufnahmen von Natur und Mahlzeiten nähert sich Kawase hier so schwierigen Themen wie gesellschaftlicher Ausgrenzung, Alter und Tod. Vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack, aber auf sehr appetitliche Weise.
Barbara Schweizerhof

