Was im Sport effektiv sein mag, ist im Leben ein gefährlicher Ratschlag, und Jobst Christian Oetzmanns Film hat das Verdienst, die Vorstellung vom Sport als Wegweiser des Lebens als die Naivität zu enthüllen, die sie ist.
Unter den jüngeren deutschen Regisseuren ist Oetzmann ("Der Novembermann") ein Romantiker, mit dem Mut, sich auf ungesichertes Terrain zu begeben. Fernab aller Coolness erzählt er gefühlvolle Geschichten, zeigt mit der gleichen Neugier immer auch Unangenehmes - wie jetzt auch in "2er ohne" das Verstecken einer Leiche im Wald.
Wie Oetzmanns Erstling geht "2er ohne" auf einen Roman von Dirk Kurbjuweit zurück. Die Coming-of-Age-Geschichte handelt von Johann (Tino Mewes), der sich mit seinem neuen Klassenkameraden Ludwig (Jacob Matschenz) anfreundet. Beide sind Outsider in ihrer Klasse, beide finden im anderen ein Pendant, die Projektionsfläche ihrer Träume. Zunächst ist der Sport ein Mittel ihrer Annäherung. Doch bald kommt Sexualität ins Spiel. Im Kern geht es in dieser Freundschaftsgeschichte um Sehnsucht - nach Identität, nach Geborgenheit, nach Liebe, letztere kann in Todessehnsucht umschlagen. Es sind "große" Themen, denen sich Oetzmann mit Ernst zugewandt hat. Der Film ist auf dem richtigen Weg, aber er traut sich nicht, ihn zu Ende zu gehen.
Bewertung: ++---


