Otto (Jey Crisfar) ist ein junger Untoter in der Identitätskrise, so blass und hübsch, als ob er bei der Teenieband Tokio Hotel anheuern wolle. Der erste One-Night-Stand endet blutig, eine Straßengang verprügelt ihn wegen seines Andersseins, auch die Wohlgesinnten scheinen ihn nur auszunutzen. Nur langsam erinnert er sich an seine Vergangenheit: Die Liebe hat ihn getötet. Am Ende ist er der menschlichste in einer Stadt voller toter Seelen.
Seit George A. Romeros Klassiker "Night of the Living Dead" aus dem Jahr 1968 sind Zombiefilme mal mehr, mal weniger gelungene Allegorien auf die Entfremdung des Individuums in der Konsumgesellschaft. "Otto" schließt mit seiner bisweilen recht kruden Verquickung von Motiven aus deutschem Expressionismus und Romantik mit sexuell expliziten Szenen und Gesellschaftskritik nicht nur nahtlos daran an, sondern hämmert seinen sozio-politischen Kommentar den Zuschauern als Monologe der Hauptdarsteller ein. Vor allem die Marcuse zitierende Regisseurin Medea Yarn (Katharina Klewinghaus), die einen Film über den Jungzombie drehen will, nervt durch antikapitalistisches Phrasendreschen, das durch übertriebenes Chargieren nicht erträglicher wird.
Aber das Subtile war noch nie LaBruces Sache, und unterirdische Schauspielleistungen seit jeher Markenzeichen seiner Trashfilme wie "Super 8 ½", "Hustler White" und zuletzt die RAF-Erotikfarce "Raspberry Reich". Mit Letzterem hat "Otto" nicht nur die Englisch radebrechenden deutschen Laiendarsteller und das Spiel mit dem Pornografischen gemein, sondern vor allem Berlin als Handlungsort.
Und der fremde Blick, den LaBruce auf die Stadt wirft, ist das wirklich Sehenswerte an "Otto". Im stillgelegten Spreepark mit den vor sich hinrostenden Fahrgeschäften und umgefallenen Plastikdinosauriern, auf den Friedhöfen und in den Altbauten im Osten findet LaBruce jenen morbiden Charme, der sein Stadt-Bild mythisch zum apokalyptischen Ort erhöht.
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