Die Hände hatte Marco Grote tief in den Taschen seiner Hose vergraben. Der Gang des Trainers von Union Berlin in die Kabine war gebückt, der Blick ging zu Boden. Enttäuscht, ernüchtert, vielleicht auch desillusioniert. Noch am Donnerstag strotzte der Coach des Berliner Fußball-Bundesligisten nur so vor Energie. Ein 2:3 (2:1) beim 1. FC Köln später schien alle Energie aus ihm gewichen.
Union liegt vor dem letzten Spieltag auf dem Relegationsplatz. Weil die Mannschaft in Köln eine 2:0-Führung fahrlässig aus der Hand gab. Und weil am Abend der FSV Mainz 05 eine Borussia aus Dortmund mit 3:0 (3:0) düpierte, die nur noch in Richtung Champions-League-Finale gegen Real Madrid (1. Juni) denkt. Die Mainzer zogen an Union vorbei, haben nun zwei Punkte Vorsprung auf die Köpenicker.
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„In der Anfangsphase haben wir Stück für Stück an Selbstvertrauen gewonnen und sind dann mit zwei Toren in Führung gegangen. Nach der Pause haben wir nicht mehr so viel Druck auf den Ball ausgeübt und müssen uns deshalb an die eigene Nase fassen, dass wir dieses Spiel noch aus unserer Hand gegeben haben“, bilanzierte Grote: „Auch wenn das unsere Situation noch unbequemer macht, wollen wir nächste Woche gegen Freiburg unser Ziel erreichen.“
Union Berlin braucht gegen Freiburg einen Sieg
Dieses Ziel, der Klassenerhalt, wirkt weiter weg als je zuvor in dieser Saison. Union braucht einen Sieg gegen den SC Freiburg am Sonnabend (15.30 Uhr, Alte Försterei), zeitgleich müsste Mainz beim VfL Wolfsburg verlieren. Angesichts der in den vergangenen Wochen gezeigten Leistungen ein durchaus gewagtes Szenario.
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„Es ist genau das eingetreten, was wir nicht haben wollten“, sagte Kapitän Christopher Trimmel, „aber wir haben noch die Möglichkeit, in der Liga zu bleiben, das ist das Wichtigste.“ Ein Remis gegen Freiburg würde die Relegation (23. und 27. Mai) retten. Selbst eine Niederlage würde dies tun, wenn Köln in Heidenheim nicht gewinnt oder bei einem Sieg nicht auch drei Treffer in der Tordifferenz aufholt.
Trimmel sprach von einer „schwierigen Saison. Wir haben selten konstant Fußball gespielt und haben uns als Mannschaft nie richtig gefunden. Im Fußball ist alles möglich, wir hoffen natürlich, dass wir das Ruder noch herumreißen.“ In Köln war Trimmel für Josip Juranovic in die Startelf zurückgekehrt. Für den angeschlagenen Kevin Vogt war Robin Knoche Abwehrchef. Zudem begannen Jerome Roussillon (für Lucas Tousart) und Brenden Aaronson (für Benedict Hollerbach). Robin Gosens rückte links ins Mittelfeld, seine Torgefahr sollte so besser zur Geltung kommen.
Union Berlin führt nach zwei Standardsituationen
Es waren zwei Standardsituationen, die Union die Führung bescherten. Ein wenig fühlte man sich in bessere Köpenicker Zeiten zurückversetzt. Kapitän Trimmel leitete beide Treffer per Eckball ein. Beim 1:0 vollendete Knoche per Kopfball (15.). Beim 2:0 war es der aufgerückte Danilho Doekhi, dessen Kopfball zum Strafstoß führte. Der Kölner Faride Alidou hatte den Ball mit seinem Arm abgeblockt. Kevin Volland ließ sich die Chance nicht entgehen (19.).
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Spätestens nach dem Führungstreffer hatten die Köpenicker die Partie im Griff. Dass dies nicht so bleiben sollte, war einem zweiten Elfmeterpfiff geschuldet. Rani Khedira hatte bei einem Kölner Eckball Gegenspieler Timo Hübers gehalten. Eine Szene, die Schiedsrichter Deniz Aytekin zunächst nicht als regelwidrig ahndete.
Erst nachdem Khedira vom Kölner Denis Huseinbasic umgestoßen wurde und in Folge seines Sturzes auch Hübers mitriss, entschied Aytekin auf Elfmeter für Köln. Den Videoassistenten zog der Schiedsrichter, anders als beim eindeutigen Elfmeter für Union, nicht heran. Khedira sah Gelb, ist somit für den Saisonabschluss gegen den SC Freiburg (18. Mai, 15.30 Uhr) gesperrt. Florian Kainz verkürzte auf 1:2 (43.).
Gosens-Kopfball landet nur auf der Latte
Natürlich erhöhten die Kölner nach dem Seitenwechsel den Druck. Doch Union Berlin behielt einen kühlen Kopf und hatte Glück, dass Alidou über das Tor schoss (50.). Auf der anderen Seite hätten Roussillon (57.), der sich bei seinem Schuss aus 22 Metern am linken Oberschenkel verletzte und ausgewechselt werden musste (für ihn kam Tousart), und Gosens (Kopfball nach Trimmel-Ecke auf die Latte, 67.) erhöhen können.
In der Schlussphase wurde die Partie für Union Berlin zur Abwehrschlacht, weil Köln alles nach vorn warf. Vorstöße der Berliner gab es nur selten, in der 82. Minute traf der eingewechselte Hollerbach den Ball nicht richtig. Knoche köpfte über das Tor (86.). Dann kam Steffen Tigges und glich per Kopfball für die Kölner aus (87.). Nach der Riesenchance von Andras Schäfer zur erneuten Union-Führung besiegelte Damion Downs im direkten Gegenzug die Niederlage in der Nachspielzeit (90.+2).






