Die berühmte Frage nach den zwei verlorenen oder doch dem einen gewonnenen Punkt war schnell beantwortet. „Wenn man den Gegner zweimal so einlädt, dann ist es ärgerlich, wenn man nur mit einem Punkt dasteht“, sagte Rani Khedira nach dem 2:2 gegen den 1. FC Heidenheim. Oder lässt sich die Bewertung dieses Unentschiedens doch nicht so leicht vornehmen?

Union hat die große Chance verpasst, mit dem fünften Heimsieg in Folge einen klubeigenen Rekord für die Bundesliga aufzustellen. Gleichzeitig blieb die Mannschaft von Trainer Nenad Bjelica zum vierten Mal in Folge ungeschlagen, zu Hause sogar zum fünften Mal. Und durch die Ergebnisse der Konkurrenz wurde auch der Acht-Punkte-Vorsprung auf die Abstiegszone gewahrt. Das sportliche Statement an die Liga blieb jedoch aus.

Auch interessant

Den Grund dafür lieferten 90 umkämpfte Minuten vor 21.341 Zuschauern in der Alten Försterei. Gefühlt war es das Duell zweier Aufsteiger, die ihren Platz in der Liga immer noch zu finden suchen. Für Heidenheim trifft dies de facto zu. Bei Union wiederum ergibt sich dieses Etikett Aufsteiger aus dem Umstand, dass eine noch vor Wochen völlig verunsicherte Mannschaft erst wieder diese so wichtige Mischung aus neuem Selbstvertrauen und Mut statt Übermut finden muss.

„Viel Kampf, große Laufbereitschaft von beiden Mannschaften und einige Fehler zu viel“, analysierte Union-Coach Bjelica. Es war genau ein Fehler, den sich Union zu viel leistete in einer Begegnung, in der sich beide Mannschaften fast darin überboten, dem Gegner Geschenke zu machen.

Fans von Union Berlin mit Gruß an die DFL

Auch an diesem Spieltag gab es in der Alten Försterei einen Gruß an die Deutsche Fußball Liga (DFL), jedoch vor dem Anpfiff und nicht während der Partie. „Spiel, Satz und Sieg!“, hieß es da auf einem Plakat. Eine Anspielung auf die Tennisballproteste der vergangenen Wochen aus den Fankurven, die maßgeblich dazu beigetragen hatten, dass die DFL am Mittwoch das Thema Investor zumindest vorläufig für beendet erklärte.

Ein zweites Banner machte jedoch deutlich, dass man in den Fanszenen das Gebaren des Ligaverbandes weiter genau beobachten wird. „Doch beim nächsten Aufschlag stehen wir bereit!“, war zu lesen. Damit stand nicht nur in der Alten Försterei wieder das Wichtigste im Vordergrund: das Spiel selbst und keine minutenlangen Spielunterbrechungen oder epischen Nachspielzeiten.

Auch interessant

Wobei man selbst Spielunterbrechungen immer dann vermisst, wenn man sie gut gebrauchen könnte. Vor zwei Wochen beim Sieg gegen den VfL Wolfsburg hatte Trainer Bjelica die Pause genutzt, um sein Team taktisch zu justieren. Es war der Schlüssel zum vierten Heimsieg in Folge.

Das Restprogramm von Union Berlin

Sonntag, 28. April, 15.30 Uhr: Borussia Mönchengladbach – Union Berlin

Sonntag, 5. Mai, 15.30 Uhr: Union Berlin – VfL Bochum

Sonnabend, 11. Mai, 15.30 Uhr: 1. FC Köln – Union Berlin

Sonnabend, 18. Mai, 15.30 Uhr: Union Berlin - SC Freiburg

Gegen Heidenheim suchten die Köpenicker diesen Schlüssel lange vergeblich. Mit Benedict Hollerbach und Brenden Aaronson im Angriff sowie Andras Schäfer dahinter im Mittelfeld wirkte Union quirlig, aber mächtig unsortiert. Unsaubere Abspiele und nicht weniger schludrige Ballverarbeitungen taten ihr Übriges. Gewusel statt Struktur im Spiel, willkommen beim Duell des Tabellen-13. gegen den Liga-Zehnten.

Doppelschlag für Union Berlin durch Gosens und Schäfer

Dafür gab es Geschenke, und zwar auf beiden Seiten. Keine drei Minuten waren vorbei, da beglückte Unions Innenverteidiger Kevin Vogt den Heidenheimer Nikola Dovedan mit einer misslungenen Kopfballrückgabe. Der FCH-Offensivmann blieb vor Torwart Frederik Rönnow eiskalt, 0:1 (3. Minute).

Erst mit dem Kopfball von Danilho Doekhi, der knapp sein Ziel verfehlte, war Union tatsächlich im Spiel. Da waren bereits 33 Minuten gespielt. Und natürlich wollten sich die Heidenheimer revanchieren. Nach einem Freistoß von Josip Juranovic prallte der Ball vom zu Boden fallenden Patrick Mainka direkt Robin Gosens für die Füße, der überlegt zum Ausgleich einschoss (44.). Und kurz vor dem Seitenwechsel beschenkte Aaronson den Schuss von Schäfer mit der richtigen Richtung, damit er aus 22 Metern zum 2:1 in Tor segeln konnte (45.+2).

Union war nun Herr des Spiels. Prompt schlich sich eine Art Zufriedenheit in den Aktionen ein. Nach Balleroberungen wurden Angriffe nicht konsequent genug zu Ende gespielt, und da die Heidenheimer Versuche ebenfalls kaum gefährlich wurden – was sollte also schon passieren? Einen langen Ball von Eren Dinkci später, dem ein Lupfer von Jan-Niklas Beste über Torwart Rönnow folgte, schauten sich alle im Lager der Rot-Weißen verdutzt an, weil so eben das 2:2 gefallen war (71.). Das nächste Geschenk. Aus Union-Sicht eines zu viel.