Sich vor dem eigenen Fanblock nach dem Spiel feiern lassen, das ist Usus bei Union Berlin. Doch nach fast einem halben Jahr sah man wieder in glückliche Spielergesichter. Erschöpft, aber glücklich, denn das 1:0 (0:0) bei der TSG Hoffenheim war der erste Sieg in der Fremde seit dem 26. August 2023 (4:1 in Darmstadt). Ein Sieg, der nach großem Kampf errungen wurde, mit Tugenden, die Union in der Bundesliga bekannt gemacht haben.

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Mir diesem siebten Saisonsieg vergrößerte Union den Abstand zu Abstiegszone auf acht Punkte. Der Klassenerhalt ist damit einen großen Schritt nähergerückt. Brenden Aaronson erlöste Union in der 84. Minute, als er eine überlegte Vorlage des ebenfalls eingewechselten Yorbe Vertessen eiskalt nutzte. Vertessen selbst hatte kurz vor dem Abpfiff sogar das 2:0 auf dem Fuß (89.), nachdem Josip Juranovic mit einem Freistoß am Pfosten gescheitert war (88.).

„Das Spiel war verrückt, es wurde kaum Fußball gespielt mit den Unterbrechungen und den Roten Karten“, sagte Mittelfeldspieler Aaronson: „Ich saß ewig auf der Bank. Ich wusste, ich muss fokussiert bleiben.“

Fans von Union Berlin protestieren erneut mit Tennisbällen

Wie vor einer Woche das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg stand auch das Gastspiel in Sinsheim vor dem Abbruch. Erneut wurden aus dem Block der Union-Fans Tennisbälle als Protest gegen DFL-Investoren auf das Spielfeld geworfen, die Partie wurde in der 36. Minute unterbrochen, Schiedsrichter Robert Hartmann bat beide Teams an die Seitenlinie. Als es nach acht Minuten Unterbrechung weitergehen sollte, beorderte Hartmann die Spieler nach weiteren Tennisball-Würfen in die Katakomben.

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Die Vorstände beider Vereine wurden aufgefordert, auf die Fans einzuwirken, um einen drohenden Spielabbruch zu verhindern. Für Union machte sich Michael Parensen, Technischer Direktor der Lizenzspielerabteilung, auf den Weg. Nach insgesamt einer guten Viertelstunde wurde das Spiel mit einer zwölf Minuten langen Nachspielzeit fortgesetzt. Und die hatte es gleich in sich.

Das Restprogramm von Union Berlin

Sonntag, 28. April, 15.30 Uhr: Borussia Mönchengladbach – Union Berlin

Sonntag, 5. Mai, 15.30 Uhr: Union Berlin – VfL Bochum

Sonnabend, 11. Mai, 15.30 Uhr: 1. FC Köln – Union Berlin

Sonnabend, 18. Mai, 15.30 Uhr: Union Berlin - SC Freiburg

Im Mittelpunkt standen die Duelle zwischen Unions Kevin Volland und dem Hoffenheimer Stanley N‘Soki, in deren Folge der TSG-Verteidiger völlig zu Recht, der Stürmer der Berliner hingegen unverständlicherweise mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen wurden. Was war passiert? N‘Soki hatte Volland in einem Zweikampf zunächst in halber Ringer-Manier umgerissen und ihm anschließend ins Gesicht gelangt, als sich der Union-Profi darüber aufregte. N‘Soki sah Gelb, ebenso Volland, der sich mit einem leichten Schubser revanchierte (45.+4).

Volland sieht Gelb-Rot bei Union Berlin

Zwei Minuten später rüpelte N‘Soki den Berliner erneut weg, der Platzverweis war die einzig richtige Entscheidung. Wiederum zwei Minuten danach durfte sich Volland dem Franzosen anschließen, nachdem Schiedsrichter Hartmann eine Schwalbe von TSG-Angreifer Andrej Kramaric im Laufduell mit Volland als Foul bewertet hatte. Eine Fehlentscheidung. Kramarics Augenzwinkern in Richtung Volland nach der Aktion bedurfte keiner weiteren Erklärung.

„Kramaric ist ein Schlitzohr, das hat er clever gemacht“, sagte Unions Abwehrchef und Ex-Hoffenheimer Kevin Vogt: „Aber egal welchen Kontakt man sucht, es gab keinen, der Gelb-würdig ist.“ Später am Sky-Mikrofon gab Kramaric zu, dass er den Platzverweis für Volland „ganz klar“ provozieren wollte.

Kevin Volland (r.) von Union Berlin und Stanley N‘Soki von der TSG Hoffenheim wurden des Feldes verwiesen.
Kevin Volland (r.) von Union Berlin und Stanley N‘Soki von der TSG Hoffenheim wurden des Feldes verwiesen.© dpa | Jan-Philipp Strobel

Überhaupt ging es gut zur Sache, vor allem die Hoffenheimer wussten alle Register in den Zweikämpfen zu ziehen. Wer auf ein Duell der MittelfeldstrategenRani Khedira und Grischa Prömel gehofft hatte, wurde enttäuscht. Unions Khedira musste bereits nach sechs Minuten runter, nachdem ihm im Strafraumgetümmel ein Hoffenheimer auf den Knöchel getreten war. Alex Kral ersetzte ihn. Und Ex-Unioner Prömel verabschiedete sich nach 28 Minuten offenbar mit Knieproblemen.

Der Riesenchance der Hoffenheimer durch Ihlas Bebou nach zwei Minuten (Torwart Frederik Rönnow und der Pfosten retten für Union) konterte Union mit dem Pfostentreffer durch Benedict Hollerbach (18.), der zudem als Vorbereiter des vermeintlichen 1:0 im Abseits stand (29.). Nach dem Seitenwechsel musste Rönnow gegen Anton Stach eingreifen (54.). Hoffenheims Maximilian Beier trifft das Außennetz (74.). Die TSG jetzt optisch überlegen, doch Union verteidigte leidenschaftlich. Und wurde belohnt.