Der Traum von Union Berlin von einem Überwintern in Europa ist so gut wie ausgeträumt. Unter dem neuen Trainer Nenad Bjelica gab es für die Köpenicker in der Champions League nur ein 1:1 (1:0) beim SC Braga, obwohl die Mannschaft eine Stunde lang in Überzahl spielte. Damit muss Union am letzten Gruppenspieltag am 12. Dezember gegen Rekordsieger Real Madrid gewinnen, um doch noch ins Achtelfinale der Europa League einzuziehen. Zeitgleich braucht es dafür eine Niederlage von Braga in Neapel.
„Ich habe ein ausgeglichenes Spiel in der ersten Halbzeit gesehen. Durch einen Fehler fällt das 1:1, das hat uns sehr schockiert. Uns hat dann die Frische gefehlt, um wieder Druck zu machen. Am Schluss war es ein verienter Punkt“, sagte Bjelica nach seiner Premiere als Union-Coach. Mittelfeldspieler Rani Khedira wurde ein wenig deutlicher: „In der zweiten Halbzeit waren wir zu passiv, wir laden den Gegner zum Tor ein.“
Bjelica lässt Union Berlin mit Viererkette in der Abwehr spielen
„Ein neuer Trainer bedeutet auch imme einen Neuanfang“, hatte Robin Gosens am Tag vor dem Spiel wissen lassen. Wie der Neuanfang für Union aussehen würde, war an der Startformation zu erkennen, die Trainer Bjelica auf den Rasen schickte. Viererkette in der Abwehr (statt Dreierkette), mit Kevin Behrens nur ein echter Stürmer (zuvor zwei Angreifer), und ein Mittelfeld, das sich vor Rani Khedira gern als weitere Viererkette formierte.
Personell bedeutete dies im Vergleich zum 1:1 in der Bundesliga gegen den FC Augsburg: David Fofana, Christopher Trimmel, Paul Jaeckel und Janik Haberer auf die Bank, dafür Khedira (gegen Augsburg noch gesperrt), Josip Juranovic, Jerome Roussillon und Lucas Tousart rein. Bjelicas favorisiertes System ist das 4-2-3-1. Nicht ausgeschlossen, dass der Kroate dieses System Stück für Stück bei Union fü den Abstiegskampf in der Bundesliga etablieren wird.
Die Formation der Berliner in Braga kann dabei ein erster Schritt gewesen sein. Wobei vor allem Gosens im Mittelfeld über weite Strecken der Platz zu fehlen schien, um seine Dynamik auszuspielen. Beim Führungtreffer in der 42. Minute wurde deutlich, wie es funktionieren kann. Khedira schickte Roussillon mit einem langen Ball, der bediente Gosens mit einem überlegten Querpass, und der Nationalspieler nutzte die freie Bahn zum 1:0.
Bragas Niakite foult Unions Behrens und sieht Rot
Zu diesem Zeitpunkt spielte Union bereits in Überzahl. Bragas Sikou Niakité hatte nach einer halben Stunde Behrens klar oberhalb des Knöchels erwischt, der Platzverweis für den Verteidiger war die logische Folge. Es war der Moment, in dem Braga die Kontrolle über das Spiel verlor. Nicht dass die Portugiesen vorher Union in irgendeiner Form an die Wand gespielt hätten, der Bruch im Spiel war jedoch klar erkennbar.
Union-Torwart Frederik Rönnow hatte zuvor schon nach 16 Minuten erfolgreich Kopf und Kragen gegen Simon Banza riskiert. Ein Kopfball von Alvaro Djalo vefehlte sein Ziel nur knapp, aber ausreichend (28.). Schließlich standen Rönnow und Behrens kurz vor der Pause auf der eigenen Torlinie erfolgreich im Weg. Und das Handspiel von Diogo Leite gleich im Anschluss wertete Schiedsrchter Clement Turpin (Frankreich) als regelkonform. War das in den vergangenen Wochen so oft herbeigesehnte Spielglück bei Union zurück?
Gegentor schockt Union Berlin
Es brauchte keine sechs Minuten in der zweiten Halbzeit für eine Antwort: nein. Knoche spielte einen Pass direkt in die Beine von Bragas Horta. Der fackelte nicht lange, setzte den heraneilenden Djalo in Szene. Und der Stürmer hämmerte den Ball über Rönnow einfach zm Ausgleich ins Tor (51.). Horta (59.) und Djalo (60.) hätten die Partie kurz darauf sogar ganz drehen können. Bjelica feuerte wütend seine Winterjacke auf den Boden. Nein, das war nicht die Disziplin, die er von seiner neuen Mannschaft sehen wollte.
Hatte der Platzverweis bei Braga für einen Bruch im Spiel gesorgt, so war es nun Union, das den Schock des Ausgleichs schwer zu verdauen hatte. Mit Haberer für Tousart erhoffte sich Bjelica neue Stabilität im Mittelfeld, mit Fofana für Behrens neuen Schwung im Angriff (62.). Doch der Eindruck, als sei Union das Team in Unterzahl, verfestigte sich immer mehr.
Khedira versuchte mit aller Macht und Einsatzbereitschaft, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten und seine Mitspieler dabei anzutreiben. Vergeblich. „Wenn du in Überzahl bist, musst duanders auftreten“, sagte Khedira. Und wurde doch einmal ein Konter versucht, zum Beispiel über den eingewechselten Alex Kral, standen sich die Unioner selbst im Weg. Falsche Entscheidungen, gepaart mit ein wenig Verzweiflung. Fofanas Kopfball streicht über das Braga-Tor (84.). Der Ivorer hatte kurz vor Schluss noch eine gute Chance (89.). Dann war es vorbei.



