„Das war ein Schritt in die richtige Richtung. Und in diese Richtung muss und wird es weitergehen.“ Marco Grote, Interimscoach von Union Berlin, wirkte mehr erleichtert als vielleicht doch enttäuscht. Ja, seine neue Mannschaft hatte nach neun Niederlagen unter Vorgänger Urs Fischer in der Fußball-Bundesliga endlich mal wieder etwas Zählbares mitnehmen können, zudem auch nach vier Spielen ohne eigenes Tor in der heimischen Alten Försterei wieder getroffen.
- Marie-Louise Eta:Union Berlin empfängt seine „Fußballgöttin“
Doch das 1:1 (0.1) gegen den FC Augsburg war eben auch nur ein Unentschieden. Eines, mit dem Union zwar den letzten Platz verlassen konnte. Doch der so sehnlichst erhoffte Sieg, dieser große Schritt sogar schon hin zu einer Trendwende, der blieb aus. „Am Ende machen wir in der 88. Minute das 1:1, das ist auch ein Teil der Wahrheit. Dass nicht alles wie weggepustet ist, liegt in der Natur der Sache“, bilanzierte Grote.
Fans verabschieden Urs Fischer und Markus Hoffmann
Natürlich ließen es sich die Union-Fans nicht nehmen, sich gebührend von Urs Fischer und Markus Hoffmann zu verabschieden. „Danke Urs & Hoffi“ war zu lesen, darunter ein großes Transparent mit den Konterfeis des Trainerduos und mit einem riesigen Schriftzug: „Ihr habt Träume verwirklicht, die wir eigentlich nie hatten.“ Auf der Gegengeraden war „Immer einer von uns“ zu sehen, Worte, die auch an Sebastian Bönig gerichtet waren. Der Co-Trainer hat eine Auszeit genommen.
Zu diesem Zeitpunkt hatten Grote und Marie-Louise Eta ihre Plätze längst eingenommen. Im Schatten der großen Fischer-Verabschiedung versuchte das neue Duo, ins Licht zu treten – und sah sich zunächst den Objektiven von Kamerateams und Fotografen ausgesetzt. Doch es war deutlich zu erkennen, dass ein neues Trainerteam die Mannschaft aus der Negativspirale herausführen will und muss, wenn auch zunächst nur übergangsweise.
Union Berlin spielt in leicht verändertem System
Das System, mit dem der Tabellenletzte antrat, war ein wenig verändert. Mit einem 3-4-3 ließ Grote die Köpenicker den ersten Schritt zurück auf den Erfolgsweg versuchen. Schon am Donnerstag hatte der 51-Jährige durchblicken lassen, dass ihm als Trainer vielleicht ein wenig mehr Offensive innewohnt, als es bei Fischer der Fall gewesen ist. Der Dreierangriff David Fofana, Kevin Volland und Kevin Behrens dokumentierte dies.

Auch an der Seitenlinie gab es natürlich eine Veränderung. Anstelle von Bönig saß nun Torwarttrainer Michael Gspurning neben dem Trainerduo. Auffällig war auch die Aktivität, mit der Grote seine Premiere als hauptverantwortlicher Coach in der Bundesliga anging. Aktiv mitlaufend in vielen Szenen, sehr oft beide Daumen in die Höhe gestreckt als Zeichen des Lobes. Und nicht nur einmal sah man ihn mit Marie-Louise Eta im Gespräch. Die gleichberechtigte Zusammenarbeit, die Grote zuvor herausgestellt hatte, sie war deutlich zu erkennen.
„Wir hatten gute fußballerische Passagen bei der Spieleröffnung. Die Mannschaft hat mit viel Willen umgesetzt, im Spiel ein Stück weit unberechenbarer zu sein, neue Wege finden zu können“, analysierte Grote, „wir hatten aber auch Zugriffsprobleme und fehlende Kompaktheit. Das haben wir versucht zu korrigieren, trotzdem waren die Abstände oft zu groß.“
Knoche verschießt einen Elfmeter für Union Berlin
Die Partie, die sich entwickelte, war ein Paradebeispiel dafür, wie es läuft, wenn man unten steht. Trotz allen Selbstvertrauens, das Union in bemerkenswerter Art immer noch auf den Platz brachte, war die Mischung aus Fehlern, unglücklichen eigenen Entscheidungen und auch dem Können des Gegners eine erneut fatale für die Berliner.
Es lief die 39. Minute, als Ermedin Demirovic per Elfmeter zum 0:1 traf. Vorausgegangen war ein stürmisches Tackling von Robin Gosens gegen Arne Engels, das Schiedsrichter Florian Badstübner auch nach Studium der Videobilder als strafwürdig einstufte. Gosens sah dafür noch die Gelbe Karte. „Zunächst mal bleibe ich dabei, dass es kein Elfmeter gewesen ist, weil ich den Ball eine Millisekunde früher spiele. Das sieht man auch an der Richtung, die der Ball dann einschlägt“, sagte Gosens, „aber ich muss mir natürlich den Schuh anziehen, dass ich mit meiner Aktion die Mannschaft dadurch in Gefahr bringe.“
Nach dem Seitenwechsel, in der 57. Minute, war es Union-Kapitän Christopher Trimmel, der von Iago von den Beinen geholt wurde. Wieder Videostudium, wieder Efmeter-Entscheid – nur dass Robin Knoche an Augsburgs Torwart Finn Dahmen scheiterte. Und als wäre das alles noch nicht genug, stand Gosens bei seinem Kopfball zum vermeintlichen Ausgleich auch noch im Abseits (63.). Kevin Volland rettete Union schließlich vor einem erneuten Rückschlag (88.).



