Als Robin Knoche, Abwehrchef von Union Berlin, erklärte, warum der Berliner Fußball-Bundesligist auch das elfte Spiel in Folge verloren hatte, tigerte Dirk Zingler im Hintergrund umher. Die Miene des Klubchefs des Berliner Fuball-Bundesligisten sprach Bände: Frust, Enttäuschung, und vielleicht auch ein wenig Erkenntnis, dass viel schneller eine Entscheidung anstehen könnte, als man bei den Köpenickern befürchten möchte.

Knoche selbst, nachdem er das 0:1 (0:1) in der zweiten DFB-Pokalrunde beim VfB Stuttgart als „brutal entäuschend, weil man der Mannschaft keinen Vorwurf machen kann“, eingeordnet hatte, ließ zur Trainerfrage wissen: „Dazu beantworte ich keine Frage.“ Wenig später nahm Christopher Trimmel, Unions Kapitän, Stellung zu jenem Thema, dass man an der Alten Försterei so gern ausblenden, ja beenden möchte.

„Man hat heute gesehen, dass die Mannschaft lebt“, sagte Trimmel: „Wir mussten die vergangenen fünf Jahre immer erklären, warum wir so erfolgreich sind – weil jeder einzelne im Verein sein Bestes gegeben hat. Genauso ist es jetzt auch. Wenn ich das Gefühl hätte, der Trainer würde nicht mehr ankommen, dann würde ich etwas anderes sagen. Doch das ist sowas von gar nicht der Fall.“ Dennoch ploppt mit jeder weiteren Niederlage die Frage automatisch wieder auf: Was kann Coach Fischer noch tun?

Fischer lässt rotieren und mit Viererkette spielen

Für das Pokalspiel in Stuttgart tat Fischer einiges. Frische in der Startelf hatte er angekündigt und im Tor Alexander Schwolow statt Frederik Rönnow aufgestellt. Weil sich Schwolow beim Aufwärmen aber muskuläre Probleme auftaten, stand Rönnow doch beim Anpfiff auf dem Rasen. Außerdem rotierten Jerome Roussillon, Alex Kral, Aissa Laidouni, Kevin Volland und Benedict Hollerbach in die Anfangsformation (für Robin Gosens, Leonardo Bonucci, Rani Khedira, Janik Haberer und Brenden Aaronson). Offensiv und mit Viererabwehrkette wollte der Schweizer sein Team in den von ihm geforderten Pokalfight schicken.

Urs Fischer, Trainer von Union Berlin, sieht von Schiedsrichter Sascha Stegemann die Rote Karte.
Urs Fischer, Trainer von Union Berlin, sieht von Schiedsrichter Sascha Stegemann die Rote Karte.© dpa | Tom Weller

Union lieferte vor 52.000 Zuschauern (darunter 1400 Union-Fans) den Fight und kämpfte – mit sich selbst und den eigenen Nerven. Mit einem Selbstvertrauen im Keller wurde jeder Pass, jeder Laufweg zunächst zur Hochrisiko-Aktion. Es daurte gut und gerne eine halbe Stunde, bis sich die Köpenicker irgendwie in die Partie gewurschtelt hatten. Laidounis Lattenkracher nach 28 Minuten war Unions erstes Lebenszeichen. Später sprach Fischer von einer ausgeglichenen Partie, weil seine Mansnchaft „mit dem neuen System gut zurechtgekommen ist. Wir hatten Zugriff auf das Spiel.“

Union Berlin ist in der ersten Halbzeit zu harmlos

Kevin Behrens in vorderster Front? Bei VfB-Abwehrrecke Dan-Axel Zagadou komplett abgemeldet. Volland wirkte im Mittefeld wie ein freies Radikal in einem lange wackeligen Union-Konstrukt – ohne offensive Wirkung. Und Hollerbach war giftig, wie man es von ihm erwarten durfte – und viel zu oft orientierungslos. Kral im defensiven Zentrum versuchte sich als Stabilisator, was einigermaßen gelang. Ansonsten durften die Berliner froh sein, dass die Stuttgarter ihren vielen Ballbesitz nicht besser zu nutzen wussten. Deniz Undav traf nur den Pfosten (33.).

Als sich die erste Halbzeit ihrem Ende näherte, traute sich die Fischer-Elf ein wenig mehr zu. Ein Kral-Kopfball nach einer Ecke von Christopher Trimmel war jedoch zu hoch. Und natürlich kam es, wie es kommen musste. Als Roussilllon eine Flanke in den Strafraum unterschätzte und Ex-Unioner Jamie Leweling noch an Torwart Rönnow scheitete, stand Undav beim Abpraller goldrichtig und reagierte blitzschnell – 0:1 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff.

Union agierte nach dem Setenwechsel mit dem Mute der Verzweiflung. Trimmel prüfte VfB-Schlussmann Nübel (48.). Auf der anderen Seite war Rönnow erneut gegen Leweling zur Stelle. Fischer brachte Mikkel Kaufmann für den glücklosen Behrens. Die Vorstöße der Köpenicker häuften sich, versandeten aber auch immer wieder in ungenauen Abspielen vor dem VfB-Tor. Das genügte, um die Gastgeber nervös zu machen. Mehr jedoch nicht.

Rot für Coach Fischer und Torwarttrainer Gspurning

Union warf nun alles nach vorn und hatte Glück, dass Silas nicht auf 0:2 stellte (82.). Und fast hätten die Köpenicker in der Nachspielzeit noch ihre große Chance zum Ausgleich und zu einer möglichen Verlängerung bekommen. Als Zagadou gegen Roussillon rüde ins Kopfballduell ging, blieb der Union-Verteidiger auf dem Rasen liegen. Schiedsrichter Sascha Stegemann unterbrach die Partie und ließ nur wenig weiterspielen – mit Schiedsrichteball für Stuttgart.

Das brachte Torwarttrainer Michael Gspurning derart in Rage, dass er von Stegemann die Rote Karte sah. Als Fischer nach dem Abpfiff dazwischenging und beim Schlichtungsversuch Stegemann offenbar leicht wegschob, sah auch der Union-Coach Rot von Stegemann. „Sie können mir glauben, dass ich ihn nicht beleidigt habe“, erklärte Fischer, „ich habe mich später bei ihm in der Kabine auch entschuldigt, dass ich zu aggressiv, zu forsch war. Es gibt offensichtlich eine Regel, wenn das ein Offizieller macht, dass das zwingend mit Rot zu bestrafen ist. Das tut mir wirklich leid und am Schluss muss ich mich dann auch besser unter Kontrolle haben.“

Die Szene nach Abpfiff zeigte jedoch auch, wie es um das Nervenkostüm im Union-Lager derzeit wirklich bestellt ist. Der Rückendeckung im Verein kann sich der Schweizer dennoch sicher sein: „Ich kann in Ruhe arbeiten.“