Kevin Behrens, Stürmer von Union Berlin, ist selten jemand, der hinter dem Berg hält. Der Angreifer trägt sein Herz gern mal auf der Zunge. Am Sonntagnachmittag, nach dem 4:1 (2:0) gegen den FSV Mainz 05 zum Start in die Saison der Fußball-Bundesliga, war ein solcher Moment. „Das ist brutal, vor so einer Kulisse in die Saison zu starten. Überragend, da drei Tore beizutragen. Ich hab bis jetzt immer nur eins gemacht, jetzt sind es drei, geiles Gefühl“, sagte Behrens nach dem gelungenen Auftakt.
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Die Fans feierten derweil noch einen anderen Union-Profi, und das völlig zu Recht. Wann gelingt es einem Torwart schon mal, zwei Elfmeter in einer Halbzeit zu halten? Frederik Rönnow zeigte, wie es geht, gegen den Mainzer Ludovic Ajorque, zweimal. Der Däne quittierte dies mit einem „unglaublich“.
Union Berlin startet bemerkenswert in die Saison
Es war noch keine halbe Stunde gespielt, da warfen die Flutlichtmasten der Alten Försterei trotz hochsommerlicher Temperaturen samt strahlendem Sonnschein bereits ihr grelles Licht auf den Rasen, in früheren Zeiten durfte man dies als Aufforderung an die Mannschaft der Köpenicker verstehen, dass ihnen ein Licht aufgehen möge.
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Jetzt, am Sonntagnachmittag, konnte es nur eines bedeuten. Keiner, weder die 22.012 Besucher (darunter 1200 Mainzer Fans) im Stadion noch die TV-Zuschauer sollte auch nur einen Moment der Saisonpremiere verpassen.
Ohne Zweifel war längst noch nicht alles Gold, was die Köpenicker gegen die Mainzer ablieferten. Doch dieser Union-Jahrgang zeigte gleich, wohin die Reise im fünften Erstliga-Jahr führen soll. Ganz schnell und ganz weit weg von irgendwelchen Abstiegssorgen. Um sich schneller als bislang neuen Zielen zuwenden zu können.
Union Berlin startet mit Fofana und ohne Becker
Mit David Fofana, Brenden Aaronson und Alex Kral (wie erwartet als Ersatz für den verletzten Rani Khedira im defensiven Mittelfeld aufgestellt) ließ Union-Trainer Urs Fischer beginnen – und ohne Sheraldo Becker. Ein Hinweis darauf, dass Unions Top-Torschütze der vergangenen Saison (elf Treffer) den Verein doch noch bis zum Ende der Transferperiode am 1. September verlassen wird? Das weitere Einstudieren einer Variante mit Blick auf die Dreifachbelastung mit Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League?

In jedem Fall war es die richtige Entscheidung. Fofana als zweite Spitze neben Kevin Behrens belebte die Offensive mit Tempo und Spielwitz. Auch im Zweikampfverhalten sammelte die Leihgabe des FC Chelsea ordentlich Pluspunkte. Ein guter Auftritt des Offensivmannes.
Robin Gosens blieb zunächst ebenso wie Kevin Volland auf der Bank, beide waren erst in der vergangenen Woche verpflichtet worden. Was nicht bedeutete, dass beide die Partie teilnahmslos verfolgten. Vor allem Gosens sprang immer wieder auf, applaudierte seinen neuen Teamkollegen und feuerte an. Teamgeist, wie er sein soll.
Behrens eröffnet die Party bei Union Berlin
Und Gosens musste wie die Fans in der Alten Försterei nicht lange warten, bis er zum ersten Mal aufspringen konnte. 52 Sekunden waren gerade erst vorbei, als Behrens eine Flanke von Jerome Roussillon per Kopfball ins lange Eck wischte. Die Saison hatte für Union noch gar nicht richtig begonnen, da war das Stadion schon ein Tollhaus.


Aufmerksam, meist einen Tick schneller am Ball als die Mainzer, robust in der Abwehr, schnell und zielstrebig – Union machte sofort Spaß und erhöhte auf 2:0. Wieder machte es Behrens mit Köpfchen, Aissa Laidouni hatte geflankt, keine neun Minuten waren gespielt. „Wir sind wirklich gut gestartet, die Tore waren auch toll herausgespielt und die Box-Besetzung war auch da“, freute sich Fischer.
Und es war immer wieder Fofana, der für weitere Gefahr vor dem Mainzer Tor sorgte. FSV-Schlussmann Robin Zentner (21.) und die Latte nach einem Freistoß (33.) verhinderten eine höhere Halbzeitführung für Union.
Rönnow wir bei Union Berlin zum Elfmeterhelden
Was Behrens später mit „harter Arbeit in der Vorbereitung“ erklärte, sah auch nach dem Seitenwechsel spielerisch einfach aus. Eine Ecke von Kapitän Christopher Trimmel hätte der Stürmer fast erneut ins Tor geköpft (52.).
Es folgte der Auftritt von Rönnow. Erst bügelte er Diogo Leites Vergehen aus, der im Duell den Mainzer Brajan Gruda unglücklich getroffen hatte (62.). Kurz vor dem Abpfiff, nachdem Abwehrchef Robin Knoche bei einem Zweikampf mit Ajorque den Ball unglücklich mit der Hand gespielt hatte, hielt er auch den zweiten Strafstoß des 05ers fest (88.). Ajorque ist damit der erste Spieler in der Bundesliga-Historie, der in einem Spiel zwei Elfmeter verschoss.
Gosens führt sich mit Fluggrätsche bei Union Berlin ein
Zwischen den beiden Strafstößen erlaubte Union den Mainzern tatsächlich sechs Minuten, um vielleicht doch noch an etwas Zählbares zu glauben. Doch Anthony Cacis herrlichen Anschlusstreffer (64.) konterte Behrens prompt mit dem 3:1. Per Kopf, nach Flanke des eingewechselten Sheraldo Becker (70.). „Die Momente waren heute auf unserer Seite“, sagte Fischer.
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Und Gosens und Volland? Gosens kam nach 66. Minuten für Roussillon. Seine beste Aktion war ein Fluggrätscheneinsatz am eigenen Strafraum – bemerkenswert. Volland kam in der 89. Minute für Fofana – und bereitete das 4:1 durch den ebenfalls eingewechselten Milos Pantovic (90.+6) robust und mit viel Übersicht vor. „Auch wenn der Sieg verdient ist, so fiel er doch um ein Tor zu hoch aus“, bilanzierte Fischer. Der Feierlaune der Fans tat dies keinen Abbruch.



