Dass eine Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga dem Ehrentag von Urs Fischer sicher etwas Besonderes verliehen hätte, steht außer Frage. Als Spitzenreiter hätte sich der Trainer des 1. FC Union von seiner Familie an seinem 57. Geburtstag am Montag feiern lassen können, auch wenn er mit einem Augenzwinkern zu verstehen gibt: „Es ist ja nicht mehr der erste Geburtstag, da ist dann doch schon eine gewisse Routine.“
Dennoch hätte der Coach „dieses Spiel gern gewonnen, logisch. Aber das haben wir nicht, weil ein Gegner auf der anderen Seite stand, der unermüdlich war und jedes Duell zu Ende gespielt hat. Man tut sich eben auch mal schwer. Dann hilft es, einen Punkt mitzunehmen“. Alles war angerichtet, Serienmeister Bayern München von der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga abzulösen. Herausgekommen ist ein 0:0 gegen Schlusslicht Schalke 04, das Union weiter im Rennen um einen Platz in der Champions League hält.
„Es ist ein gerechtes Resultat“, sagte Innenverteidiger Timo Baumgartl, „wichtig war, dass wir nicht noch einen Lucky Punch kassiert haben.“ Die Siegesserie der Köpenicker im Oberhaus ist jedoch nach fünf Siegen in Folge beendet.
Union Berlin rotiert auf fünf Positionen
Es war nicht so, dass sich die Schalker wie ein Tabellen-Schlusslicht präsentierten. Die Gäste starteten durchaus selbstbewusst, drei torlose Unentschieden haben den Glauben an den Klassenerhalt wieder ein wenig größer werden lassen. Union wiederum brauchte nach dem Auftritt in der Europa League bei Ajax Amsterdam ein wenig, um im Spiel anzukommen.
Fischer hatte seine Mannschaft auf fünf Positionen verändert. Wie erwartet kehrten Kapitän Christopher Trimmel (rechts) und Niko Gießelmann (links) auf die Außen zurück, ebenso Baumgartl in die Innenverteidigung, Janik Haberer ins Mittelfeld sowie Sven Michel in den Angriff. Josip Juranovic, Jerome Roussillon, Morten Thorsby und Sheraldo Becker mussten auf die Bank, Abwehrspieler Diogo Leite (krank) stand gar nicht im Kader.
Vor 22.012 Zuschauern in der Alten Försterei – darunter rund 2500 Schalker Fans, von denen einige vor der Bus-Anreise am Sonntagmorgen von gewaltbereiten Personen angegriffen wurden, die vermutlich aus dem Umfeld der Fanszene von Rot-Weiss Essen und Borussia Dortmund stammen – meldete sich Union erst Mitte der ersten Halbzeit so richtig in der Partie an. Danilho Doekhi prüfte Schalke-Torwart Ralf Fährmann aus acht Metern im Anschluss an einen Freistoß (23.).
Union Berlin wirkt mental müde
Trotz der Rotation in der Startelf wirkte Union Berlin mental müde. Abspiele kamen oft zu spät oder waren unpräzise. Dazu kam ein Schalke-Team, das im Defensivverhalten jene Leidenschaft auf den Rasen brachte, die man sonst vor allem mit Union verbindet.
Erst zum Ende des ersten Spielabschnitts gelang es den Berlinern, den Druck signifikant zu erhöhen. Doch mehr als ein Fernschuss von Rani Khedira aus 22 Metern, der kein Problem für Fährmann darstellte, sprang dabei nicht heraus. Ein steiles Anspiel auf den freistehenden Kevin Behrens wäre hier vielleicht sinnvoller gewesen.
Es musste etwas passieren in der zweiten Halbzeit – und das tat es auch: Schalke schaltete einen Gang hoch und glaubte immer mehr daran, dass man aus der Alten Försterei etwas mitnehmen kann. So hatte Union jede Menge Glück, dass der Schalker Angreifer Michael Frey den Ball frei vor dem Tor von Frederik Rönnow nicht unter Kontrolle bringen konnte. Trimmel rauschte heran und drosch den Ball aus der Gefahrenzone (59.).
Union Berlin spielt zu unpräzise
Kurz darauf verschätzte sich Baumgartl bei einem langen Schalker Ball, sodass erneut Frey nun aus spitzem Winkel zum Abschluss kommen konnte – Außennetz (65.). Selbst die Einwechslungen von Becker, Siebatcheu oder auch Thorsby verpufften.
„Es war ein Spiel zweier Mannschaften, die sich fast neutralisiert haben. Am Schluss musst du dann auch mit diesem Resultat nach diesem Verlauf zufrieden sein. Damit kann ich sehr gut leben“, sagte Fischer. Doch es blieb Unzufriedenheit beim Coach: „Wir haben uns doch in der Spieleröffnung schwerer getan als gedacht. Da hat auch ein bisschen der Mut gefehlt, um dieses erste Pressing der Schalker zu überspielen. Trotzdem hatten wir unsere Umschaltmomente, da waren wir heute jedoch viel zu unpräzise.“
Einen dieser Momente gab es in der 78. Minute über Khedira und den eingewechselten Paul Seguin, dessen Schuss für Fährmann jedoch kein Problem war. „Die Reise von Amsterdam zurück, der tiefe Platz, ein schwerer Gegner, da kam heute alles zusammen“ bilanzierte Abwehrchef Knoche. Oder wie es Baumgartl erklärte: „Man muss nach so einem Spiel auch mal ein 0:0 mitnehmen.“



