Union Berlin

Lehrstunde für Union beim Elfmeterfestival in Freiburg

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Paul Jaeckel (l.), Robin Knoche und die Enttäuschung bei Union Berlin nach der Niederlage in Freiburg.

Paul Jaeckel (l.), Robin Knoche und die Enttäuschung bei Union Berlin nach der Niederlage in Freiburg.

Foto: Tom Weller / dpa

Union verabschiedet sich mit einem 1:4 in Freiburg aus dem Bundesliga-Jahr. Innenverteidiger Diogo Leite sieht Rot.

Berlin.  Union Berlin geht mit einer herben Niederlage in die Winterpause. Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer verlor zum Abschluss des Bundesliga-Jahres beim SC Freiburg mit 1:4 (0:4).

„Die erste Halbzeit war ein Alptraum“, sagte Mittelfeldspieler Paul Seguin, der den gesperrten Rani Khedira vertrat: „In der zweiten Halbzeit ging es nur noch um Schadensbegrenzung.“ Für Robin Knoche war klar: „Die Anfangsphase hat uns gekillt. Dann nur darauf zu spielen, dass du die Hütte nicht voll bekommst – ein schwieriges Spiel.“

Es hatte das i-Tüpfelchen auf einen ersten Saisonabschnitt werden sollen, den man sich bei Union kaum besser hätte wünschen können. Es wurde eine Lehrstunde, die die Köpenicker beim Elfmeterfestival im Breisgau erhielten. In Sachen Effektivität. In Sachen Konzentration. Und in Sachen Cleverness. Drei Attribute, die in jedem Spiel benötigt werden, um als Spitzenteam der Bundesliga zu gelten. Union fällt damit aus den Champions-League-Rängen und überwintert als Fünfter, Freiburg ist nun erster Bayern-Verfolger.

Knoche vergibt Strafstoß für Union Berlin

„Die Art und Weise in der ersten Halbzeit hat nicht gepasst“, bilanzierte Trainer Fischer, „in der zweiten Halbzeit haben wie es anständig zu Ende gespielt. Dieses Spiel darf nicht über die bisher tolle Saison hinwegtäuschen, aber die Enttäuschung ist spürbar.“ Fischer ärgerten vor allem die Gegentore zwei und drei: „Da geht es um Restverteidigung, um Kompaktheit, das ist nicht zu akzeptieren. Das war das zweite Mal nach Leverkusen, wir haben einiges aufzuarbeiten.“

Was man der Elf von Fischer ein wenig zugutehalten kann, ist das fehlende Spielglück in der Anfangsphase. Und der Umstand, dass der Videoassistent eben unerbittlich ist. Das Handspiel von Christopher Trimmel, das die desaströse erste Halbzeit einleitete, war selbst in der Videoanalyse kaum und auch dann nur bei wiederholtem Studium der Bilder wirklich zu erkennen. Doch es war da, als Freiburgs Kapitän Christian Günter eine Flanke in den Union-Strafraum schlug. Vincenzo Grifo nutzte den Elfmeter zum 0:1 (3.).

Doch der Rückpass des Ex-Freiburgers Janik Haberer auf Danilho Doekhi direkt in die Mitte des Spielfeldes darf schon als äußerst optimistisch bezeichnet werden. Der Instinkt von Grifo, der den Pass abfing und den Konter einleitete, der Doppelpass mit Michael Gregoritsch, der Grifo in Schussposition brachte, und dessen eiskalter Abschluss bedeuteten das 0:2 nach nicht einmal sechs Minuten. Stichwort Effektivität.

Es sollte ein Spitzenspiel um die Rolle des ersten Herausforderers von Spitzenreiter Bayern München werden. Und vermutlich wäre es das auch geworden, hätte Knoche den Elfmeter für Union in der neunten Minute verwandelt – Freiburgs Lucas Höler hatte Union-Stürmer Sheraldo Becker einfach umgetreten. Doch der Abwehrchef setzte den Ball nur an den linken Pfosten. Ein wenig zu genau geschossen, wie Knoche zugab. Stichwort Konzentration.

Union Berlin schon nach 19 Minuten in Unterzahl

Das Argument, dass Union nach diesen kräftezehrenden sechs englischen Wochen mit Sprung ins Play-off der Europa League und erfolgreicher zweiter DFB-Pokalrunde müde war, greift schlicht zu kurz, um als Erklärung für diese erste Halbzeit herzuhalten. Der Grund ist einfach: Freiburg hatte das gleiche Programm zu absolvieren.

So zeigte sich in der 19. Minute der nächste Unterschied zwischen Union und Freiburg. Ritsu Doan wurde steil geschickt, Unions Innenverteidiger Diogo Leite kam nur schwer hinterher. Erst im Strafraum hatte der Portugiese ihn wieder eingeholt – weil der Japaner sein Tempo auch verlangsamte, auf den Stoß Leites wartete und den nächsten Elfmeter damit generierte. Der Strafstoß war ebenso unstrittig wie die Ausführung Grifos überzeugend war, 0:3. Stichwort Cleverness.

Dass Leite von Schiedsrichter Deniz Aytekin zudem die Rote Karte sah, weil der Schiedsrichter die Aktion als Verhinderung einer klaren Torchance, also als Notbremse wertete, mag hart sein. Vertretbar ist sie allemal. Und die Partie, die die ersten 15 Spieltage der Bundesliga vor der WM-Pause abschloss, war praktisch entschieden.

Michel trifft für Union Berlin

Union versuchte es bis zur Pause mit einer Vierer- statt Fünferkette in der Abwehr. Doch die Ordnung war komplett verloren, auch wenn es bis zum Beginn der Nachspielzeit dauerte, ehe das Fischer-Team das 0:4 kassierte. Gleich drei Union-Verteidiger hatten sich auf Doan gestürzt, um ihn an der Strafraumgrenze zu stoppen. Resultat war ein Zuspiel auf den völlig frei stehenden Gregoritsch, der Union-Torwart Lennart Grill auch noch mit einem Lupfer düpierte (45.+1).

Nach dem Seitenwechsel brachte Fischer unter anderen mit Paul Jaeckel einen weiteren Innenverteidiger, um defensiv wieder die Fünferkette zu aktivieren. Doch ebenso, wie die Freiburger gleich zwei Gänge runterschalteten, bemühte sich Union vergeblich um Ergebniskorrektur. Immerhin gab der eingewechselte Morten Thorsby den ersten Torschuss der zweiten Halbzeit ab (71.).

Erst als Doekhi von Yannik Keitel im Strafraum gehalten wurde, bekam auch Union seinen zweiten Elfmeter. Der eingewechselte Sven Michel verwandelte den Elfmeter zum 1:4 (84.).

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