Union Berlin

Union zeigt beim Remis gegen Augsburg die erhoffte Reaktion

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Sheraldo Becker (r.), Stürmer von Union Berlin, setzt sich gegen den Augsburger Elvis Rexhbecaj durch.

Sheraldo Becker (r.), Stürmer von Union Berlin, setzt sich gegen den Augsburger Elvis Rexhbecaj durch.

Foto: Maja Hitij / Getty Images

Union verabschiedet sich mit einem Unentschieden gegen Augsburg von seinen Fans. Becker und Behrens treffen für die Berliner.

Berlin.  Union Berlin hat sich im letzten Heimspiel des Kalenderjahres mit einem Unentschieden von seinen Fans verabschiedet. Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer kam trotz Überlegenheit gegen den FC Augsburg nicht über ein 2:2 (2:2) hinaus, rückte durch die gleichzeitige Niederlage des SC Freiburg bei RB Leipzig (1:3) dennoch auf Rang zwei der Tabelle hinter Spitzenreiter Bayern München vor.

„Nach diesen 90 Minuten fehlen uns zwei Punkte“, sagte Fischer nach der Partie vor 21.614 Zuschauern in der Alten Försterei, „aber die Mannschaft hat nach dem Spiel in Leverkusen die entsprechende Reaktion gezeigt. Man muss dann auch mal mit einem Punkt zufrieden sein.“

Trainer Fischer hatte seine Startelf im Vergleich zum Spiel bei Bayer Leverkusen am Sonntag auf vier Positionen verändert. Für Timo Baumgartl, Christopher Trimmel, Morten Thorsby und Jordan Siebatcheu spielten Danilho Doekhi, Nico Gießelmann, Paul Seguin und Kevin Behrens von Beginn an.

Union Berlin beginnt mit Vollgas-Fußball

Es war sicher die Frage aller Fragen nach der zweiten Halbzeit in Leverkusen, die aus einem erhofften Punktgewinn ein 0:5-Debakel hat werden lassen: Geht Union im Jahresendspurt der Bundesliga die Luft aus? Nachdem sich der Coach noch am Tag vor der Partie noch sicher gewesen war, dass der Tank noch gefüllt ist, beantwortete die Mannschaft die Frage auf ihre Weise – mit Vollgas-Fußball von Anpfiff an.

Da auch die Augsburger ihren Ruf als unbequemer Gegner offensichtlich gleich untermauern wollten, entwickelte sich ein Duell, das sich keine Pausen gönnte. Allein die erste Viertelstunde präsentierte mehr Spektakel, als es so manches Spiel über die kompletten 90 Minuten zu zeigen vermag.

Sheraldo Beckers 1:0 in der siebten Minute war phänomenal, weil der Union-Stürmer nach langen Pass von Rani Khedira erst Ex-Unioner Rafal Gikiewicz umkurvte – der Torwart war aus seinem Tor geeilt – und es dann bei seinem Torschuss von der rechten Strafraumgrenze aus unmöglichem Winkel möglich machte. Florian Niederlechners Ausgleich nur 80 Sekunden später war gewitzt, weil Ruben Vargas ihm den Ball im Sitzen vorlegte (9.).

Behrens bringt Union Berlin erneut in Führung

Luftholen im Anschluss? Mitnichten. Becker scheitert an Gikiewicz, Gießelmann im Nachschuss (11.). Dann zwang Gießelmann erneut Gikiewicz zu einer Glanztat (14.), ehe der große Auftritt des Kevin Behrens folgte. Den Freistoß, den er mit einem wuchtigen Kopfball zum 2:1 nutze, hatte der Angreifer gegen den Augsburger Maximilian Bauer selbst herausgeholt. Gießelmann hatte den Treffer serviert. Schließlich setzte Janik Haberer einen Kopfball vorbei (25.).

Das „Ganze“, das Trainer Fischer als Grundvoraussetzung ausgemacht hatte, um sich überhaupt Tormöglichkeiten erspielen zu können, es funktionierte. Es war wie so oft die Effektivität, die den Köpenickern fehlte – und prompt bestraft wurde. Ermedin Demirovic hatte sich aus gut 25 Metern ein Herz gefasst und den Ball an die Latte gedroschen. Den Abpraller setzte erneut Niederlechner geistesgegenwärtig mit langem Schritt über Union-Torwart Lennart Grill hinweg zum 2:2 ins Netz.

Union legt nach dem Wechsel furios los

Durchatmen nach der Pause? Nix da. Union legte nach Wiederbeginn erneut furios los. Haberer hatte die nächste Chance (46.), ein Freistoß von Gießelmann klatschte an die Latte (48.), danach wollte Khedira einen Elfmeter und bekam ihn zu Recht nicht. Wenig später verschluderten die Köpenicker eine gute Kontergelegenheit, von Behrens und Becker eingeleitet (50.). Keine fünf Minuten waren in Halbzeit zwei vorbei, und Union dokumentierte, warum die Mannschaft seit zwölf Heimspielen nicht mehr verloren hat.

Erst nach rund einer Stunde wurde es etwas gemächlicher, ohne dass Union seine Dominanz verlor und Augsburg immer unbequem blieb. Behrens setzte einen Kopfball nur an den Pfosten, den Seguin mit seiner Flanke vorbereitet und Becker mit seinem Lauf durch die Augsburger Spielhälfte eingeleitet hatte (67.).

Keine Frage: Union strahlte das Selbstbewusstsein einer Mannschaft aus, die sich über mehrere Wochen an der Tabellenspitze der Bundesliga hatte halten können. Und Augsburg lief mehr und mehr hinterher. Das änderte sich auch nicht, als Unions Fans wegen eines medizinischen Notfalls auf der Haupttribüne für mehrere Minute schwiegen.

Union Berlin vergibt beste Chancen

Eine feine Einzelaktion von Ryerson in der 85. Minute leitete die Schlussoffensive der Berliner ein. Der eingewechselte Genki Haraguchi fand mit seinem Schuss aus dem Hinterhalt in Gikiewicz seinen Meister (86.). In der Nachspielzeit flog eine ungewollte Kombination der eingewechselten Sven Michel und Thorsby noch am Augsburger Tor vorbei.

Die Fans feierten die Mannschaft dennoch lautstark – und mit Transparenten. Auf einem stand „2022: Ein einziger Traum – Danke für alles!“ Dabei kann das Team dieses Jahr mit einem Sieg am Sonntag (17.30 Uhr, DAZN) in Freiburg sogar noch krönen.

Es ist das Duell des Zweiten beim Liga-Dritten. Hätte Unions Trainer jemandem geglaubt, wenn er ihm vor der Saison gesagt hätte, dass es zum Jahresabschluss zu solch einer Konstellation kommen würde? „Vielleicht hätte er mich ein bisschen überzeugen müssen“, sagte Fischer – und grinste dabei.

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