Berlin. Union bezwingt Malmö FF und kann weiter vom Verbleib in der Europa League träumen. Ein Platz in der Conference League ist schon sicher.

Union Berlin wird in Europa überwintern. Dank eines 1:0 (0:0) gegen Malmö FF ist dem Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga Rang drei in der Europa-League-Gruppe D und damit zumindest ein Verbleib in der Conference League nicht mehr zu nehmen. Den entscheidenden Treffer vor 22.012 Zuschauern in der Alten Försterei erzielte Abwehrchef Robin Knoche per Elfmeter in der 89. Minute.

„Das war fast wie eine Erlösung“, sagte Union-Trainer Urs Fischer, „wir hatten schon vorher unsere Möglichkeiten, aber der Ball muss dann auch aufs Tor, wenn du ein Tor erzielen willst.“ Vor allem in der ersten Halbzeit fand der Coach sein Team „noch ein wenig verhalten, da hat mir ein bisschen Schärfe gefehlt, vor allem im Anlaufen. In der zweiten Halbzeit hat es die Mannschaft besser gemacht, den Gegner beherrscht und hochverdient gewonnen.“

Die Partie war als Hochrisikospiel deklariert worden. Nach den Vorkommnissen im Hinspiel am Donnerstag vergangener Woche nachvollziehbar. In Malmö war die Partie nach dem Abfeuern auf das Spielfeld für rund 30 Minuten unterbrochen worden, sie stand sogar vor dem Abbruch. Ein entsprechendes Aufgebot an Sicherheitspersonal sowie verstärkte Einlasskontrollen waren nun die Folge. Dennoch wurde im Block der rund 1150 mitgereisten Malmö-Anhänger immer wieder Pyro gezündet.

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Fans von Union Berlin kritisieren Orban-Besuch

Unions Fan-Block quittierte die Maßnahme, im Gästeblock nur jenen Zugang zu gewähren, die auch ein schwedisches Personaldokument vorweisen können, zur Halbzeit mit einem Transparent: „Gegen Einschränkungen für Gästefans an der Alten Försterei – Gleiches Recht für alle.“ Und auch zum Besuch von Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban in der Alten Försterei am Dienstag hatten Unions Fans eine Meinung: „Damals wie heute: Gegen Staatsbesuche in der Alten Försterei!“ Eine Anspielung auf die DDR-Zeit, in der der Klub Distanz zur Staatsführung gehalten hatte.

Auf dem Rasen neutralisierten sich beide Mannschaften zunächst über weite Strecken. Unions Offensivaktionen vor allem über den schnellen Sheraldo Becker versandeten in Ungenauigkeiten. Malmö wiederum hatte klar mehr den Ball, sah sich wie schon beim ersten Aufeinandertreffen der lauffreudigen Union-Defensive gegenüber.

Erst nach 25 Minuten gab es so etwas wie eine Torchance. Christopher Trimmel zog nach einem geklärten Eckball einfach mal aufs kurze Eck, Malmös Torhüter Ismael Diawara war jedoch zur Stelle. Kurz darauf wollte Jordan Siebatcheu den mitgeeilten Genki Haraguchi in Szene setzen anstatt selbst den Abschluss zu suchen – ohne Gefahr, sehr zum Unmut von Trainer Fischer, der an der Seitenlinie tobte (26.).

Union Berlin spielt zu ungenau nach vorn

Noch ein Siebatcheu-Kopfball (31.) und ein Becker-Schuss (44.), beide zu hoch – das war es dann auch schon mit der Köpenicker Offensiv-Herrlichkeit. Fischer hatte seine Startelf im Vergleich zum Bundesliga-Sieg in Stuttgart (1:0) auf drei Positionen verändert. Für den Rot-gesperrten Andras Schäfer spielte Janik Haberer, auch Kapitän Trimmel (für Niko Gießelmann) und Diogo Leite (für Danilho Doekhi) kehrten zurück.

Doch auch der schwedische Meister machte es nicht besser. Im Gegenteil, lediglich Isaac Kiese Thelin versuchte sich an einem Kopfball. Und scheiterte episch (32.). Nein, Malmö FF blieb erneut den Nachweis schuldig, ein Kandidat für die K.o.-Runde im internationalen Geschäft zu sein. Dabei war schon im Vorfeld klar: Schwedens Rekordmeister (22 Titel) brauchte unbedingt einen Erfolg, um noch eine realistische Chance aufs Weiterkommen zu haben.

Rani Khedira (l.), Mittelfeldspieler von Union Berlin, wird von Sergio Pena von Malmo FF entscheidend gestört.
Rani Khedira (l.), Mittelfeldspieler von Union Berlin, wird von Sergio Pena von Malmo FF entscheidend gestört. © Getty Images | Maja Hitij

Wer auf eine Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel gehofft hatte, der wurde enttäuscht. Union blieb in vielen Aktion zu kompliziert. Haraguchi, Siebatcheu und Becker lieferten in der 53. Minute ein Paradebeispiel dafür ab, wie man eine gute Chance zunichtemachen kann. Und als dann plötzlich Becker doch einmal durch war, und den Ball an Diawara vorbei ins Tor schoss und die Alte Försterei endlich einen Grund zum Jubeln zu haben schien, wurde der Treffer nicht anerkannt. Völlig zu Recht, stand Becker doch beim Zuspiel von Siebatcheu einige Meter im Abseits.

Abwehrchef Knoche erlöst Union Berlin

Doch die Szene war offensichtlich der Weckruf für Union. Rani Khedira traf aus der Distanz nur den Außenpfosten (64.). Kurz darauf verpasste zunächst Haraguchi eine Hereingabe von Becker, dann fand Siebatcheu in Diawara seinen Meister (66.).

Aufregung gab es in der 70 Minute, als Schiedsrichter Aleksandar Stavrev (Mazedonien) erst auf Strafstoß für Union entschied, diesen nach Videostudium jedoch wieder zurücknahm, weil der eingewechselte Morten Thorsby Malmös Martin Olsson gefoult hatte – und nicht umgekehrt. Unions Co-Trainer regte sich darüber derart auf, dass er die Gelbe Karte sah.

Malmö spielte anschließend auf Zeit. Und wurde durch Knoche dafür bestraft, nachdem der eingewechselte Kevin Behrens von Felix Beijmo im Strafraum am Trikot gehalten worden war. „Dieses Mal habe ich die Verantwortung übernommen, weil es einfach gepasst hat. Ich habe mich ganz okay gefühlt im Spiel, deshalb wollte ich ihn auch gern übernehmen“, sagte Knoche. Malmös Emmanuel Lomotey sah in der Nachspielzeit noch Rot.

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