Ich will Sie jetzt ganz bestimmt nicht langweilen. Viel mehr möchte ich Sie um Verständnis bitten. Denn was vor der Erfindung der Mediatheken im öffentlich-rechtlichen Fernsehen offensichtlich unumgänglich war, begleitet auch uns als Sport-Journalisten mit stoischer Selbstverständlichkeit: die Wiederholung.

Und sie werden es wieder tun. Weil sie es in den vergangenen Jahren immer getan haben. Weil es ihnen entspricht. Und weil sie damit auch Erfolg hatten. Der 1. FC Union wird dieses eine Wort nennen, wenn es um den Ausblick auf die kommende Saison in der Fußball-Bundesliga geht. Man muss kein Murmeltier sein, um zu wissen, dass dieses Wort mit einem „K“ beginnt und mit „lassenerhalt“ aufhört.

Das wäre auch wieder sinnvoll, hat Christopher Trimmel gesagt. Und der ist schließlich seit Jahren Kapitän dieser Mannschaft und sollte genau wissen, was richtig ist. Dass man an der Alten Försterei mit dem erneuten Erreichen des Europapokals die Latte selbst hochgelegt hat, weiß er aber auch.

Um aus dieser Zwickmühle herauszukommen, sollte man über die Fähigkeit verfügen, Abschiede nicht nur zu feiern, sondern sie zu zelebrieren. Von wegen „Sag beim Abschied leise Servus“ – sag laut Hallo, brüll’ die neue Zeitrechnung heraus und gehe sie mit Elan und Freude an. Union hat in den vergangenen Jahren mehrmals vorgemacht, wie so etwas geht.

Gerade mal drei Jahre ist es her, als man in Köpenick, ja eigentlich Berlin-weit den Aufstieg in die Bundesliga gefeiert hat. Lauter hätte die Begrüßung der neuen Welt und der Abschied aus der Zweiten Liga nicht sein können. Und nur so nebenbei: Wie oft denkt man eigentlich noch an die Zweitklassigkeit, wenn man über Union spricht? Gefühlt ist sie endgültig verabschiedet.

Wie wurde der erstmalige Klassenerhalt gefeiert? Richtig: laut, wenn auch durch die Corona-Pandemie noch begrenzt. Es war der Abschied vom Fahrstuhlklub, den viele in Union sahen. Der Sprung in die Europa Conference League vor einem Jahr? Lauter hätte der Abschied von der Europa-losen Zeit der Berliner nicht sein können. Dass das internationale Geschäft seinerzeit mit der letzten Aktion der gesamten Spielzeit erreicht wurde, hat die Freude bei Union nur noch mehr gesteigert – trotz immer noch herrschender Corona-Abstandsregeln.

Was sich nun an der Alten Försterei abspielen wird, wenn Union sich von der dritten Liga des internationalen Geschäfts – dies ist bitte mit allem Respekt vor diesem immer noch neuen Wettbewerb zu verstehen – verabschiedet und sich in die Europa League aufmacht, dürfte dann auch klar sein. Die Stolperfallen auf dem Parkplatz vor dem Stadion werden seit Tagen entschärft, der eine oder andere Bierstand hat seinen Platz schon gefunden – und es gibt einen Grund, warum man beim Bau der Haupttribüne mittig einen riesigen Balkon eingeplant hatte. Eben für solche Abschiede, die ein neues Kapitel für den Verein aufschlagen.

Und so ganz nebenbei nimmt Union von etwas Abschied, womit sie sich in Köpenick immer so gern identifiziert haben: vom Image des Außenseiters, des Underdogs, des Davids oder wie immer man jene nennt, die sich „in scheinbar aussichtslosen Kämpfen“ sehen, wie das Intro der Union-Hymne von Nina Hagen erzählt.

Wichtig sei nur, was wir intern glauben. Auch das hat Christopher Trimmel gesagt. An dieser Stelle seien ein paar Fakten erlaubt. Da die Mannschaft, die in dieser Saison Relegationsplatz 16 erreicht, nicht mehr als 33 Punkte haben wird, hatte Union den Klassenerhalt bereits frühzeitig erreicht. Am 22. Januar, nach einem 2:1 bei Borussia Mönchengladbach, am 20. Spieltag, mit damals 34 Punkten. Und falls sie es genau wissen wollen: Union hat in den drei Jahren den Abstand auf die großen Bayern stetig verringert, von 41 über 28 auf nun maximal 25 Punkte. Allein diese Entwicklung zeigt doch, wie wenig langweilig es sein kann, ein Saisonziel ständig zu wiederholen.