Conference League

Luthe patzt – Union verliert unglücklich gegen Rotterdam

| Lesedauer: 6 Minuten
Michael Färber
Sheraldo Becker, Angreifer von Union Berlin, scheitert an Feyenoord-Torhüter Justin Bijlow.

Sheraldo Becker, Angreifer von Union Berlin, scheitert an Feyenoord-Torhüter Justin Bijlow.

Foto: Andreas Gora / dpa

Union muss im vierten Spiel der Conference League ein 1:2 gegen Feyenoord Rotterdam hinnehmen. Platzverweise für Trimmel und Teuchert.

Berlin. Für Union Berlin wird das Weiterkommen in der Europa Conference League immer schwerer. Zwei Wochen nach dem 1:3 bei Feyenoord Rotterdam unterlag der Berliner Fußball-Bundesligist auch im Rückspiel den Niederländern. Vor 30.000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion gab es ein unglückliches 1:2 (1:1). Union bleibt dadurch in der Gruppe E mit drei punkten Letzter. Rotterdam bleibt Spitzenreiter vor Sparta Prag, das 1:0 gegen Maccabi Haifa gewann.

„Über 90 Minuten gesehen war es eine unnötige Niederlage“, sagte Union-Trainer Urs Fischer, „wir haben genug Möglichkeiten gehabt, um in Führung zu gehen, auch nach dem Rückstand. Das haben wir nicht geschafft. Am Schluss war es ein Fehler zu viel, dazu zwei Unbeherrschtheiten – dann war das Spiel praktisch gelaufen. Das müssen wir so akzeptieren.“

Feyenoord-Fans zünden massiv Pyrotechnik

Nachdem vor allem die Anhänger von Feyenoord die Berliner Polizei bereits im Vorfeld der Partie in Atem gehalten hatten, gaben die rund 5200 Gäste-Fans auch im Stadion ihre unsägliche Visitenkarte ab. Beim Einlauf der Mannschaften zündeten sie massiv Pyrotechnik, legten das Olympiastadion komplett in eine Rauchwolke und warfen die noch brennenden Fackeln sogar in den Innenraum. Der gleiche Irrsinn wiederholte sich kurz nach dem Anpfiff durch den polnischen Schiedsrichter Daniel Stefanski.

Auf dem durch den anhalten Regen am Donnerstag völlig aufgeweichten Rasen – sogar der Einsatz von Wasserwalzen war notwendig, um den Platz spielfähig zu machen – wollte Union anknüpfen an die zweite Halbzeit der Bundesliga-Partie gegen Bayern München. Trainer Urs Fischer hatte dafür seine Elf auf vier Positionen verändert.

Marvin Friedrich kehrte nach überstandener Coronavirus-Infektion wie erwartet in die Dreier-Abwehrkette zurück, Tymoteusz Puchacz übernahm die linke Außenbahn, Levin Öztunali agierte im Mittelfeld und Kevin Behrens im Angriff. Timo Baumgartl, Niko Gießelmann, Grischa Prömel und Taiwo Awoniyi mussten dafür zunächst auf die Bank.

Union Berlin braucht eine Weile, um ins Spiel zu kommen

Doch die Köpenicker brauchten gut eine Viertelstunde, bis sie bei den widrigen Bedingungen ins Spiel fanden. Anders Feyenoord: Vom Anpfiff weg zeigten sie die reifere Spielanlage und brachten Union durch schnelle Kombinationen – so weit diese auf dem tiefen Untergrund überhaupt möglich waren – in Verlegenheit.

Union-Coach Fischer hatte seiner Mannschaft außerdem mit auf den Weg gegeben, die Chancen besser zu nutzen. „Wer weiß, wie viele du gegen Feyenoord bekommst“, sagte der Schweizer. Tatsächlich bot sich Becker nach nur sechs Minuten die erste gute Möglichkeit, doch der Niederländer in Reihen der Berliner konnte Rotterdams Torhüter Justin Bijlow nicht überwinden. Überhaupt versuchte Union gerade in der Anfangsphase, mit langen Bällen auf den schnellen Becker für Entlastung zu sorgen. Doch zu oft blieb das Spielgerät in den Reihen der Gäste hängen.

Der Rückstand, den Union nach einer Viertelstunde hinnehmen musste, war fast folgerichtig. Ohne große Gegenwehr konnte sich Feyenoord am Union-Strafraum in Stellung bringen. Der Schuss von Bryan Linssen knallte noch gegen den Pfosten, doch beim Abpraller schaltete Luis Sinisterra am schnellsten und ließ Union-Torwart Andreas Luthe beim 0:1 keine Chance.

Rückstand ist der Weckruf für Union Berlin

Dies schien genau der Weckruf gewesen zu sein, den Union brauchte. Das Fischer-Team übernahm mehr und mehr das Geschehen auf dem Platz und drängte Rotterdam immer dichter vor das eigene Tor. Mit Herz und Leidenschaft, so wie sie es auch schon in der zweiten Hälfte gegen die Bayern getan hatten. Und sie kamen zu weiteren Chancen. Puchacz gab nach 20 Minuten einen ersten Warnschuss ab. Wenig später erkämpfte sich der erneut unermüdliche Genki Haraguchi den Ball. Zusammen mit Becker machte sich der Japaner auf den Weg zum gegnerischen Tor, doch auch sein Schuss von der Strafraumgrenze war noch zu harmlos (29.).

Union drängte auf den Ausgleich – und wurde kurz vor der Pause belohnt, als den Rotterdamern nicht gelang, den Ball vom eigenen Tor wegzubekommen. Puchacz wollte gerade zum Schuss ansetzen, als ihm der Ball versprang. Dafür stand Christopher Trimmel goldrichtig. Mit rechts setzte der Kapitän zu einem Schlenzer an, der in weitem Bogen am fliegenden Torwart Bijlow vorbei und oben rechts im Tor einschlug. Welch ein herrlicher Treffer in der 43. Minute durch den Kapitän der Berliner.

Es war ein Tor, das Union beflügelte. Denn anders als zu Spielbeginn, waren die Köpenicker nach Wiederbeginn sofort da. Was Puchacz freilich nicht davon abhielt, gleich für einen Schreckmoment zu sorgen. Der Pole spielte den Ball am eigenen Strafraum direkt dem Rotterdamer Linssen in den Lauf. Torwart Luthe musste alles riskieren – und bewahrte Union vor einem erneuten Rückstand (57.).

Union Berlin schlägt sich selbst

Union wollte mehr, Fischer brachte nach knapp einer Stunde mit Awoniyi für Becker eine frische Offensivkraft. Und in der 71. Minute hatte der Nigerianer zusammen mit Behrens die große Chance zur Führung, doch das Duo spielte einen konter schlampig zu Ende.

Eine Minute später nahm das Unheil für Union seinen Lauf. Nach einem nicht weniger schlampigen Rückpass von Puchacz auf Luthe rutschte der Union-Keeper vor seinem Tor weg, Feyenoords Cyriel Dresser war zur Stelle und schob zum 1:2 ein (72.). „Das war sicher glücklich, aber wenn man so wie wir Pressing spielt, kann man das Glück auch haben“, sagte Feyenoord-Trainer Arne Slot.

Zu allem Überfluss sahen Trimmel in der Schlussphase auch noch Gelb-Rot wegen Ballwegschlagens (87.) sowie der eingewechselte Cedric Teuchert Rot wegen Nachtretens (89.).

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