Nach sechs Spielen in Folge ohne Niederlage musste der 1. FC Union den Platz mal wieder als Verlierer verlassen. Bei RB Leipzig setzte es zum Abschluss der Hinrunde ein 0:1 (0:0), doch die Berliner hielten auch gegen den Meisterschaftsanwärter lange mit.

"Auch heute ist die Mannschaft im Rahmen ihrer Möglichkeiten ans Limit gegangen. Was gefehlt hat, war ein Tor. Aber es war vor allem eine defensiv engagierte Leistung", sagte Unions Manager Oliver Ruhnert.

Vor dem letzten Spiel der Hinrunde hatte Union-Trainer Fischer noch einmal auf die Stärken seiner Mannschaft hingewiesen, die die Köpenicker so unbeschadet durch die Wochen mit den Spielen gegen die Schwergewichte der Liga haben kommen lassen. „Unsere Organisation hilft uns. Und du brauchst Mut, nach vorn zu spielen. Nur verteidigen wird dir nicht helfen“, sagte der Coach.

Union-Trainer Urs Fischer vertraute einer 5-3-2-Formation

Dass es am Mittwochabend natürlich ebenfalls zunächst darum ging, die Leipziger vom eigenen Tor fernzuhalten, versteht sich von selbst. Fischer vertraute wie schon vergangenen Sonnabend gegen Bayer Leverkusen (1:0) einer 5-3-2-Formation. Ein wenig überraschend war, dass Florian Hübner wieder in der Startelf stand. Der Verteidiger hatte sich am Montag im Training verletzt und musste in der Charité untersucht werden. Der Verdacht eines Fußbruchs hatte sich demnach jedoch nicht bestätigt.

Zudem haben die Vorwürfe, den Leverkusener Nadiem Amiri rassistisch beleidigt zu haben, ebenfalls keine Spuren bei dem Defensivmann hinterlassen. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) untersucht die Vorwürfe gegen Hübner und den in Leipzig ebenfalls beginnenden Cedric Teuchert (für Sheraldo Becker). Das Gremium hat beide Profis zu Stellungnahmen aufgefordert. Union hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. „Die Ermittlungen sind komplex und dauern noch an, zumal es teils unterschiedliche Sachverhalts-Darstellungen gibt“, teilte der DFB am Mittwoch mit.

Neben Teuchert kehrte Sebastian Griesbeck (für Grischa Prömel) in die Startelf zurück, zudem ersetzte Julian Ryerson auf der rechten Abwehrseite Kapitän Christopher Trimmel. „Trimmel bekommt mal eine Pause, Ryerson hat es im Training sehr gut gemacht und bekommt heute eine Chance“, begründete Fischer. Innenverteidiger Marvin Friedrich übernahm die Kapitänsbinde.

Union zeigt gegen Leipzig Mut

Und Union zeigte jenen Mut, von dem der Trainer vor der Partie gesprochen hatte. Schon nach acht Minuten ging Teuchert allein auf RB-Torwart Peter Gulasci zu, ehe er von Schiedsrichter Markus Schmidt (Stuttgart) wegen Abseitsstellung zurückgepfiffen wurde. Wenn Union den Ball eroberte, ging es meist geradlinig in Richtung gegnerisches Tor. Marcus Ingvartsen bot sich dadurch eine weitere gute Chance (14.).

Union, von RB-Trainer Julian Nagelsmann zuvor für das engmaschige Abwehrnetz gelobt, das die Berliner offensivstarken Teams wie Leipzig entgegenzusetzen haben, gelang es, den Favoriten vom eigenen Tor fernzuhalten. Doch mit zunehmender Spieldauer erhöhte die Nagelsmann-Elf die Schlagzahl und setzte Union am eigenen Strafraum fest.

Die einzige wirklich nennenswerte Chance für den Champions-League-Teilnehmer gab es in der 37. Minute nach einem Konter über Alexander Sörloth. Der norwegische Stürmer legte nach rechts auf den völlig freistehenden Christopher Nkunku – eine Unebenheit auf dem Spielfeld half mit, dass der Schuss des Angreifers sich eher auf den Weg in eine erdnahe Umlaufbahn machte als an Union-Torwart Andras Luthe vorbei ins Tor.

Keine Frage, Union konnte zufrieden sein mit dem Auftritt beim Meisterschaftsanwärter, der sich auch nach dem Seitenwechsel schwer tat. Lukas Klostermann versuchte es nach einem Nkunku-Freistoß, mehr als ein harmloser Kopfball-Wischer sprang jedoch nicht heraus.

Nach knapp einer Stunde brachte Union-Coach Fischer mit Marius Bülter (für Awoniyi) und Leon Dajaku (für Teuchert) frische Angreifer. Dajaku, erst am Sonnabend vom deutschen Rekordmeister FC Bayern ausgeliehen, gab sein Union-Debüt.

Beim 0:1 war der Union-Keeper machtlos

Doch die Konsequenz, mit der Union so lange gut verteidigt hatte, schwand. Gegen Nkunku konnte Luthe den Rückstand noch verhindern (64.), beim 0:1 gegen den eingewechselten Emil Forsberg war der Union-Keeper jedoch machtlos. Friedrich und Hübner hatten den Ball zuvor nicht aus der Gefahrenzone bringen können.

Fischer reagierte, bescherte Mittelfeldspieler Christian Gentner mit einem Comeback nach wochenlanger Pause (Wadenverletzung), löste die Fünferkette in der Abwehr auf - nein, Union wollte sich mit der dritten Saisonniederlage nicht abfinden. Ingvartsen versuchte es nochmals aus der Distanz (85.). Vergeblich. Luthe verhinderte gegen Klostermann sogar eine höhere Niederlage (87.).