Union Berlin

Union Berlin setzt auf den Überraschungseffekt

Trainer Urs Fischer lässt sich vor Union Berlins Duell mit Krisenklub Schalke nicht in die personellen Karten gucken.

Marius Bülter (l.) zählt zu den taktischen Geheimwaffen von Union Berlin. Der Außenspieler kann sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite stürmen.

Marius Bülter (l.) zählt zu den taktischen Geheimwaffen von Union Berlin. Der Außenspieler kann sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite stürmen.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Urs Fischer wäre ein guter Pokerspieler. Der Schweizer lässt sich rein gar nicht in die Karten gucken. Zumindest was seine personelle Planung vor dem Duell seines 1. FC Union gegen den FC Schalke 04 am Sonntag (18 Uhr, Sky) angeht. Ob der Trainer auch am richtigen Pokertisch eine gute Figur macht, ist nicht überliefert. Aber bei der Frage, wer im Ruhrgebiet das Union-Tor hüten wird, setzt der 54-Jährige ein Pokerface par excellence auf.

„Natürlich habe ich mich entschieden und habe es auch bereits kommuniziert“, sagt Fischer. Mehr nicht. Ob Union mit Loris Karius schon am vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga eine neue Nummer eins bekommt oder Andreas Luthe wie in den ersten drei Saisonpartien zwischen den Pfosten steht, wird also bis kurz vor Anpfiff der Partie am Sonntagabend eines der best gehüteten Geheimnisse in Köpenick sein.

Transfersommer bringt Union Berlin mehr Variabilität

Fischer setzt auf den Überraschungseffekt. Dass die Berliner in ihrem zweiten Bundesliga-Jahr diesen Luxus haben, kommt nicht von ungefähr. Kaderplaner Oliver Ruhnert hat namhafte Profis zu Union gelotst – dank der Corona-Krise. „Ich weiß nicht, ob Spieler wie Joel Pohjanpalo oder Loris Karius oder Max Kruse für uns ein Thema gewesen wären, wenn es Corona nicht gegeben hätte“, hatte der Geschäftsführer Profifußball vergangene Woche der „Welt“ erzählt.

Die Pandemie brachte einen Großteil der Klubs in wirtschaftliche Bedrängnis, finanzielle Entlastung war nötig. Die Berliner profitierten, setzten auf Leihgeschäfte, bei denen der Arbeitgeber einen Großteil des Lohns weiterzahlt. Ein gutes Modell. Für Union und für Fischer, der so einen ansprechenden Kader zur Verfügung hat, bei dem „die Mischung passt“, wie der Coach sagt.

Nicht nur im Tor, auch bei der restlichen Besetzung der Startformation dürften sie auf Schalke noch rätseln. „Das ist das Schöne“, sagt Fischer. „Auf der einen Seite hast du Geschwindigkeit, hast du Spieler, die versuchen eins gegen eins zu gehen, hast Spieler, die immer wieder die Tiefe attackieren und Spieler, die es lieber haben, wenn du ihnen in den Fuß spielst. Variation ist möglich.“ Ob bei der Besetzung der Außenbahnen mit Marius Bülter, Marcus Ingvartsen, Keita Endo und Sheraldo Becker oder beim taktischen Einsatz von Max Kruse als einzige Sturmspitze eher als Bindeglied zwischen offensiven Mittelfeldspielern und Angreifern.

Union Berlins Trainer Fischer muss Verteidigung umbauen

„Offensiv haben wir viel mehr Möglichkeiten“, sagt Linksaußen Bülter, der in der vergangenen Saison Kilometer um Kilometer an der Seitenlinie abriss und sich jetzt mitten im Konkurrenzkampf befindet. „Auch nicht so schlecht, dann kann man auch mal ein Spiel Pause bekommen“, sagt der 27-Jährige. „Konkurrenz pusht, um jede Woche Höchstleistung zu bringen.“

Auch in der Innenverteidigung muss eine neue Besetzung her. Nico Schlotterbeck fällt mit einer Oberschenkelverletzung aus, Florian Hübner dürfte einspringen, wenn Fischer nicht von Dreier- auf Viererkette umbaut. In der defensiven Schaltzentrale im Mittelfeld könnte Christian Genter wieder das Zepter übernehmen. Der 35 Jahre alte Routinier ist nach einer Blessur an der Wade zurück und konnte in dieser Woche komplett mit der Mannschaft trainieren.

Personell sind die Aussichten für das Duell mit dem krisengebeutelten Revierklub um Ex-Unioner Steven Skrzybski also durchaus rosig. Und auch sportlich sollte auf Schalke einiges drin sein für Union. Die „Knappen“ haben mittlerweile eine miserable Serie von 19 Spielen ohne Sieg vorzuweisen. Mit Manuel Baum kam Ende September der neue Hoffnungsträger an der Seitenlinie.

Union Berlin beschäftigt sich nicht mit dem Gegner

„Das wird ein unfassbar schweres Spiel“, weiß Unions Bülter, „weil sie gerade ihren Trainer gewechselt haben und jetzt die Länderspielpause hatten, um sich einzugewöhnen.“ Zudem musste Baum nur vier Nationalspieler abstellen, hatte zwei Wochen Zeit, um intensiv mit seinem neuen Team zu arbeiten. Das Spiel gegen Union wäre also ein guter Zeitpunkt für Schalke, um den Negativtrend endlich abzuwenden.

Deshalb richtet Trainer Fischer den Blick lieber auf die eigene Mannschaft, die eigene Leistung. Und hält sich nicht damit auf, zu munkeln, wie sich der angeschlagene Krisenklub aus Gelsenkirchen präsentiert. „Es ist wichtig, dass wir auf uns schauen und nicht zu viel darüber sprechen oder studieren, wie der Gegner auftritt“, sagt der Coach. „Wir wissen in etwa, wie sie gedenken zu spielen. Entscheidend für mich ist, dass wir wissen, wie wir uns präsentieren.“ Da will Fischer auf Schalke keine böse Überraschung erleben.

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