1. FC Union Berlin

1. FC Union Berlin: Der Stil der anderen

Gegen Mainz zeigt der 1. FC Union Berlin erstmals in der Bundesliga, dass der angestrebte Wandel der Spielweise Erfolg bringen kann.

Komm her, mein Freund: Max Kruse (2.v.r) wird Grischa Prömel (M.) zum ersten Treffer für Union beglückwünscht.

Komm her, mein Freund: Max Kruse (2.v.r) wird Grischa Prömel (M.) zum ersten Treffer für Union beglückwünscht.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Das Spektakel vor dem Tor des Gegners war bislang nicht das Metier des 1. FC Union. Mit Herz und eisernem Fuß agierend, so kennt man die Berliner, mit Leidenschaft und Kampf als Vorliebe. Ehrlicher Arbeiterfußball, das passte immer ganz schön zum Auftreten der Köpenicker, die ja eben genau aus dieser Kultur erwachsen sind. Die vor vielen, vielen Jahren mal angefangen haben als der Klub der Schlosserjungs in Oberschöneweide.

Inzwischen spielen sie in der Bundesliga, im zweiten Jahr in Folge schon. Das lässt nicht nicht nur die Ansprüche andere werden, sondern führt auch fußballerisch zur einen oder anderen Anpassung. Auf einmal bietet Union nun vor dem Tor so viel Amüsement wie selbst in besten Zweitligajahren kaum. Mit dem 4:0 am Freitag gegen den 1. FSV Mainz 05 gelang dem Team von Trainer Urs Fischer nicht nur der ersten Sieg im dritten Ligaspiel, sondern auch der höchste Erfolg seit der Bundesliga-Zugehörigkeit.

Kruse und Pohjanpalo machen Unions Offensivspiel facettenreicher

Darüber hat sich Fischer natürlich gefreut, ebenso über die jetzt vier Punkte auf dem Konto. „Wir haben noch angestoßen darauf“, sagt der Coach. Die ersten Fragen nach der qualitativen Positionierung des Union-Kaders im Vergleich zum Vorjahr aber kamen dem Schweizer allerdings etwas zu früh. Die Entwicklung des Union-Spiels wurde jedoch deutlich gegen die Rheinhessen. Vor allem zwei Zugänge machen den Angriff der Köpenicker facettenreicher – und damit auch gefährlicher: Max Kruse und Joel Pohjanpalo.

Der eine, Kruse, ist schon länger da, konnte aber erst gegen Mainz zum ersten Mal von Beginn an eingesetzt werden. Er traf gleich zum 1:0 (13.), hatte sogar noch eine große Chance zum 2:0. „Für das zweite Tor war ich noch ein bisschen zu langsam, da muss ich noch an mir arbeiten in den nächsten Wochen“, sagt Kruse, der nach einer langen Verletzungszeit immer besser in Fahrt kommt. Und dabei genau die Vorstellungen wahr werden lässt, die die Berliner bei seiner Verpflichtung hatten. „Bei Max hat man die Qualität gesehen, die uns helfen kann, sei es in der Vorwärtsbewegung oder um auch mal das Tempo aus dem Spiel zu nehmen, auch den Takt ein bisschen anzugeben“, so der Trainer.

Trainer Fischer spürt die Überzeugung im Spiel von Union

Kruse, der nach gut einer Stunde ausgewechselt wurde, bringt Esprit in den Angriff, Instinkt, Flexibilität. Fischer hatte ihn als Sturmspitze aufgeboten, obwohl er ihn am besten noch eine Position dahinter aufgehoben sieht. „Aber er kann auch das“, sagt Fischer, dem insgesamt gefiel, wie sein Team mehr und mehr die neuen Ansätze verinnerlicht. Biederen Defensivfußball mit starren Strukturen wollen die Köpenicker nicht mehr abliefern. Ein Mann mit der Finesse und Reputation von Kruse hilft dabei, diese neue Intention von kreativem Vorwärtsfußball in der Mannschaft zu verankern. „Auch unsere beiden zentralen Mittelfeldspieler haben immer wieder gute Entscheidungen getroffen“, lobt Fischer Grischa Prömel und Robert Andrich, die dem Team ein gutes Gleichgewicht gegeben haben.

Für den Trainer war es wichtig zu spüren, dass seine Mannschaft sich in ihrer neuen Ausrichtung wohlfühlt. Das tat sie gegen Mainz ganz offensichtlich. „Wir hatten in unseren Aktionen die Überzeugung, wir waren bereit“, so der Schweizer. Das Selbstbewusstsein dafür holten sich die Berliner aber nicht nur durch die weiteren Treffer von Marcus Ingvartsen (49) und Marvin Friedrich (63.), sondern bereits eine Woche zuvor beim 1:1 in Mönchengladbach. „Ich glaube, wir haben letzte Woche schon gezeigt, dass wir fußballerisch auch in der Lage sind, mitzuspielen gegen große Gegner. Das hat uns natürlich ein bisschen Auftrieb gegeben“, sagt Kruse. Es hat die von Fischer angesprochene Überzeugung verfestigt, sich auch in Drucksituationen zuzutrauen, eine spielerische Lösung zu finden.

Union lässt mit neuer Sturmbesetzung auf weitere Spektakel hoffen

Der andere Sturm-Zugang, der erst zwei Tage vor dem Spiel gegen Mainz verpflichtet wurde, soll helfen, das neue Köpenicker Konzept dauerhaft zu etablieren. Pohjanpalo kam für Kruse ins Spiel, eine halbe Minute brauchte er nur, um das 4:0 (64.) zu erzielen. Aber nicht nur das freute den Coach, sondern wie sich der Finne allgemein präsentiert hat. „Er ist unermüdlich, eine Anspielstation, geht in jeden Zweikampf, weiß wohin er muss im Strafraum, dort entwickelt er Gefahr“, gibt sich Fischer begeistert.

Ebenso davon, dass seine Ideen mit Kruse und Pohjanpalo so gut aufgehen. „Mit den Stürmern, die wir jetzt zur Verfügung haben, ändert sich auch ein bisschen die Spielweise“, konstatiert der Trainer vor der Länderspielpause, in der er nun Automatismen verfeinern will. Ein wenig könnte es aber noch dauern, bis das gelingt, denn der neue Finne verbringt die Pause bei seinem Nationalteam und verpasst damit auch den Test am Donnerstag gegen den Zweitligisten Hannover. Dennoch: Die langen Bälle auf Sebastian Andersson, der nach Köln gewechselt ist, als einstiges Köpenicker Allheilmittel in der Offensive sind nur noch Teil des Repertoires. Zumindest ist das die Perspektive, die die Partie gegen Mainz eröffnet hat. Und die auf weitere Spektakel hoffen lässt.

Noch mehr zum 1. FC Union Berlin finden Sie hier.