Bundesliga

Union ist schon jetzt auf Kruse angewiesen

Max Kruse debütiert gegen Augsburg im Union-Trikot – und der Stürmer zeigt auf Anhieb, warum er für den Bundesligisten so wichtig ist.

Max Kruse absolviert gegen Augsburg seine ersten Minuten im Trikot von Union Berlin.

Max Kruse absolviert gegen Augsburg seine ersten Minuten im Trikot von Union Berlin.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Ein Fußballspiel, egal ob Sieg oder Niederlage, an zwei Protagonisten festzumachen, ist sicher immer schwierig. Doch es gibt diese Partien, in denen deutlich wird, wie wichtig der eine oder andere Akteur tatsächlich für eine Mannschaft ist. Der Auftakt des 1. FC Union im zweiten Bundesliga-Jahr, dieses 1:3 gegen den FC Augsburg, zählt ohne Zweifel zu jenen Spielen.

Es kommt einem Hallo-wach-Effekt gleich, den die Profis auf dem Platz und auch die rund 5000 Zuschauer und Beteiligten des Spiels in der Alten Försterei erleben durften. Denn es ist immer noch mal etwas anderes, wenn man ständig hört und liest, dass Christian Gentner und Max Kruse enorm wichtig sind für die Mannschaft von Trainer Urs Fischer – oder wenn man vor Augen geführt bekommt, wie sehr das Fehlen des einen und das Auftauchen des anderen Einfluss auf die Leistung nehmen.

Kruse wird noch wichtiger für Union Berlin

Das macht sich in einem Kader wie dem von Union, der nicht unbedingt vor Spielern mit enormer Bundesliga-Erfahrung strotzt, besonders bemerkbar. Folglich wurde Trainer Fischer am Sonntag auch gleich mit Gentners Gesundheitszustand konfrontiert. „Er wird morgen untersucht“, verwies Fischer auf den Montag.

Vermutet wird eine Wadenproblematik, die sich der Mittelfeldspieler ohne Fremdeinwirkung zugezogen hatte. Ohne Unions Mr. Bundesliga (409 Einsätze) fehlte dem Team der Halt in den Aktionen, die Ruhe in den Entscheidungen. „Speziell bei Christian wissen wir, wie wichtig er ist, nicht nur auf dem Feld, sondern auch neben dem Platz“, sagte Fischer.

Gentner war das mittlere Element einer Achse, die in der Abwehr bei Robin Knoche beginnt und vorn bei Kruse aufhören soll. Angesichts seines Fehlens in den nächsten Spielen wird deutlich, wie wichtig es für Union ist, dass Kruse seine hundertprozentige Form findet.

Union Berlin will Kruse nicht zu früh zu stark belasten

„Ich glaube nicht, dass ich bei hundert Prozent bin“, sagte Kruse dem TV-Sender Sky: „Ich glaube, das war nach sechs Monaten auch nicht zu erwarten, wenn man erst ein, zwei Wochen im Teamtraining war.“ Die Nachwirkungen seiner Sprunggelenkverletzung ließen noch nicht mehr zu. Dennoch sieht er sich, was den Genesungsprozess angeht, „auf einem guten Weg, ich habe keine Schmerzen mehr und versuche, der Mannschaft so schnell wie möglich helfen zu können.“

Rund 20 Minuten durfte Kruse gegen Augsburg im Union-Trikot mit der Nummer 10 debütieren. „20 Minuten waren abgesprochen“, bestätigte Fischer, der betonte: „Wir versuchen, Spieler nicht zu früh zu stark zu belasten, sondern nach ihrem aktuellen Fitnessstand.“

Für den Coach sei es nur logisch gewesen, Kruse in der 71. Minute einzuwechseln. „Wenn er nicht soweit für 20 Minuten gewesen wäre, hätten wir es nicht gemacht. Aber er konnte in den vergangenen zwei Wochen mittrainieren, und dann ist es logisch, dass wir ihn auch aufstellen. Man hat gesehen, dass es für 20 Minuten reicht und er Impulse setzen konnte.“

Kruse verändert die Statik bei Union Berlin

Mehr noch als das: Kruse gehört zu jener Kategorie Fußballer, durch die sich die Statik des gesamten Spiels verändert. Von solchen Akteuren hatte Union in der Vergangenheit nicht allzu viele. Torsten Mattuschka, langjähriger Union-Kapitän und Vereinsikone, fällt einem da ein. Auch Sebastian Polter, dessen Präsenz auf dem Platz zu Zweitliga-Zeiten Union schon helfen konnte.

Ähnlich verhält es sich auch nun mit Kruse. Plötzlich war der Glaube wieder da, doch noch etwas holen zu können gegen alles andere als übermächtige Augsburger. Allein schon, dass sich der Gegner natürlich auf ihn fokussiert, gibt den Mitspielern Raum für eigene Aktionen. So geschehen beim 1:1 durch Marius Bülter, als sich nahezu alle Aufmerksamkeit im Augsburger Strafraum auf Kruse richtete – und der Torschütze hinter ihm einfach vergessen wurde.

Eine Szene, nach der auch Trainer Fischer erkannt hatte: „Es sah wirklich so aus, als ob noch mal ein Ruck durch die Mannschaft geht.“ Tatsächlich zog Union das Tempo noch einmal an, zeigte sich konsequenter in Zweikämpfen, wurde mutiger – drei wichtige Elemente, die nie fehlen dürfen, will Union auch im zweiten Jahr relativ sorglos das Ziel Klassenerhalt erreichen.

Union Berlin erwartet Kruse im Oktober bei hundert Prozent

Klar ist: Union wird seinem Königstransfer weiter die Zeit geben, die er benötigt. Auch wenn diese Zeit schon länger ist, als man sich erhofft hatte. „Die Diagnose war am Anfang sechs Wochen – wenn es dann sechs Monate dauert, kann die Diagnose nicht ganz richtig gewesen sein“, ließ Kruse wissen. Er wolle deshalb „niemanden anscheißen“, sich aber dazu noch detailliert äußern.

In Köpenick hat man einen klaren Plan, wann der 32-Jährige im Vollbesitz seiner Kräfte sein soll, wie Manager Oliver Ruhnert verriet: „Spätestens nach dem dritten Spieltag muss er fit sein.“ Soll heißen: zum Spiel bei Schalke 04 am 18. Oktober.

Um schon jetzt in der Offensive für mehr Schwung zu sorgen, hat Union Taiwo Awoniyi vom FC Liverpool ausgeliehen. „Ich glaube, wir sind alle froh, dass du mit Taiwo einen Stürmer verpflichten kannst, wenn du keinen gelernten Stürmer im Kader hast, zumindest keinen spielfähigen Stürmer“, sagte Fischer am Sonntag.

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