Kommentar

Union ist zurück in seiner Lieblingsrolle

Für Union bringt die Niederlage gegen Bayern zwar keine Punkte. Für das Derby bei Hertha ist sie aber hilfreich, meint Michael Färber.

Union-Torwart Rafal Gikiewicz (r.) muss gegen die Bayern zweimal hinter sich greifen.

Union-Torwart Rafal Gikiewicz (r.) muss gegen die Bayern zweimal hinter sich greifen.

Foto: Hannibal Hanschke / AFP

Berlin. Dass man selbst in einem Heimspiel gegen den FC Bayern nicht unbedingt Punkte einplant, ist nur verständlich. Und schon gar nicht als Neuling in der Fußball-Bundesliga, auch wenn es – wie bislang dem 1. FC Union – gelang, eine wirklich gute Saison zu spielen.

Eine Niederlage zu kassieren, auch wenn sie gegen den deutschen Meister ist, den Meister der vergangenen sieben Jahre, ist dennoch nicht förderlich. Nicht für die Moral, die im Endspurt der Saison und erst recht durch den Geisterspiel-Modus, den das Coronavirus unumgänglich macht, immer wichtiger wird. Und selbstredend auch nicht für das Punktekonto, das mit 30 Zählern nach 26 Spieltagen bereits ordentlich, aber eben noch nicht ausreichend gefüllt ist.

Und doch hat dieses 0:2 gegen den Branchenprimus etwas gebracht, was mit Blick auf die nächste Partie für Union durchaus wertvoll ist. Gerade rechtzeitig vor dem zweiten Hauptstadt-Duell in der deutschen Eliteliga sind die Köpenicker wieder in ihre Lieblingsrolle zurückgekehrt: Union geht als Außenseiter ins Derby gegen Hertha BSC.

Union Berlin rüstet sich für die nächste Kür

Schon zu Zweitligazeiten hat sich Union in der Rolle des Jägers stets wohler gefühlt als in der des Gejagten. Vor allem in der vergangenen Spielzeit wurde dies deutlich. Sollten doch die anderen den Druck der Aufstiegspflicht mit sich schleppen, derweil Union – auch dank Trainer Urs Fischer – sich gekonnt aus der Rolle des Aufstiegskandidaten und erst recht aus der des Aufstiegsfavoriten heraushielt. Jedenfalls lang genug, um im entscheidenden Moment an der Konkurrenz vorbeizuziehen.

Der Druck, unbedingt gewinnen zu müssen, liegt nach dem ersten Corona-Spieltag der Bundesliga-Historie bei Hertha. Auch weil der Mannschaft um ihren neuen Trainer Bruno Labbadia gleich dieses 3:0 in Hoffenheim gelungen ist. Hertha ist nun mehr denn je der Favorit im Berliner Derby, das spielt Union in die Karten.

Schon im Hinspiel Anfang November vergangenen Jahres war es eher Kür als Pflicht für die Köpenicker, Hertha zu schlagen. Sie taten es dennoch, dank ihres grandiosen Einsatzes. Dass Union auch seinerzeit hinter Hertha in der Tabelle gestanden hat, soll hier nicht unerwähnt bleiben.

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