Bundesliga

Deshalb ist Ujah für Union so wertvoll

Rekordtransfer Ujah fühlt sich bei Aufsteiger Union sehr wohl, obwohl er nur Teilzeitkraft ist. Am Sonntag geht es gegen Ex-Klub Köln.

Anthony Ujah (Mitte) freut sich auf sein nächstes Spiel für den 1. FC Union.

Anthony Ujah (Mitte) freut sich auf sein nächstes Spiel für den 1. FC Union.

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Berlin. So manch einer packt den Stier gern mal bei den Hörnern. Für Anthony Ujah hat es zwar nur zu einem Geißbock gereicht. Dafür ging die Szene, wie der Fußball-Profi das Maskottchen des 1. FC Köln, Hennes VIII., an seiner Begeisterung teilhaben ließ, rund um die Welt.

Viereinhalb Jahre später muss Ujah lachen, als er an seinen ausgelassenen Torjubel für die Kölner beim Sieg gegen Frankfurt im März 2015 denkt. Nur eine Episode jener Zeit am Rhein, die er immer noch „besonders“ nennt. „Nicht nur wegen der Fans, überhaupt ist alles gut gelaufen in Köln“, erzählt Ujah.

In drei Jahren (2012 bis 2015) absolvierte er 94 Liga-Einsätze für Köln, schoss dabei 34 Tore. Und er war eine Stütze des Teams. Nun, als Profi des 1. FC Union, des Aufsteigers in die Fußball-Bundesliga, muss der 29-Jährige damit klarkommen, dass er nicht mehr automatisch zur ersten Elf gehört.

Ujah blickt stets positiv nach vorn

Dass er mit dieser Situation umgehen kann, hat nicht zuletzt auch etwas mit seiner Zeit in Köln zu tun. „Du musst stark im Kopf sein“, erklärt Ujah, wie es ihm gelungen ist, in Köln zum Publikumsliebling zu werden. Stärke, die aus innerer Zufriedenheit resultiert. „Ich bin ein glücklicher Mensch. Es ist schwer, mich traurig zu sehen“, sagt Ujah.

Natürlich gab es auch Momente, in denen der Nigerianer „nicht mehr spielen wollte“. Wenn eine lange Torflaute zum Beispiel episch ausgewalzt wird. Oder wenn die Fans – wie in Köln nicht unüblich – ihre Ungeduld an einem Spieler auslassen, der auf dem Platz vielleicht einmal nicht seinen besten Tag erwischt hat.

„Es gibt schwierige Momente, da möchte man sofort nach Hause gehen und darüber nachdenken“, sagt Ujah. Erst recht, wenn in Zeiten der sozialen Netzwerke Spott und Häme negative Begleiter sind. Doch Ujah ist jemand, der positiv nach vorn schaut. „Am nächsten Tag ist schon wieder alles vorbei.“

Union Berlin profitiert von Ujah

Es ist diese Einstellung, die ihn für Union so wertvoll macht, zusätzlich zu seinen Qualitäten auf dem Platz. Wir haben bei Union ja auch bereits eine schwierige Phase gehabt“, erinnert der Angreifer an die vier Niederlagen in Folge im September und Oktober, aber wir sind da wieder gut rausgekommen.“

Ujah nennt einen Grund, der für ihn in dieser Zeit ausschlaggebend war. „Wir haben einen Trainer, der wie ein Vater zu uns ist“, sagt er über Urs Fischer. Der Schweizer „macht uns immer deutlich, was wir gut gemacht haben, bringt uns aber auch immer wieder auf den Boden zurück“.

Nicht erst in dieser Saison ist die gute Kommunikation zwischen Trainergespann und Mannschaft ein Schlüssel für das gute Klima im Kader. Jenes macht es den Spielern, die bislang kaum zum Einsatz gekommen sind, ein wenig leichter. Das gilt auch für Ujah, der bei seinen elf Einsätzen für Union (zwei Tore) meist von der Bank gekommen ist, obwohl er – im Sommer aus Mainz geholt – mit zwei Millionen Euro Ablöse Rekordtransfer der Köpenicker ist.

Ujah zieht Kraft aus der Unterstützung durch die Fans

Einen weiteren Grund sieht Ujah in der Unterstützung von den Rängen. Dies sei der große Unterschied zu Köln. „Wir haben gegen Leipzig 0:4 verloren, die Fans haben uns aber trotzdem gefeiert. So etwas habe ich noch nie erlebt“, berichtet der Stürmer.

Vor allem dem Anhang will Ujah etwas zurückgeben, am liebsten schon am Sonntag gegen seinen Ex-Klub Köln (15.30 Uhr, Alte Försterei). In der Alten Försterei zu spielen, „ist etwas Besonderes. Ich will einfach auf dem Platz stehen und Tore schießen“, so Ujah.

Inzwischen hat er auch mit dem Kölner Anhang seinen Frieden geschlossen, nachdem es zwischen ihm und den Fans 2015 zum Bruch gekommen war wegen seines Wechsels zu Werder Bremen. „Ich habe den Wechsel nicht bedauert, nur die Art und Weise, wie es herausgekommen ist“, sagt Ujah. Schon vor Saisonende wurde ein Foto von Ujah mit einem Werder-Schal veröffentlicht.

Ujah hat seinen Frieden mit Hennes VIII. gemacht

Und auch bei Hennes VIII., seit August im Ruhestand, hat sich Ujah längst entschuldigt. „Ich habe ihn vor zwei Wochen besucht und Hallo gesagt“, erzählt Ujah. Und lacht über eine besondere Zeit.

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